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Artikel und Hintergründe zum Thema

75 Jahre Groschopp

Andrea Gillhuber,

Die Automatisierung vorantreiben

In der 75jährigen Unternehmensgeschichte hat Groschopp viel erlebt. Im Jubiläumsinterview spricht Gesellschafter Wolfgang Pflug über dunkle Stunden, Chancen durch Automatisierung und warum der Standort Deutschland massiv an Wettbwerbsbedeutung verliert.

© Groschopp

Herzlichen Glückwunsch zu 75 Jahren Groschopp! Im Rückblick: Was war die bedeutendste technologische Entwicklung Ihres Unternehmens?

Wolfgang Pflug: Groschopp ist in der Antriebsbranche als Pionier in der Entwicklung von Servomotoren sowie Getrieben und Motoren aus Edelstahl bekannt. Uns gelingt es immer wieder, neue Antriebskonzepte am Puls der Zeit auf den Markt zu bringen. Ein wichtiger Meilenstein in der Firmengeschichte war die Automatisierung der Fertigungsstraßen in den 2000er Jahren am Standort Viersen – insbesondere zur Wicklung von Polspulen, Statoren für Servo- und Induktionsmotoren sowie Rotoren für Kommutatormotoren – außerdem wurde in diesem Zeitraum die Museumsmaschinerie abgelöst und die Zerspannungs- und Schleiftechnik mit CNC-Maschinen aufgerüstet.

Gibt es einen absoluten ‚Bestseller‘ und was macht ihn aus?

Pflug: Unsere Asynchron- und Universalmotoren verkaufen sich besonders gut – vor allem unsere Kommutator-Einbaumotoren, die zum Beispiel in der Energieverteilung zum Einsatz kommen. Sie zeichnen sich durch ihre Zuverlässigkeit und hohen Drehmomente aus und sind bis heute technisch alternativlos. Beliebt sind ebenfalls unsere Induktionsmotoren, sie bieten in der luftgekühlten Ausführung eine leicht zu reinigende, glatte Oberfläche, sowie eine hohe Leistungsdichte.

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In 75 Jahren geht es nicht nur rosig zu – was war aus Ihrer Sicht die schwierigste Zeit für das Unternehmen?

Pflug: Der steigende Kostendruck führte damals zu Auslagerungen ins Ausland – 1969 nach Irland und 1994 nach Polen – sowie zu einer Reduzierung der Fertigungstiefe im Unternehmen. In der Folge sanken aber auch die Gewinne. Dazu kam eine veraltete Fertigung in Viersen sowie die fehlende Innovationsbereitschaft. Die Automatisierung der Produktion war damals noch keine Option. Diese Faktoren haben in der Summe zur Insolvenz im Jahre 1999 geführt. Das war für Groschopp und seine Mitarbeiter sicherlich die schwerste Zeit in der Unternehmensgeschichte. Im Jahr 2000 gelang unter der Firmierung Groschopp AG Drives & More dann die erfolgreiche Fortführung und Modernisierung des Betriebs.

Wie sieht denn die Roadmap für die nächsten zehn bis 15 Jahre aus?

Pflug: Die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Produkte steht bei Groschopp weiterhin im Fokus – mit dem Ziel, stetig innovative Motortechnologien an den Markt zu bringen. Allerdings müssen wir uns auch an aktuelle Entwicklungen in Deutschland und der Welt anpassen. Denn durch globale und nationale politische Entscheidungen verliert der Standort Deutschland massiv an Wettbewerbsbedeutung. Daher ist es zum einen wichtig, die Automatisierung im Unternehmen weiter voranzutreiben, zum anderen Produktionskapazitäten durch internationale Standorte abzusichern. Getrieben durch den Kostendruck und die gestiegene Nachfrage nach Produkten aus China, haben wir dort bereits einen Produktionsstandort gegründet. Zudem bauen wir aus Kostengründen und um ausreichend Fachpersonal mit der Bereitschaft zu handwerklichen Tätigkeiten beschäftigen zu können, aktuell einen neuen Fertigungsstandort in Marokko auf.

Ein weiterer Aspekt, der uns sehr am Herzen liegt, ist der Schutz unserer Umwelt. Am Standort in Viersen betreiben wir bereits seit einigen Jahren in den kalten Monaten ein Blockheizkraftwerk und können damit unsere Energiekosten um circa 30 Prozent reduzieren. Außerdem werden wir in naher Zukunft eine Solaranlage installieren und durch den Aufbau von Speichern unseren Beitrag leisten, um CO2 einzusparen und Kosten zu reduzieren. Unser Ziel ist es, eines Tages von extern eingespeistem Strom unabhängig zu sein.

Welche technologischen Trends sehen Sie, die für Groschopp wichtig sind beziehungsweise werden?

Pflug: Wir sehen, dass die Nachfrage nach ‚Plug-and-play‘-Lösungen steigt, und dem möchten wir mit unserem Angebot gerecht werden. Das fängt bei Antrieben mit der passenden Steuerung an und geht bis zur Entwicklung von Antriebsmodulen, die bei unseren Kunden dann steckerfertig in die jeweilige Applikation eingebaut werden können. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Servo-, Reluktanz- oder fremderregte Motoren geht, unser Antrieb ist derzeit der Ausbau der Steuerungs- und Sensortechnik allgemein. Dafür steht auch unser Kredo: Groschopp – Drives and More.

Was glauben Sie, was wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre, geschäftlich und/oder technisch?

Pflug: Wie vermutlich alle Industrieunternehmen stehen wir vor der Herausforderung, auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte zu finden. Viele unserer Mitarbeiter werden uns in den nächsten Jahren altersbedingt verlassen. Leider steht dem eine geringe Anzahl junger, qualifizierter und motivierter Leute gegenüber. Daher setzen wir verstärkt auf Automatisierung, ausländische Fertigungsstandorte, und Digitalisierung. Der Einsatz von KI bietet uns künftig die Möglichkeit, unsere Prozesse insbesondere bei Disposition, Einkauf und Vertrieb zu verschlanken und ebenfalls zu automatisieren. Zu den Herausforderungen unserer Gesellschaft in den kommenden Jahren zählt sicherlich neben dem Fachkräftemangel die Bekämpfung von Cyberkriminalität.

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