Apps
Der App-Store für die Industrie
Apps sind zunehmend auch für Unternehmen interessant. Ein wichtiges Element fehlt jedoch noch, um den endgültigen Durchbruch zu schaffen: Ein passender App-Store, um Anwendungen sowohl Kunden als auch Mitarbeitern zur Verfügung stellen zu können.
Apps zur Unterhaltung, Apps zur Steigerung der Produktivität im Büro, Gesundheits- und Fitness-Apps oder Lern-Apps für Kinder – für das Stöbern und Kaufen gibt es für die meisten Smartphone-Nutzer nur eine Adresse: Den Apple App Store (iOS) oder den Google Play Store (Android).
Bevor die Anwendungen in den App-Stores zur Verfügung stehen, nehmen Apple und Google intensive und maschinell durchgeführte Analysen der App-Codes vor, um die Verteilung von Schadcode zu minimieren. Zusätzlich werden manuelle Tests jeder App durchgeführt, um das Nutzenversprechen der App nachzuprüfen, Abstürze zu identifizieren beziehungsweise die Einhaltung von Gestaltungsrichtlinien sicherzustellen. Dies sorgt für hochwertige Apps und fördert die Zahlungsbereitschaft der Anwender. Unter App-Entwicklern wird ein gewisser Exzellenzstatus heraufbeschworen. Für kostenpflichtige Apps ist eine Verkaufsprovision von 30 % des Verkaufspreises fällig.
Die Ausgabe von Volumenlizenzen und Wartungsverträgen ist nicht vorgesehen und auch die Einschränkung von Zugriffsrechten ist nicht möglich. Im Gegenteil: Laut den Richtlinien beispielsweise des Apple App Store dür-fen einzelne Anwender von der App-Nutzung nicht ausgeschlossen werden. Dies wird während des Review-Prozesses intensiv etwa durch Apple geprüft. Zudem lassen sich einmal installierte Apps nur durch den Anwender selbst und nicht aus der Ferne löschen.
Für die Verteilung von Individual-Apps eignen sich öffentliche App-Stores demnach ganz und gar nicht. Möglich wäre nur, dass ein Hersteller von Serienmaschinen allen Kunden die gleichen Zusatzdienste in Form von Apps anbietet und diese über öffentliche App-Stores verteilt.

Computer als zweite Haut
An der Universität des Saarlandes werden Computer entwickelt, die wie eine zweite Haut getragen werden können. Optimal an den Körper des Anwenders angepasst, könnten sie Smartwatches ersetzen. Das Forschungsprojekt wird nun vom ERC gefördert.
Besonderheiten der Industrie
Im Gegensatz zur Wohnzimmer- und Freizeitnutzung gelten bei der Nutzung von Apps in der Industrie andere Regeln. Grundsätzlich lassen sich für App-Stores für die Unternehmensbedürfnisse folgende Anforderungen aufstellen:
- Lizenzierung/Monetarisierung:
Anders als im Endverbrauchermarkt sind in der Industrie Themen wie Wartungsverträge und Volumenlizenzen interessant. Ein Wartungsvertrag garantiert dem Kunden die Beseitigung von Fehlern in der Anwendung und gesteht ihm einen gewissen Support zu. Volumenlizenzen gewähren einem Kunden Rabatt, wenn er eine gewisse Anzahl Lizenzen abgenommen hat. - Vertraulichkeit/Autorisierung
Nicht jeder Mitarbeiter und schon gar nicht die gesamte Öffentlichkeit darf bestimmte Apps zur Installation angeboten bekommen. Bereits auf dieser Ebene muss die Vergabe von Zugriffsrechten geregelt werden können. - Mitarbeiter-Lifecycle
Mitarbeiter kommen und gehen. Kommt ein neuer Mitarbeiter, dann muss er gemäß seiner Rolle die notwendigen Apps installieren können. Geht ein Mitarbeiter, dann müssen sich die installierten Apps automatisch aus der Ferne entfernen lassen. Bekommen Mitarbeiter im Rahmen ihrer Anstellung neue Aufgaben und Verantwortungen übertragen, dann wirkt sich dies gegebenenfalls auch auf die Menge der installierbaren Apps aus.
Apple bietet auch Produkte, die einen Teil dieser Anforderungen erfüllen: Nichtöffentliche Varianten seines App-Store für die Verteilung von Geschäftsanwendungen und die Abbildung von Kundenbeziehung. Google hat leider nichts Vergleichbares im Angebot.
Das Apple B2B-Programm steht jedem iOS-App-Entwickler zur Verfügung. Hiermit können Unternehmen Kundenbeziehungen definieren und Volumenlizenzen ausgeben. Die Voraussetzung ist aber, dass die Geschäftspartner ebenfalls bei Apple entsprechend registriert sind.
Das Apple-Enterprise-Inhouse-Modell ermöglicht die Verteilung von Apps innerhalb eines Unternehmens. Für dieses Modell ist eine separate Registrierung und auch eine teurere Mitgliedschaft am Apple-Developer-Programm notwendig. Dafür erlaubt Apple dann aber, Apps auf einem Unternehmensserver – am Apple-App-Store vorbei – zu hosten und den eigenen Mitarbeitern und Partnern zugänglich zu machen. Ein Review der Apps durch Apple und die damit verbundene Verzögerung bei der Veröffentlichung von Apps entfällt damit komplett. Der Prozess zur Verteilung der Apps lässt sich deutlich verschlanken und beschleunigen. Allerdings verbieten Apples Geschäftsbedingungen die Verteilung der Apps über die Grenzen des Unternehmens beziehungsweise die der Unternehmenspartner hinweg. Die Abbildung von Lieferanten-Kunden-Beziehungen mit dem Apple-Enterprise-Inhouse-Modell ist möglich, aber aufwendig.
Mobile Device Management
Besonders für die Realisierung des Mitarbeiter-Lifecycle haben sich sogenannte Mobile-Device-Management-Lösungen (MDM) etabliert, die zumeist auf dem Enterprise-Inhouse-Modell aufsetzen. Hierfür wird eine aufwendige Client-Server-Infrastruktur bereitgestellt. Über ein Management-Dashboard können Mitarbeiter und Apps sowie die Beziehungen dazwischen verwaltet werden. Die Installation und Deinstallation von Apps ist aus der Ferne möglich und zudem ist das White- und Blacklisting von Apps aus öffentlichen App Stores realisierbar, um etwa die Nutzung von Facebook zu unterbinden.
Das Problem: MDM-Lösungen sind umfangreiche Werkzeuge, die auf die Erfordernisse von multinationalen Konzernen ausgelegt sind. Demzufolge haben sie eine enorme Komplexität, deren Beherrschung ein Vollzeit-Job ist und viel Know-how voraussetzt.
Der Unternehmens-Store
Zurück zur eigentlichen Anforderung: Ein Maschinen- oder Anlagenbauer möchte eine App direkt auf den Mobilgeräten seiner Kunden bereitstellen. Monkeyworks bietet einen Dienst, der bereits ersten Anwendern der ‚HMI Suite Workbench‘ (siehe Kasten) für erste Projekte freigeschaltet wurde: die ‚Monkeyworks Cloud‘ bestehend aus einer ‚Build Cloud‘ und einem daran angeschlossenen Store. Die ersten Anwender sind Projektpartner sowie Kunden von Monkeyworks.
Screenshot der Kundensicht auf den Store. Der Kunde sieht nur die Apps, für die er freigeschalten ist.
© Monkey WorksProjekte, die mit der ‚HMI Suite Workbench‘ erstellt wurden, lassen sich in die ‚Build Cloud‘ laden. Dort werden aus den Quellcode-Projekten automatisiert und transparent installierfertige Apps gefertigt und umgehend in einen privaten, durch Monkeyworks bereitgestellten Store geladen. Schon wenige Minuten später erhält der Kunde eine Nachricht, dass seine App zur Installation bereitsteht. Jeder Workbench-Kunde bekommt seinen eigenen Store, in dem er Administrator ist und den er selbst verwaltet. So lassen sich im Administrationsbereich des eigenen Store Anwender und Apps mit Hilfe von Webformularen verwalten. Beispielsweise können Anwender Gruppen zugeordnet – etwa ‚Maintenance‘ und ‚Operation‘ – sowie Apps für einzelne oder mehrere Gruppen freigeschaltet oder gesperrt werden. Anwender der Gruppe ‚Operation‘ sehen demnach auch nur die Apps der jeweiligen Gruppe.
Umfangreiche Statistiken erlauben industrietaugliche Abrechnungsmodelle und Funktionen eines Mobile-Device-Managements – etwa erzwungene Updates oder das Ausschließen eines Mit-arbeiters. Im Administrationsbereich des eigenen Store sind wichtige Protokolle einsehbar – beispielsweise welcher Nutzer welche App auf welchem Gerät von welchem Ort der Welt aus zu welcher Zeit installiert hat. Daraus können Unternehmen Nutzungsstatistiken generieren, die Basis für eine Rechnungslegung sein können. Zudem sind Kontrollmechanismen darstellbar, etwa um eine missbräuchliche Nutzung zu identifizieren und Maßnahmen einzuleiten. Muss ein Anwender aufgrund eines ebensolchen Missbrauchs oder beim Verlassen des Unternehmens ausgeschlossen werden, kann ihm ein Administrator die Zugriffsrechte entziehen. Nun hat der ausgeschlossene Mitarbeiter die App zwar noch installiert, aber er bekommt bei der Benutzung der App keine Daten mehr angezeigt. Updates dieser App und die Installation weiterer Anwendungen sind nicht mehr möglich. Über die ‚Monkeyworks Cloud‘ können Android- und iOS-Apps gleichermaßen gebaut und verteilt werden.
Die ‚Monkeyworks Cloud‘ steht derzeit noch am Anfang, sie zeigt aber schon jetzt, dass industrietaugliche Lösungen ebenso einfach sein können wie die, die wir im privaten Umfeld beispielsweise durch Apple tagtäglich zu schätzen gelernt haben und uns nicht mehr wegdenken mögen.
Autor:
Dr. Stefan Hennig ist Geschäftsführer und technischer Leiter bei Monkey Works
Die Anforderungen in der Praxis
Ein Serienmaschinenbauer plant, seinen Kunden zur Inbetriebnahme und Diagnose seiner Maschinen eine universelle App an die Hand zu geben. Für die Entwicklung und Pflege der App beauftragt er einen Softwaredienstleister. Neben der Entwicklung der App für Android und iOS ist dieser verantwortlich für die Bereitstellung der Apps in den jeweiligen App-Stores. Hierfür sind entsprechende Entwickler-Accounts notwendig, Zertifikate anzulegen und insgesamt ein umfangreicher Prozess für die Veröffentlichung im App-Store zu durchlaufen – jeweils für iOS und Android. Kunden des Serienmaschinenbauers laden sich die App aus dem App-Store und können sofort loslegen.
Schwierig ist es, wenn Kunden des Serienmaschinenbauers individuelle Apps wünschen oder Sondermaschinen individuelle Anpassungen der Apps verlangen. In diesem Fall muss der oben beschriebene Prozess für jeden Kunden beziehungsweise jedes Projekt durchlaufen werden. Die Verteilung der Apps in einem öffentlichen App-Store ist dann weder möglich noch gewünscht.
Die HMI Suite Workbench
Die 'Build Cloud' von Monkeyworks mit angeschlossenem Store ermöglicht die Verteilung von Apps.
© Monkey WorksMit der ‚HMI Suite Workbench‘ von Monkeyworks können mobile HMI schnell und einfach erstellt und als native Apps für iOS und Android genutzt werden. Die Workbench sieht auf den ersten Blick aus wie ein normaler HMI-Designer. Ingenieure gestalten in einem grafischen Editor ihre mobile Industrie-App und parametrieren anschließend Prozessdaten und Alarme. Daneben berücksichtigt die Workbench die verschiedenen Gerätetypen, auf denen die Industrie-App zum Einsatz kommen soll – also beispielsweise Smartwatches, Smartphones, Tablets. Die Workbench enthält Exportmodule, die auf Knopfdruck die erstellten HMI-Entwürfe in plattformspezifischen Quellcode für iOS und Android überführt, der dann sofort nach einer Compilierung auf dem jeweiligen Endgerät als native App ausgeführt werden kann. Manuelle Programmierarbeit ist nicht notwendig.













