Zwischenbericht
Schaeffler meldet Erholung im 3. Quartal
Schaeffler meldet trotz Umsatzrückgang ein »starkes« 3. Quartal. Grund dafür ist die EBIT-Marge vor Sondereffekten. Außerdem wagt der Konzern eine Prognose für 2020.
Konzernzentrale der Schaeffler AG in Herzogenaurach.
© SchaefflerDer Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler meldet für das 3. Quartal einen Umsatz von 3,396 Mrd. Euro (Q3/2019: 3,613 Mrd. Euro). Währungsbereinigt entspricht dies einem Rückgang von 2,6 %. Die Industrie-Sparte verzeichnet einen Rückgang währungsbereinigt um 8 % von 877 Mio. Euro auf 776 Mio. Euro.
Januar bis September 2020 im Überblick
Die Schaeffler Gruppe erzielte in den letzten neun Monaten einen Umsatz in Höhe von 8,971 Mrd. Euro (Vorjahr: 10,839 Mrd. Euro). Währungsbereinigt war der Umsatz in diesem Zeitraum insbesondere als Folge des Nachfragerückgangs im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie um 15,4 % rückläufig. Erst im dritten Quartal verbesserte sich die Nachfrage und der Rückgang betrug im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres nur noch 2,6 %.
Grund für den Umsatzrückgang war die volumenbedingt rückläufige Umsatzentwicklung in allen drei Sparten. Die vier Regionen waren unterschiedlich von der Pandemie betroffen, so konnte die Region Greater China aufgrund der im zweiten Quartal in der Region einsetzenden Erholung ein Umsatzwachstum von 8,1 % (währungsbereinigt) aufweisen, im dritten Quartal lag der Zuwachs gegenüber dem Vorjahresquartal bei 16,5 %. Die übrigen drei Regionen wiesen in den ersten neun Monaten währungsbereinigt jeweils einen deutlichen Umsatzrückgang auf: Europa ging um 22,6 % zurück, Americas um 18,4 % und in Asien/Pazifik 19,3 %.
Von Januar bis September 2020 erzielte die Schaeffler Gruppe ein EBIT vor Sondereffekten in Höhe von 385 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: 883 Mio. Euro). Dies entspricht einer EBIT-Marge vor Sondereffekten von 4,3 % (Vorjahr: 8,1 Prozent).
Belastet war das EBIT im Berichtszeitraum durch Sondereffekte in Höhe von 798 Mio. Euro (Vorjahr: 88 Mio. Euro). Darin enthalten war eine im ersten Quartal vorgenommene Wertminderung des der Sparte ‚Automotive Technologies‘ zugeordneten Geschäfts- oder Firmenwertes um 249 Mio. Euro. Zudem umfassen die Sondereffekte Aufwendungen in Höhe von 549 Mio. Euro für die Ausweitung der Spar- und Effizienzprogramme RACE (Sparte Automotive Technologies), GRIP (Sparte Automotive Aftermarket) und FIT (Sparte Industrie). Mit diesen Sondereffekten, insbesondere im Zusammenhang mit dem im September kommunizierten Abbau von Arbeitsplätzen, betrug das EBIT minus 413 Mio. Euro (Vorjahr: plus 795 Mio. Euro).
Sparte ‚Industrie‘ im Detail
Die Sparte ‚Industrie‘ erzielte in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 einen Umsatz in Höhe von 2,338 Mrd. Euro (Vorjahreszeitraum: 2,681 Mrd. Euro). Währungsbereinigt lag der Umsatzrückgang volumenbedingt insbesondere als Folge der Coronavirus-Pandemie bei 11,3 %. Die Nachfrage im dritten Quartal zeigte sich laut Unternehmen gegenüber dem ersten Halbjahr etwas robuster. Im Berichtszeitraum (Q3/2020) verzeichneten die Regionen Europa mit -23,4 %, Americas mit -12,9 % und Asien/Pazifik mit -5,7 % (währungsbereinigt) krisenbedingt eine deutlich negative Geschäftsentwicklung. Eine zweistellige Wachstumsrate (+24,6 %, währungsbereinigt) konnte hingegen die Region Greater China vorweisen, in der insbesondere die Sektorcluster ‚Wind‘ und ‚Power Transmission‘ ein deutliches Wachstum aufwiesen.
Das Umsatzwachstum in den ersten neuen Monaten lag in der Region Greater China auf währungsbereinigter Basis bei 20,2 %, während die Umsatzentwicklung in den Regionen Europa mit 21,5 %, Americas mit 15,5 % und Asien/Pazifik mit 17,5 % deutlich rückläufig war.
Die Sparte Industrie erzielte in den ersten neun Monaten ein EBIT vor Sondereffekten in Höhe von 195 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: 277 Mio. Euro), was einer EBIT-Marge vor Sondereffekten von 8,4 % entspricht (Vorjahreszeitraum: 10,3 %).
Free Cash Flow über Vorjahr
Das den Anteilseignern zuzurechnende Konzernergebnis vor Sondereffekten ging in den ersten neun Monaten 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 139 Mio. Euro zurück (Vorjahreszeitraum: 547 Mio. Euro). Das Konzernergebnis betrug minus 525 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: 485 Millionen Euro). Das Ergebnis je Vorzugsaktie belief sich damit auf minus 0,78 Euro (Vorjahreszeitraum: 0,73 Euro).
Der Free Cash Flow vor Ein- und Auszahlungen für M&A-Aktivitäten betrug in den ersten neun Monaten 185 Mio. Euro und lag somit über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres (133 Mio. Euro). Im Berichtszeitraum lagen die Investitionsauszahlungen (Capex) für Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte mit 481 Millionen Euro deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (823 Millionen Euro), was einer Investitionsquote bezogen auf den Umsatz in Höhe von 5,4 Prozent (Vorjahr: 7,6 Prozent) entspricht.
Dr. Klaus Patzak, Finanzvorstand der Schaeffler AG, sagte: »Im dritten Quartal hat die Schaeffler Gruppe mit 333 Mio. Euro einen starken Free Cash Flow erzielt. Bezogen auf den Berichtszeitraum liegt der Wert mit 185 Millionen Euro über dem Wert des Vorjahrs. Neben der Belebung der Geschäftsaktivität wirken sich die bereits im Vorjahr initiierten Steuerungsmaßnahmen zur Verbesserung des Free Cash Flow, insbesondere die Fokussierung von Investitionen und die Optimierung des Working Capital, positiv aus.«
Die Netto-Finanzschulden erhöhten sich zum 30. September 2020 auf 2,688 Mrd. Euro (31. Dezember 2019: 2,526 Mrd. Euro). Das Gearing-Ratio, also das Verhältnis von Netto-Finanzschulden zu Eigenkapital, stieg deutlich auf 169,9 % an (31. Dezember 2019: 86,6 %). Der Verschuldungsgrad vor Sondereffekten liegt per Ende September 2020 bei 1,6x (31. Dezember 2019: 1,2x).
Die Schaeffler Gruppe wies per 30. September 2020 eine verfügbare Liquiditätsposition in Höhe von 2,771 Millionen Euro aus, was rund 22 % vom Umsatz der letzten zwölf Monate entspricht.
Der Konzern beschäftigte zum 30. September 2020 83.711 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (31. Dezember 2019: 87.748), was einem Rückgang der Beschäftigtenzahl im Berichtszeitraum um 4,6 Prozent oder 4.037 Stellen entspricht.
Neu Prognose für Geschäftsjahr 2020
Der Schaeffler-Vorstand hat sich am 9. November 2020 auf Basis der aktuellen Informationen zum Geschäftsverlauf im vierten Quartal auf eine neue Prognose für das Geschäftsjahr 2020 verständigt. Am 24. März 2020 hatte der Vorstand die am 10. März 2020 veröffentlichte Prognose ausgesetzt und war zuletzt wegen der außergewöhnlichen Unsicherheit im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie von Geschäftszahlen jeweils unterhalb der Vorjahreswerte ausgegangen.
Die neue Prognose basiert auf der Annahme, dass die Erholung der für die Schaeffler Gruppe relevanten Absatzmärkte im vierten Quartal 2020 weiter anhält und es insbesondere infolge der Coronavirus-Pandemie nicht erneut zu wesentlichen negativen Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung kommt. Gleichwohl ist das Umfeld weiterhin von Volatilität und Unsicherheit geprägt.
Unter diesen Voraussetzungen rechnet der Konzern für das Gesamtjahr 2020 mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang um 13 bis 11,5 Prozentpunkte. Zugleich geht das Unternehmen für das Gesamtjahr 2020 davon aus, eine EBIT-Marge vor Sondereffekten in Höhe von 4,5 bis 5,5 % zu erzielen. Für das Jahr 2020 erwarten die Herzogenauracher zudem einen Free Cash Flow vor Ein- und Auszahlungen für M&A-Aktivitäten zwischen 500 und 600 Mio. Euro.
Für die drei Sparten gelten die folgenden Eckdaten wie im Bild angezeigt.
Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG, sagte: »Das dritte Quartal weist eine deutliche Erholung gegenüber dem ersten Halbjahr auf, was sich insbesondere an der Verbesserung der Ergebnismarge, aber auch am starken Free Cash Flow ablesen lässt. Gerade die beiden Automotive-Sparten konnten von der Belebung der Nachfrage profitieren und tragen somit zur Stabilisierung des Ergebnisses der Schaeffler Gruppe bei. Gleichwohl wäre es angesichts der anhaltend hohen Unsicherheit über den weiteren Fortgang der Coronavirus-Pandemie und auch mit Blick auf die erneuten Lockdown-Maßnahmen in einigen Märkten verfrüht, davon auszugehen, dass die Krise vorbei ist. Es gilt daher, weiter wachsam zu bleiben und die beschlossenen Maßnahmen zur Stärkung der Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Schaeffler Gruppe konsequent umzusetzen.«















