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Artikel und Hintergründe zum Thema

Mobile Automation

Günter Herkommer,

Neues Antriebskonzept für fahrerlose Shuttles

Fahrerlose Transportsysteme sind ein wesentlicher Eckpfeiler moderner Intralogistik-Konzepte. Um der Forderung nach kompakten Systemen Rechnung zu tragen, sind neuartige konstruktive Lösungsansätze gefragt – unter anderem in puncto Antriebstechnik.

© Dunkermotoren

Fahrerlose Transportsysteme – kurz FTS – erweisen sich als äußerst wirtschaftlich und produktiv, wenn es beispielsweise um die Verteilung kommissionierter Waren in weitläufigen Lager- und Speditionshallen geht. Die häufig als Automatic Guided Vehicle (AGV) bezeichneten Fahrzeuge dienen darüber hinaus immer öfter dazu, in Montage- und Fertigungshallen einzelne Bauteile und vorgefertigte Komponenten zu weiteren Montage- und Bearbeitungsstationen zu transportieren. Meist arbeiten diese Systeme autark und orientieren sich mit Unterstützung ausgeklügelter Sensorik in der Umgebung.

Besonders produktiv und wirtschaftlich arbeiten die AGV, wenn sie lange Fahrwege und -zeiten ohne wiederholtes Aufladen der mitgeführten Energiespeicher erreichen. Das stellt spezielle Forderungen an die Konstruktion und die Ausführung. Gerade in den zunehmend kleineren Shuttle-Fahrzeugen für Verteilsysteme in Warenlagern steht für die Antriebe nur wenig Bauraum zur Verfügung. Die üblichen Antriebseinheiten mit axial angereihten Elektromotoren und mehrstufigen Stirnrad- und Planetengetrieben lassen sich dort aufgrund ihrer Baulänge nur schwer einbauen. Vor diesem Hintergrund haben sich der Getriebehersteller Framo Morat und der Motorenhersteller Dunkermotoren gemeinsam an die Verwirklichung eines besonders kompakten Gleichstrom-Antriebssystems gemacht.

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Wegen ihrer Kompaktheit und ihres hohen Wirkungsgrads eignen sich aus Gleichstrommotoren sowie Kegelrad- und Nabengetrieben aufgebaute Antriebssysteme ideal für mobile Anwendungen.

© Dunkermotoren

Eine wesentliche Komponente der neuen Lösung ist das von Framo Morat konzipierte Nabengetriebe. Diese Getriebebauform findet laut Wolfgang Sühling, der beim Eisenbacher Getriebehersteller die Entwicklung kundenspezifischer Antriebe leitet, erstmals in einem Fahrantrieb für AGV Verwendung. Neben der kompakten Bauweise hat diese Getriebeausführung weitere entscheidende Vorteile, insbesondere für die in Shuttle-Fahrzeugen häufig eingebauten Rad- und Zahnriemenantriebe.

Bei konventionell ausgeführten Rad- oder Riemenantrieben, in denen eine Planetengetriebe- oder Stirnradgetriebe-Einheit zum Einsatz kommt, wirken aufgrund der Lasteinleitung in die auskragende Welle große Radiallasten auf die Lagerung. Dem müssen die im Getriebe eingebauten Wälzlager widerstehen. Die üblichen Wellenlagerungen mit Rillenkugellagern oder mit vorgespannten Kegelrollenlagern haben allerdings Sühling zufolge einige entscheidende Nachteile: Bei eng hintereinander angeordneten Rillenkugellagern führen am auskragenden Wellenende wirkende Radiallasten zu hohen Lagerbelastungen und aufgrund des Lagerspiels in Verbindung mit dem konstruktionsbedingt kurzen Lagerabstand außerdem zu einer Schrägstellung der Abtriebswelle und einzelner Getriebekomponenten, zum Beispiel der Planetenträger. Dadurch verschleißen die Getriebe rasch und gewährleisten nicht die geforderte Lebensdauer und Zuverlässigkeit. Außerdem verursacht die Schrägstellung eine erhöhte Geräuschemission. Paarig vorgespannte Kegelrollenlager nehmen zwar problemlos größere Radiallasten auf, haben aber speziell im Teillastbereich größere Lagerverluste als Rillenkugellager. Zudem bauen sie größer und sind schwerer als Rillenkugellager.
 

Große radiale Kräfte kein Problem

Durch ihre kurze Bauweise und die eng nebeneinander angeordneten Kugellager können Nabengetriebe problemlos hohe radiale Lasten aufnehmen.

© Framo Morat

Im nunmehr realisierten Nabengetriebe nehmen Standard-Rillenkugellager die hohen radialen Lasten auf. „Die Bezeichnung dieser Getriebebauart weist schon auf die besonderen Konstruktionsmerkmale hin. Das komplette Getriebe lässt sich in einer schmalen Radnabe unterbringen“, berichtet Sühling. Die Antriebs- und die Abtriebswelle sind bei dieser Getriebebauform koaxial ineinander angeordnet. Die radialen Kräfte werden über die Hohlwelle nahezu mittig zwischen den beiden Kugellagern eingeleitet. Der kleine Abstand zwischen den Kugellagern wirkt sich zudem positiv auf die Biegesteifigkeit der hohlen Abtriebswelle aus. Mit anderen Worten: Die Welle biegt sich kaum durch.

© Framo Morat

Zwischen der Antriebs- und der Abtriebswelle überträgt ein Planetengetriebe die Drehmomente. Es sorgt für die erforderlichen Übersetzungsverhältnisse der Drehzahlen zwischen Antriebs- und Abtriebsseite. Diese betragen bei den angebauten, elektronisch angesteuerten DC-Motoren von Dunkermotoren meist zwischen i = 20 und i = 30. Wegen der nur unwesentlichen Schrägstellung des Planetenträgers läuft das Getriebe sehr geräuscharm.

Um das gesamte Antriebspaket besonders kompakt auszuführen, verbindet ein Kegelradgetriebe den DC-Motor mit der Eingangswelle des Nabengetriebes. „Mit dieser Kombination realisieren wir den kleinsten Bauraum und die höchste Energiedichte“, betont Stefan Tröndle, Produktmanager bei Dunkermotoren in Bonndorf, und fügt hinzu: „Aus der Kombination unserer bürstenlosen, elektronisch angesteuerten DC-Motoren mit über 90 % Wirkungsgrad und den leichtgängigen, verlustarmen Kegelrad- und Planetengetrieben verwirklichen wir für das komplette Antriebssystem einen optimalen Wirkungsgrad und somit eine hohe Energie-Effizienz.“

Modular konfigurierbar

Die im Gleichstrommotor integrierte Elektronik ermöglicht eine Vernetzung der Antriebssysteme über unterschiedliche Feldbus-Systeme.

© Dunkermotoren

Die Antriebseinheiten werden nach individuellen Forderungen der FTS-Hersteller aus standardisierten, modularen Komponenten konfiguriert. Auf der Motorenseite stehen dafür die elektronisch kommutierten DC-Motoren der Baureihe BG zur Verfügung. Je nach Aus-führung arbeiten diese mit 10 bis 60 V Gleichspannung. Bei 24-V- Versorgungsspannung stellen sie auf Dauer 1100 W Antriebsleistung bereit, kurzzeitig erreichen sie bis zu 2600 W. Über die Ausführun-gen mit integrierter Kommutierung hinaus gibt es Varianten mit eingebauter Drehzahlregelung oder mit Positionierelektronik.

© Dunkermotoren

In der eingebauten Elektronik lassen sich beispielsweise komplette Fahrprofile speichern und abrufen. Für die Datenkommunikation mit übergeordneten Steuerungen sorgen die Bussysteme CANopen, Profibus oder Ethercat. Last but not least sind als modulare Kom-ponenten zur jeweiligen Baugröße passende Bremsen verfügbar und als Option kann der Motorenhersteller über Software und Motorsteuerung die Funktion Safe-Torque-Off (STO) verwirklichen.

Die von Framo Morat konzipierten Nabengetriebe wiederum basieren auf Getriebebauteilen der Baureihen PS und PL mit nominalen Abtriebsdrehmomenten von bis zu 350 Nm. Dabei gestaltet der Eisenbacher Getriebehersteller die Außenkontur der Abtriebswelle sowie die Drehmomentstütze individuell entsprechend der Forderungen der Auftraggeber, beispielsweise mit einer Standardverzahnung für Zahnriemen, mit einer spezifischen Welle-Nabe-Verzahnung oder als glatte Welle mit Flanschbohrungen für eine Radfelge.

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