Lenze
Offen in jede Richtung
Der Markt für Einkabel-Lösungen bzw. die Motorfeedback-Schnittstelle ist derzeit enorm in Bewegung. Wie Lenze die Entwicklungen sieht und mit welchen Neuheiten der Antriebstechnik-Spezialist aus Hameln auf der SPS IPC Drives 2017 angetreten ist, erläutert CTO Frank Maier.
Herr Maier, welche Anforderungen stellt der Markt heute grundsätzlich an die Motorfeedback-Schnittstelle?
Maier: Angesichts des steigenden Zeit- und Kostendrucks bei zugleich immer weniger verfügbarem, qualifiziertem Personal, sind naturgemäß Lösungen, von hohem Interesse, die Material- und Arbeitsaufwand gleichermaßen reduzieren. Der Einkabel-Geber trägt mit seiner deutlich vereinfachten Verkabelung beidem Rechnung und generiert somit beträchtliches Einsparpotential.
Weitere Anforderungen sind die Möglichkeit, Sicherheitsfunktionen der Antriebstechnik bis hin zu PLe zu realisieren, die einfache und elegante Übertragung des elektronischen Typenschildes oder besser noch des Motor-Logbuchs, welches Auskunft über Konfiguration und Zustand der Hardware gibt, ermöglichen. Last but not least hilft eine digitale Schnittstelle enorm angesichts der stetig zunehmenden elektromagnetischen ‚Verschmutzung‘ in den Anlagen.
Unlängst hat sich ein Konsortium rund um drei namhafte Geber-Hersteller in Stellung gebracht, das mit ‚SCS open link‘ eine alternative Lösung zu Hiperface DSL und BiSS line etablieren möchte. Wird Lenze diese Schnittstelle unterstützen – insbesondere was den neuen Servo-Inverter i950 betrifft?
Maier: Technisch ist Lenze durch die eigene offene Plattformstruktur beziehungsweise die Verwendung eines FPGA zur Rückführung des Motorfeedback-Signales grundsätzlich sehr einfach in der Lage, jegliche im Markt etablierte Schnittstelle zu implementieren. Da momentan aber auch aufgrund der Öffnung des Hiperface DSL sowie der Gründung des BISS Association e.V. viel Bewegung im Markt ist, halten wir uns derzeit noch etwas bedeckt, welchen Standard wir insbesondere beim i950 zunächst unterstützen. Technisch ist SCS open link den bereits im Markt etablierten Systemen Hiperface DSL und BISS sicherlich ebenbürtig.
Neben den technischen Features steht in puncto Motorfeedback-Schnittstelle bei Lenze derzeit das Thema Kostenreduktion ganz oben auf der Agenda. Worum geht es dabei konkret?
Maier: Es geht grundsätzlich darum, die bestmögliche Systemperformance zum günstigsten Preis zu erzielen. Die standardisierte, digitale Schnittstelle war dabei ein wesentliches Thema. Hinzu kommen aber auch neue Konzepte zur eigentlichen Messung, an denen wir derzeit mit mehreren namhaften Motorfeedback-System-Herstellern arbeiten. Konkretes Ziel ist, einen Absolutwertgeber unterhalb der Kosten eines Resolvers zu schaffen. Eine exakte Prognose, wann diese Systeme verfügbar werden, möchte ich noch nicht abgeben. Wir sind aber auf einem guten Weg und unser neuer Servo-Inverter ist dabei die Zielplattform.
Die Details zum neuen Servo-Inverter i950
Was genau ist das Besondere am i950, den Sie zur SPS IPC Drives 2017 erstmals öffentlich präsentieren?
Maier: Seine Stärke beruht darauf, dass wir die gleichen Plattformelemente nutzen wie bei unseren Controllern. Dazu zählen das Runtime-System mit Codesys, die Nutzung unserer Motion Toolbox ‚Fast‘ und die gleiche Entwicklungsumgebung über unseren PLC Designer. Somit kann der Kunde seine Funktionen beliebig zwischen Controller und Servo-Achse verteilen, ohne dabei Systembrüche befürchten zu müssen.
Der Regler kann einfach als CiA402 Steller, als parametrierbarer Motion-Regler oder auch als frei programmierbares Logic/Motion System genutzt werden. Der Übergang ist für den Kunden dabei fließend - er kann also die integrierte Motion nutzen, verändern, aber auch wieder „verschließen“, so dass seine modifizierte Variante wieder rein parametrierbar bleibt.
Mit welchen Leistungsklassen geht Lenze zur Messe an den Start und wie sieht die weitere Roadmap aus?
Maier: Der Regler ist zunächst bis 75 kW verfügbar, mit Profinet und Ethercat als Feldbus sowie STO als erste Sicherheitsfunktion. Zur Hannover Messe 2018 erweitern wir die Geräteserie bis 110 kW, führen die komplette Suite an Sicherheitstechnik ein und fügen noch weitere Motion-Bausteine hinzu.













