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Artikel und Hintergründe zum Thema

Nachgehakt bei Prof. Dr. Detlef Zühlke

Günter Herkommer,

Die `smarte´ Fabrik

Vor fünf Jahren wurde an der TU Kaiserslautern die „SmartFactory“ ins Leben gerufen – eine Forschungs- und Demonstrationsplattform, anhand derer neueste Informations- und Kommunikationstechnologien für die Fabrik getestet und zur Marktreife gebracht werden sollten. Computer&AUTOMATION sprach mit dem Initiator Prof. Dr. Detlef Zühlke über den Status quo des Projektes.

„Die SmartFactory ist mittlerweile zum Arbeitgeber geworden und beschäftigt Wissenschaftler und Techniker.“

Herr Dr. Zühlke, welche Bilanz ziehen Sie nach fünf Jahren Smart- Factory?

Dr. Zühlke: Ausgangspunkt unserer Aktivitäten waren ja Technologien, die trotz ihres absehbaren Zukunftspotenzials den Beweis für ihre Praxistauglichkeit noch schuldig waren - man denke beispielsweise an die Themen drahtlose Kommunikation oder RFID. Heute sind diese Technologien im industriellen Umfeld etabliert und auch im Einsatz. Von daher ist es der SmartFactory als eingetragenem Verein erfolgreich gelungen, eine Brücke zwischen der wissenschaftlichen Forschung und der Industrie zu schlagen.

Dies wird auch durch die Beteiligung an bedeutenden Forschungsprojekten auf nationaler und internationaler Ebene deutlich: So hat sich die SmartFactory erfolgreich am Spitzencluster-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung beteiligt und stellt im Software-Cluster das zentrale Forschungslabor im Bereich Produktion. Zudem ist sie am EU-Forschungsprojekt Cognito beteiligt. Hier forscht ein internationales Konsortium an neuen Augmented-Reality gestützten Assistenzsystemen für komplexe Montagevorgänge.

Wie beurteilen Sie generell das Tempo beziehungsweise den Integrationsgrad, mit dem die „smarten" Technologien Einzug in die Automation halten?

Dr. Zühlke: Insbesondere Technologien, die sich in bestehende Prozesse leicht integrieren lassen und diese verbessern, haben sich sehr schnell durchsetzen können. Bei den drahtlosen Kommunikationssystemen etwa ist dies deutlich sichtbar. Andere Technologien, wie etwa serviceorientierte Steuerungsarchitekturen, die etablierte Strukturen verändern und neue Denkweisen voraussetzen, erfordern wesentlich längere Einführungszeiten.

Ein Ziel des Projektes lautete, „smarte" Informationsund Kommunikationstechnologien nicht nur zu erforschen, sondern auch zur Marktreife zu bringen. Was haben Ihre Arbeiten diesbezüglich hervorgebracht?

Dr. Zühlke: Ein Beispiel hierfür ist die Firma Unipo, die mit dem UCP450 ein universelles drahtloses Bediengerät auf den Markt gebracht hat, das gemeinsam mit weiteren Partnern der SmartFactory entwickelt wurde. Unsere Forschungsergebnisse sowohl bei der Gestaltung von Mensch-Maschine-Schnittstellen als auch den dahinter liegenden Software-Architekturen konnten hier unmittelbar eingebracht werden. Durch die offene Architektur und die zahlreichen Kommunikationsschnittstellen lassen sich so nahezu beliebige Feldgeräte überwachen und bedienen.

Die Demonstrationsplattform bildet im Wesentlichen eine prozesstechnische Anlage ab. Ursprüngliches Ziel war ja, parallel dazu einen Demonstrator für komplexe fertigungstechnische Abläufe zu entwickeln.

Dr. Zühlke: Das ist richtig. Speziell mit der Automobilindustrie haben wir in der Vergangenheit diesbezüglich auch intensive Gespräche geführt. Durch die schwierige konjunkturelle Situation der letzten zwei Jahre konnten die Pläne bisher jedoch noch nicht realisiert werden. Abgesehen davon verfügt auch die bestehende Anlage bereits über einen Demonstrationsprozess zum Handling von Stückgütern.

Die SmartFactory ist 2005 mit sieben Gründungsmitgliedern an den Start gegangen, darunter Firmen wie BASF, Pepperl+Fuchs und Siemens. Welche Unterstützung aus der Industrie erfährt das Projekt heute?

Dr. Zühlke: Stand heute zählt die Initiative 17 Mitglieder aus verschiedenen Branchen. Zusätzlich beteiligen sich zahlreiche Unternehmen als Sponsoren an der Initiative und es gibt mittlerweile auch viele internationale Anfragen und Kooperationen. So hat die SmartFactory bereits seit einigen Jahren ein Mitglied aus Rumänien. Durch internationale Projekte und Vorträge sind zudem zahlreiche Kontakte unter anderem nach Korea, Singapur und USA entstanden.

Wo entwickelt sich das Projekt SmartFactory in den kommenden Jahren hin?

Dr. Zühlke: In Kürze ziehen wir in ein neues Gebäude des DFKI am Uni-Campus ein. Damit erreichen wir eine noch engere Anbindung an die anwendungsorientierte Forschung und die Lehre. Daneben möchten wir künftig den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb des Vereins etablieren und ausbauen, indem wir Beratungsdienstleistungen eventuell in einer Ausgründung anbieten.

Was die technologische Ausrichtung betrifft, so werden die Potenziale „smarter" Technologien mehr und mehr durch softwarezentrierte Neuerungen induziert. Mit anderen Worten: Die Forschungsinhalte werden sich zukünftig verstärkt auf die höheren Ebenen der Automatisierungspyramide mit einer flexiblen und durchdringenden Vernetzung ausdehnen.

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