Bedienen und Beobachten
Multitouch im Schiffbau
Die Wasser-Taxis sind fester Bestandteil des Straßenbildes in Venedig. Nach und nach werden diese Boote nun mit multifunktionalen Touchpanels ausgerüstet.
Die Kapitäne der Wasser-Taxis hatten bis dato eine ganze Fülle von Anzeigen in Form von Zeigerinstrumenten zu beobachten: Neben der Motortemperatur, dem Öldruck, der Spannung und der Kapazität der Batterie, der Tankanzeige, der Geschwindigkeitsanzeige und dem Drehzahlmesser waren dies der Tiefenmesser, der Betriebsstundenzähler, die Trimmung, die Wasserdruckanzeige und die Uhr. All diese Systeme wurden sehr aufwendig installiert und mussten aufgrund des rauhen Umfeldes auch häufig ausgetauscht werden. Der Ausfall eines der Elemente war schon allein deshalb sehr teuer, da dies ausbleibende Einnahmen bedeutete. Bei einem Preis von bis zu 300 Euro pro 15-minütiger Fahrt inklusive Champagner, konnte dies einen stattlichen Betrag ausmachen.
Mittlerweile sind 30 Wasser-Taxis mit einem 7 Zoll großen kapazitiven GlasTouchpanel von Exor ausgerüstet, das all die erwähnten Anzeige-Instrumente ersetzt. Das Touchpanel ist in IP69K-Version ausgeführt und damit dem rauhen Seeklima der Kanäle gewachsen. Dank des 450 Candela starken Sonnenlichtlesbaren Displays – das sich bei Bedarf auf bis zu 100 % dimmen lässt – ist es auch bei schönem Wetter ablesbar.
Screenshot der Benutzeroberfläche: Die Software unterstützt HTML5 und erlaubt damit auch den Zugriff per iPhone und iPad.
© ExorKern des Displays ist ein „ARM Cortex A9 Core Duo System on Chip“. Auf diesem Modul laufen gleichzeitig die Visualisierung – Video mit 25 FPS, realisiert im FPGA – das Motormanagement und die Positionierung des Bugstrahlruders. Nicht zu vergessen die Navigation, die ebenfalls auf dem Gerät abläuft. Der hierzu notwendige GPS-Empfänger ist über die serielle Schnittstelle mit dem Touchpanel verbunden. Gerade das Navigationssystem ist auf Venedigs Wasserwegen nicht wegzudenken und zwar aus zweierlei Gründen. Erstens: In Venedig ändern sich sehr oft die schiffbaren Wasserwege. Die Navigationssoftware, welche auf dem Touchpanel installiert ist, ermöglicht dem Kapitän dennoch ein müheloses Navigieren; Karten-Updates werden via GSM-Modem ständig aktualisiert. Was den Betreibern aber am besten gefällt, ist die mit dem Navigationssystem verbundene Geschwindigkeitsüberwachung. Auf den Wasserstraßen Venedigs achtet man streng auf die Einhaltung des vorgeschriebenen Tempos. Hier droht selbst bei geringer Geschwindigkeitsüberschreitung der Entzug der Fahrerlaubnis für mehrere Monate. Das Touchpanel ist nun so programmiert, dass bei Überschreitung des Speed Limits automatisch ein nicht zu überhörendes Signal über die im Panel integrierbaren Relaisausgänge aktiviert wird.

Siemens rüstet erste finnische Elektrofähre aus
Die komplette elektrotechnische Lösung der ersten batteriebetriebenen Autofähre in Finnland liefert der deutsche Automatisierungskonzern Siemens. Die Elektrofähre soll im Sommer 2017 im finnischen Schärengebiet Turku zum Einsatz kommen.
Das Display „denkt“ mit
Das Gerät bietet die Möglichkeit, alle Instrumente und Bedienelemente der Wassertaxis in eine dynamische Benutzeroberfläche zu integrieren. Der Vorteil liegt darin, dass sich die Objekte abhängig von dynamischen Parametern im Display verändern können. So wird beim Rückwärtsfahren etwa automatisch das Kamerabild der Rückfahrkamera eingeblendet. Bei erhöhter Geschwindigkeit wird der digitale Tacho im Display größer dargestellt.
Die Widgets der Panel-Software: Die Objekte der Benutzeroberfläche sind an die ehemaligen „realen“ Anzeigen und Bedienelemente angelehnt.
© ExorBei Überschreitung des Speed Limits wird – wie bereits erwähnt – automatisch ein nicht zu überhörendes Signal aktiviert. Die Animation dieser Funktionen der Bedienoberfläche wird dem Projektdesigner dank der mitgelieferten Software einfach gemacht: Alle Elemente sind im SVG-Format (scalable vector graphics) angelegt. Jedes Element lässt sich durch einfaches Anklicken (rechte Maustaste) einer Variablen im Kommunikationsprotokoll zuordnen. Somit wird die Form, Größe, Position oder Farbe eines Objektes dynamisch vom Zustand der ausgewählten Variablen beeinflusst. Diese Verknüpfungen sind so einfach zu erstellen, das der Designer nicht auf die Hilfe eines technisch versierten Fachpersonals angewiesen ist. Dank der großen Auswahl von Objekten und Widgets ist so ein Projekt auch schon in wenigen Stunden realisierbar.
Mit dem Motormanagement des Bootes kommuniziert das Panel per NMEA2000-Protokoll. Die Ansteuerung der LED-basierten Bord-Beleuchtung ist mittels DMX-Protokoll realisiert. Weitere Sensoren werden über die im Panel integrierten digitalen und analogen Ein- und Ausgänge beziehungsweise die Schnittstellen CAN und Ethernet erfasst und angesteuert. Das System kann bis zu vier Schnittstellen gleichzeitig bedienen und erfassen. Ebenso ist es möglich, Daten auf die anderen Systeme an Bord direkt sozusagen als Gateway zu übertragen. Eine im Gerät integrierbare SD-Karte und die beiden USB-Ports erlauben die Integration weiterer Funktionen. Ab Oktober 2013 werden vom Hersteller auch optional bestückbare Servicerouter-Module angeboten.
Da der technische Ausfall eines Bootes für den Taxi-Unternehmer einen großen betriebswirtschaftlichen Verlust bedeutet, verfügen alle bis dato implementierten Systeme über eine integrierte Fernwartung. Via GSM oder über WLAN (wenn verfügbar) kann nicht nur eine Diagnose von Spezialisten aus der Ferne durchgeführt werden. Auch neues Kartenmaterial oder Software-Updates lassen sich so auf das System aufspielen.
Für den Taxiunternehmer ebenfalls sehr angenehm ist der HTML5-basierte Zugriff per iPhone oder iPAD auf die Panel-Software. Er kann sich so via Browser und GSM in das System einloggen und Position sowie Zustand der Aggregate abfragen, was für eine direkte Kostenoptimierung genutzt werden kann.












