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Artikel und Hintergründe zum Thema

Interview mit Frank-Peter Schiefelbein

Günter Herkommer | Tiffany Dinges,

Augmented Reality mehr als ein Hype?

Ist AR in der Arbeitswelt nur ein vorübergehender Hype? Wo liegen die Grenzen? Glass@Service-Projektleiter Frank-Peter Schiefelbein von Siemens bezieht Stellung.

Frank-Peter Schiefelbein von Siemens: »Wir sind überzeugt, dass AR die Arbeitsprozesse in der Fabrik der Zukunft stark prägen wird.«

© Siemens

Herr Schiefelbein, wo liegen aus heutiger Sicht die Grenzen des Einsatzes intelligenter Datenbrillen?

Schiefelbein: Eine immer noch große Hürde ist die Arbeitssicherheits-Zertifizierung, die sicherstellt, dass die verwendeten Datenbrillen auf Basis individueller Gefährdungsbeurteilung einsetzbar sind. Auch werden bei der Anschaffung einer AR-Datenbrille nach wie vor wesentliche Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung in ‚echte‘ AR nicht berücksichtigt: eine dafür notwendige Infrastruktur – sprich Backend-Integration und Indoor-Navigation –, digital verfügbarer Content und die ‚richtigen‘ Devices für die ausgesuchten Use Cases. Letztlich sind nur mit den passenden Use Cases unter Berücksichtigung der genannten Kriterien Fortschritte im Shopfloor zu erreichen.

An welchen Stellen sehen Sie konkret noch weiteren Forschungsbedarf – technisch wie organisatorisch?

Schiefelbein: Etwa beim Thema Objekt-Erkennung und -Verfolgung beziehungsweise bei der Indoor-Navigation. Es gibt verschiedene Verfahren zur Objekt-Erkennung und zum Tracking und es bedarf einer sehr sorgfältigen Auswahl beziehungsweise eines Ansatzes, die Verfahren zu kombinieren. Besonders die erforderlichen Vergleichs-/Referenz-Ansätze – etwa Foto/CAD-Modell in Kombination mit SLAM-/Edge-Detektion – sind erfolgsentscheidend. Gegebenenfalls ist die Ansteuerung aus einem vorgelagerten ‚System over the Air‘ – also drahtlos statt wie in der Vergangenheit kabelgebunden – wichtig, da geometrisch möglicherweise identische Objekte zum Beispiel in einer Arbeitsanweisung behandelt werden müssen.

Was die Inhouse-Lokalisierung betrifft: Es ist derzeit in Kombination mit AR-Lösungen noch unklar, welcher technische Ansatz hier sinnvoll ist. Zum Beispiel Beacons versus Objekt-Erkennung und diese wiederum im Vergleich zu Punktewolken. Entscheidend ist ein möglichst crossplattform-verfügbarer Lösungsansatz mit einer Genauigkeit im Zentimeterbereich. Eventuell ist auch ein markerbasierender Ansatz möglich. Die Integration zu einer SmartGlass und Bereitstellung der Lokationsdaten ist noch Forschungsgegenstand.

In beiden Themengebieten gibt es daneben organisatorischen und rechtlichen Klärungsbedarf – zum Beispiel wegen Erfassung von Personen durch die Kamera-Sensorik oder der Kartographierung von Betriebsstätten. Weiterhin gilt es, die Aspekte IT-Sicherheit, Ergonomie sowie Akkulaufzeit weiter zu verbessern, und es sind kostengünstige, kompakte und leichte optische Lösungen zur Überlagerung der virtuellen und realen Welt zu entwickeln. Nicht zuletzt ist das Thema Standardisierung und Normung zu Augmented-Reality und Datenbrillen anzugehen.

Wann werden die im Projekt Glass@Service erzielten Ergebnisse Einzug in kommerzielle Produkte halten?

Schiefelbein: Im Rahmen der bisherigen Förderlandschaft sind keine Budgets vorhanden, um kommerzielle Produkte an den Markt zu bringen. Microsoft etwa hat etwa 150 Mio. Euro für die HoloLens 1 investiert. Jeder Partner wird die im Projekt erarbeiteten Ergebnisse jedoch in seine jeweiligen Entwicklungen, Produkte und Prozesse einfließen lassen. Beispielsweise sind die von der Firma Dioptic durchgeführten Optik-Simulationen für andere Anwendungen innerhalb der Dienstleistungs- und Produktpalette überführbar. Auch bei Uvex werden die Projekt-Ergebnisse in deren digitale Schutzausrüstungen einfließen. Und wir bei Siemens werden die in den Use Cases erarbeiteten Erkenntnisse zur Produktivi- tätssteigerung und Qualitätsverbesserung in realen Logistik- und Fertigungsprozessen nutzen.

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