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Artikel und Hintergründe zum Thema

Maschinenautomatisierung

Günter Herkommer,

SEW-Eurodrive mit eigener Parallelkinematik

SEW-Eurodrive will künftig das Thema Maschinenautomatisierung noch intensiver angehen als bisher – mit einem neuen Geschäftsbereich und entsprechenden mechatronischen Komplettlösungen.

„Wir wollen primär nicht Maschinen automatisieren, die jeder automatisieren kann. Vielmehr sehen wir uns dort ideal positioniert, wo komplexe branchen- und ­applikationsspezifische ­Anforderungen im Vordergrund stehen.“, so Jörg Peters.

© SEW

Das Thema Systemlösungen an sich ist nicht neu für SEW-Eurodrive: Unter dem Dach des bisherigen Geschäftsbereiches ‚Maxolution‘ schnürt der Antriebstechnikspezialist bereits seit 2007 diverse Automatisierungspakete für unterschiedlichste Anwendungsbereiche. Um den spezifischen Anforderungen je nach Zielbranchen noch besser Rechnung tragen zu können, wurde zum 1. März unter der Marke Maxolution unter anderem das neue Geschäftsfeld ‚Maschinenautomatisierung‘ ins Leben gerufen, welches sich auf komplette mechatronische Systeme fokussiert.

„Wir wollen primär nicht Maschinen automatisieren, die jeder automatisieren kann. Vielmehr sehen wir uns dort ideal positioniert, wo komplexe branchen- und applikationsspezifische ­Anforderungen im Vordergrund stehen.“, so Jörg Peters.

© SEW

Durch die in diesem Zuge erfolgte, starke Bündelung der Kompetenzen wollen die Bruchsaler in Zukunft eine „höhere Durchschlagskraft im Markt erzielen als in der Vergangenheit“, so der neue Leiter Product Solution Maschinenautomatisierung Jörg Peters. Im Detail versteht SEW unter Maschinenautomatisierung wiederkehrende Abläufe von mehreren zu koordinierenden Funktionsmodulen innerhalb eines begrenzten Maschinenraumes mit klar definierter Eingangs- und Ausgangsschnittstelle des Materialflusses und optionaler Systemschnittstelle zu weiteren Maschinenmodulen.

Für die sich daraus ergebenden Aufgabenstellungen werde man künftig gesamtheitliche ‚Best-of-Class‘-Lösungen mit besonderem Fokus auf Motion Control anbieten, die sich skalierbar über die komplette klassische Automatisierungspyramide erstrecken. Peters hierzu: „Auch wenn wir dabei ganz klar die komplette Steuerungsarchitektur in Maschinen verantworten möchten, verschließen wir uns nicht, wenn der Kunde weiterhin etwa mit der Steuerung eines anderen Anbieters arbeiten möchte.“ Einen Schwerpunkt legen die Bruchsaler dabei auf Branchen, zu denen sie bereits aus der Historie heraus einen guten Marktzugang haben.

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Parallelkinematiken als Komplettpaket

Auf der Hannover Messe 2018 erstmals zu sehen: Die neuen Konzepte für Parallelkinematik-Roboter aus Bruchsal.

© SEW-Eurodrive

Mit der organisatorischen Neuaufstellung geht zudem der Ausbau des Produktportfolios für die Maschinenautomatisierung einher. So wird der Fachwelt in Hannover erstmals eine skalierbare Komplettlösung für Para­llelkinematik-Roboter vorgestellt – von der Steuerung bis hin zur Mechanik. Erhältlich ist diese mit verschiedenen Ausstattungspaketen:

  • Basis-Paket: Empfohlene Steuerung (SEW-Controller zum Beispiel UHX85A-R), Einspeisung, Visualisierung und Software (aus dem Automatisierungsbaukasten Movi-C die Softwareplattform Movirun sowie das Softwaremodul Movikit Robotics).
  • Roboter-Achspaket: Empfohlene Achsmodule und Servomotoren (zum Beispiel aus der CMP-Baureihe).
  • Die Robotermechanik inklusive skalierbarer Präzisions-Servogetriebe. (Alle Roboter verfügen optional auch über eine Rotationsache).

„Die Haupt-Entwicklungsarbeit, die wir hier geleistet haben, liegt in der Software“, merkt Peters an und ergänzt: „Das heißt, wir haben einen großen Baukasten an konfigurierbaren beziehungsweise parametrierbaren Bausteinen für 2- oder 3-Achs-Parallelkinematik-Roboter geschaffen, die dem Maschinenbauer die Programmierung ersparen. In puncto Kinematik arbeitet SEW mit einem Partner zusammen. „Die Kooperation ermöglicht es uns an dieser Stelle unter anderem, branchenspezifische Ausprägungen der Kinematik gemäß unseren Fokusbranchen anzubieten – also zum Beispiel eine Ausführung in Hygienic-Design bereits in der Grundausführung oder auch als Sonderkonstruktion mit geschlossenem Edelstahlgehäuse“, so Peters.

Die Mechanik und Software der Roboter wurde insofern offen gestaltet, dass sie bereits vorprogrammierte Schnittstellen für gängige Peripheriegeräte sowie Kamerasysteme (Cognex, Sick) und Greifer (Schunk) beinhaltet. Zudem lassen sich die Software-Bausteine in Entwicklungs- beziehungsweise Steuerungsumgebungen von Drittherstellern integrieren. Die Parametrierung des Kinematikmodells kann schließlich simulationsunterstützt erfolgen. Nicht zuletzt sind die Pick&Place-Control-Module Pack-ML-kompatibel.

Die nächsten Schritte

Auf die Frage, welche weiteren (Produkt-)Entwicklungen bei SEW im Kontext der Maschinenautomatisierung geplant sind, antwortet der Leiter Product Solution: „Einen Trend, den wir aktuell beobachten und dem wir Rechnung tragen werden, ist die sichere Mehrachs-Kinematik – sprich die Aufgabenstellung, mehrere verschiedene Achsen sicher miteinander im Raum zu verfahren. Eine Herausforderung, der es sich in diesem Zusammenhang zu stellen gilt, ist die Gestaltung einer Plattform, die sowohl in puncto Engineering als auch Hardware die Funktionen Standard-Maschinensteuerung und Sicherheitssteuerung skalierbar zusammenbringt.“

Last but not least arbeitet SEW derzeit an der Realisierung einer offenen, beziehungsweise Hardware-unabhängigen Steuerungsplattform, die mit unterschiedlichsten Software-Diensten arbeiten kann und nach oben an Cloud-Dienste anbindbar ist. Hintergrund dieser Aktivitäten ist laut Peters: „Unserer Überzeugung nach wird es in den nächsten Jahren nicht mehr entscheidend sein, von welchem Hersteller die Steuerung kommt; stattdessen werden wir immer modulare IPC-Hardwareplattformen antreffen, die offen sind für diverse Dienste beziehungsweise Software-Applikationen. Das bedeutet aber auch: Als Automatisierungsanbieter muss man in der Lage sein, seine Software in unterschiedlichste Systemumgebungen zu integrieren.“

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