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Artikel und Hintergründe zum Thema

Visualisierung / HMI

Stefan Kuppinger,

Designtrends 2012

Bunte Bildchen mit verspielten Animationen waren gestern. Heute zählen die Aufbereitung und Verdichtung der Prozessdaten zu Informationen sowie klare Bedienerstrukturen für die Maschinen und Anlagen. Ergonomie und Usability lauten die Stichwörter.

© Inosoft

Jan Groenefeld, Ergosign: „Bedienphilosophien aus der Consumerwelt finden immer wieder den Weg an die Maschinen. Das wird bei Multitouch und Gestiksteuerung nicht anders sein, einen spürbaren Mehrwert bei der Bedienbarkeit vorausgesetzt.“

© Inosoft

Untrennbar mit Usability verbunden sind die Design- und Bedienaspekte, die aus der Comsumerwelt in die Fertigungshallen schwappen – allen voran Multitouch und Gestensteuerung, wie sie bei Smartphones und Tablet-PCs mittlerweile alltäglich sind. Deren Bedienphilosophie setzt künftig die Trends bei Visualisierungen und wird bei Maschinen- und Anlagenbauern ein Umdenken bei den Bedienphilosophien auslösen. „Anmutung und Bediengefühl beispielsweise eines iPhones werden von Auftraggebern schnell zur Referenz für die eigene Visualisierungsoberfläche erkoren,“ betont Jan Groenefeld, Senior User-Interface-Designer bei der Firma Ergosign. Schließlich erleichtert eine einfache und selbsterklärende Benutzerführung die Einarbeitung an einer Maschine, insbesondere für ungelerntes oder stark fluktuierendes Personal.

Und Microsoft forciert den Trend. „Windows 8 ist das erste Betriebssystem, das auf breiter Front auf die Touch-Bedienung setzt“, so Groenefeld. Das wird die Philosophie der Multitouch-Bedienung verfestigen. Denn ein wichtiger Faktor für die Akzeptanz von Bedienkonzepten ist der Bekanntheitsgrad ähnlicher oder identischer Konzepte. Eine große Herausforderung sieht Groenefeld nach wie vor in der intuitiv verständlichen Visualisierung von Prozessen und Funktionsabläufen. Insbesondere der eingeschränkte Blickwinkel von 2D-Darstellungen führt mitunter zu einem Orientierungsverlust oder missverständlichen Anweisungen. Eine 1:1-Abbildung der Maschine als 3D-Modell umgeht dieses Problem. „Der Einsatz von 3D entwickelt sich allmählich zu anwendbaren Szenarien - etwa bei der Lokalisierung von Fehlermeldungen an einem 3D-Modell der Maschine,“ so Groenefeld. Die Firma Inosoft, mit der Ergosign im Rahmen der HMI-Alliance zusammenarbeitet, gilt hier als einer der Protagonisten von 3D-Visualisierungen und kann bereits auf einige Projekte verweisen.

„Viele Konzepte, die auf interaktiven 3D-Modellen beruhen, werden wieder verworfen, nicht wegen mangelnder oder ungeeigneter Nutzungskonzepte, sondern schlicht wegen der Wirtschaftlichkeit einer Implementierung“, weiß Groenefeld aus vielen Projekten. Der Grund: Die Integration der 3D-Modelle in vorhandene Visualisierungsplattformen erweist sich immer wieder als problematisch. Wenn die vorhandenen Visualisierungstools nicht die für eine Konvertierung und Integration notwendigen Technologien unterstützen, müssen 3D-Modelle häufig erst durch einen kompletten Nachbau in das richtige Format gebracht werden. Dazu Groenefeld: „Das ist in der Regel extrem zeit- und kostenintensiv.“ Darüber hinaus führen dann schon kleinste Änderungen des Maschinen-Layouts erneut zu beträchtlichen Aufwänden.

Die HMI-Alliance von Ergosign und Inosoft verfolgt daher einen Integrations-Workflow, der vorhandene CAD-Modelle aus der Konstruktion nutzt: Mit dem entsprechendem Know-how und den richtigen Tools lassen sich die CAD-Daten für den interaktiven Einsatz in einer Visualisierung aufbereiten. Als geeignete Basis für die Integration interaktiver 3D-Modelle hat sich Microsofts WPF-Technologie (Windows Presentation Foundation) im Zusammenspiel mit der Visualisieurung Visiwin von Insoft bewährt. Kritisch sieht Groenefeld die oft überschätzte Internationalisierung von Software: „Der zu berücksichtigende Grad kulturspezifischer Besonderheiten wird meiner Meinung nach überschätzt.“ Ein gutes User-Interface verfolgt ohnehin universelle Ansätze und bringt Symbole, so weit möglich auch die eingesetzten Farben, auf einen gemeinsamen kulturellen Nenner. Zudem zeigt die Erfahrung, dass asiatische Mitarbeiter es gewohnt sind, sich im Arbeitsumfeld auf eher westlich geprägte Design- und Bedien-Philosophien einzustellen.

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