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Artikel und Hintergründe zum Thema

SEW-Eurodrive

Hans-Joachim Müller | Andrea Gillhuber,

Vier Roboter, eine Einheit

Die Handhabung von Rohren stellt eine große Herausforderung dar. Insbesondere, wenn sie bis zu vier Meter lang und die Räumlichkeiten begrenzt sind. Eine applikationsspezifische Handling- und Transfereinheit mit vier Scara-Robotern löst die Probleme.

Vier Scara-Roboter arbeiten an einer Achse, jeweils zwei Roboter an einer Seite der Linearachse. Die Griffweite eines Scara-Arms beträgt 2,2 m.

© SEW-Eurodrive

Die Anforderungen waren komplex: Gesucht wurde eine automatisierte Handhabungslösung, die Standrohre mit einer Länge von 250 bis 4000 mm und einem Gewicht bis maximal 30 kg nach dem Trennprozess aus der Schneidmaschine entnimmt, bündelt und weiter zur Ablage auf Paletten transportiert. Der Platzbedarf vor Ort ist jedoch begrenzt.

Bild 1. An jedem der vier Scara-Roboterarme ist jeweils ein Vakuumgreifer verbaut, der die Blechrohre zuverlässig aufnimmt. Jede Saugplatte kann 40 kg Last handhaben.

© SEW-Eurodrive

Speziell für diese Anforderungen entwickelte und fertigte der Sondermaschinenbauer RTT Robotertechnik-Transfer aus Zittau eine Handling- und Transfer-einheit mit vier Scara-Robotern. Jeweils zwei Roboter sind auf zwei parallelen Führungsschienen unter der Hallen-decke montiert und können auf einer Strecke von 12 m entlang der Linearachse verfahren. Aufgrund der Anordnung können die Greifarme entsprechend der Länge und der Geometrie der unterschiedlichen Artikel flexibel positioniert werden. Zentrale Elemente für die Scara-Roboter sind Präzisions-Servogetriebemotoren, Umrichter sowie die Softwarelösung Movikit Robotics aus dem Automatisierungsbaukasten Movi-C von SEW-Eurodrive.

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Mit spezifischer Roboterkinematik konstruiert

Da die Roboter an einer Führung hängend gelagert sind, war das Gewicht der einzelnen Arme gering zu halten. Zudem erfordert die Aufgabe eine spezielle Konstruktion mit spezifischer Kinematik. Aus diesem Grund sind die Ober- und Unterarme der Scara-Roboter in optimierter Leichtbauweise konstruiert. Am Lastaufnahmepunkt greift eine Vakuum-Saugplatte die Rohre und transportiert sie weiter zum Bündeln und Verpacken auf Paletten (Bild 1).

Bild 2. Zwei Präzisions-Servomotoren mit Getrieben der Baureihe ZN sind an jedem Scara-Arm verbaut. Alle Motordaten werden in Echtzeit an den Applikationsumrichter und die damit verbundenen Netzwerke geleitet. So lassen sich detailliert sämtliche Betriebsdaten erfassen und Wartungsprognosen erstellen.

© SEW-Eurodrive

Je Roboterarm kommen drei Antriebe zum Einsatz: Ein Servo-Kegelrad-Getriebemotor dient dem Vorschub entlang des Trägers (Bild 2). Die beiden anderen Antriebe sorgen für die Bewegung des Ober- und Unterarms. Hier kommen Servomotoren in Kombination mit Getrieben der Baureihe ZN zum Einsatz, zu deren Eigenschaften die Spielfreiheit und die Präzision bei extremen Beschleunigungsmomenten zählen. Die Torsions- und Kippsteifigkeit der Getriebe ermöglichen das exakte Positionieren und die schnelle Bewegung großer Lasten wiederholgenau und bieten darüber hinaus die Möglichkeit, hohe Drehmomente aufzunehmen. Zudem ermöglicht die kompakte Bauweise der Antriebseinheiten die Montage selbst bei kleinem Bauraum. Die Motoren sind ab Werk lebensdauergeschmiert, einbaufertig und in zwölf Baugrößen verfügbar.

Der Automatisierungsbaukasten Movi-C bietet dabei ein skalierbares System an mit Engineering-Software, Steuerungs- und Umrichtertechnik sowie die passenden Motoren. Bei der beschriebenen Handlinganlage wurde das konfigurierbare Mehrachssystem ‚Movidrive modular‘ eingesetzt (siehe Kasten).

Individuelle Entnahmekinematiken

Bild 3. Der Controller als Schaltschrank-Einbaugerät sorgt für das optimale Zusammenspiel der Automatisierungskomponenten.

© SEW-Eurodrive

Die Kinematik wurde während der Projektierungsphase komplett simuliert und die Antriebe anhand der Ergebnisse optimiert ausgelegt. Mit Movikit Robotics ließen sich die Kinematiken parametrieren; mit wenigen Befehlen der SEW Robot Language waren die Bewegungsabläufe definiert. Während der Inbetriebnahme erfolgte die Bedienung über die Bedienoberfläche ‚RobotMonitor‘: Das Programm bildet die komplexen Funktionen anhand einer übersichtlichen und intuitiven Bedienoberfläche ab. Außerdem stellt es die Kinematiken dreidimensional dar und zeigt die gefahrenen Bahnen. Dieses Verfahren spart Zeit und ermöglicht flexible Anpassungen im Fall von Neuerungen.

Der Autor: Hans-Joachim Müller ist Marktmanager SEW-Eurodrive in Bruchsal.

© SEW-Eurodrive

Das Softwaremodul wird auf einem ‚Movi-C-Controller progressive‘ (Bild 3) betrieben. Sämtliche Berechnungen aller vier Kinematiken werden auf der leistungsstarken Steuerung durchgeführt. Ergebnis ist eine automatisierte Roboteranlage zur reibungslosen Verkettung der Trennmaschine mit der nachgelagerten Palettenablage.

Zwei Systeme arbeiten parallel

Als Ergebnis können zwei Entnahmesysteme beidseitig und unabhängig voneinander die Rohre aufnehmen und in den Arbeitsraum der jeweils anderen Kinematik eingreifen. RTT hat das Projekt gemeinsam mit SEW-Eurodrive durchgeführt: Die Anlage konnte binnen sechs Monaten Entwicklungs- und Konstruktionszeit ausgeliefert werden. Seit Sommer 2020 ist sie beim Hersteller von Dachentwässerungsanlagen im Einsatz und folgt dem Takt der Trennanlage.   

Der Automatisierungsbaukasten Movi-C mit Echtzeitbus

Automatisierungsbaukasten Movi-C mit Echtzeitbus von SEW-Eurodrive.

© SEW-Eurodrive

Das kompakte Mehrachssystem ‚Movidrive modular‘ mit seinem intelligenten Netzleistungs- und Energiemanagement besteht aus Versorgungsmodulen, Rückspeisemodulen sowie Einachs- und Doppelachsmodulen und wird über den Movi-C-Controller angesteuert. Die Inbetriebnahme erfolgt über das elek-tronische Typenschild oder den elektronischen Katalog. Auch die Inbetriebnahme unbekannter Motoren ist über die Ausmessfunktion möglich. Alle Motordaten werden in Echtzeit an den Applikationsumrichter und die damit verbundenen Netzwerke geleitet. So lassen sich detailliert alle Betriebsdaten erfassen und Wartungsprognosen erstellen. Durch die automatische Identifizierung und Bereitstellung von Typbezeichnungen, Seriennummern und Logistikdaten der Motoren ist eine automatische Inventar-Erstellung aller Antriebe in einer Anlage per Knopfdruck möglich.

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