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Artikel und Hintergründe zum Thema

Die Verbände auf der Hannover Messe

Andrea Gillhuber,

Verlust der Wettbewerbsfähigkeit?

Die großen Verbände BDI, VDMA und ZVEI fordern mehr Anstrengungen, damit Deutschland im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig bleibt. Im Moment falle jedoch Deutschland im internationalen Vergleich zurück.

BDI-Präsident Siegfried Russwurm auf der Hannover Messe 2023.

© WEKA Fachmedien

„Die wirtschaft­liche Dynamik in unserem Land ist aktuell noch ausgesprochen gering“, sagte BDI-Präsident Siegfried Russwurm am Montag zum Auftakt der Hannover Messe. Der Bundesverband der Deutschen Industrie erwartet für das laufende Jahr bei den Ausfuhren ein Wachstum von nur 2 %. Dies ist zwar doppelt so viel wie in der BDI-Prognose zum Jahresauftakt, doch ein geringeres Wachstum als 2021 und 2022. Im vergangenen Jahr gab es ein Plus von knapp 3 %.

Der Welthandel wird in diesem Jahr mit 2,5 % stärker wachsen als die deutschen Exporte. „Erneut verlieren wir Weltmarktanteile, weil der Welthandel stärker wächst als unsere Ausfuhren – die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands schwindet“, betonte Russwurm. „Innovation war und ist der stärkste Trumpf der deutschen Industrie im globalen Wettbewerb“, unterstrich Russwurm. Der Innovationsmotor funktioniere. „Die Politik muss ihren Beitrag leisten, dass dieser Motor weiter hier in Deutschland läuft: für die Dekarbonisierung, die wir dringend zum Erreichen der Klimaschutzziele benötigen, für den digitalen Wandel, bei dem wir aufholen müssen, und grundsätzlich für das Wachstum unserer Wirtschaft, um im globalen Wettbewerb weiterhin ein ernstzunehmender Mitspieler zu sein.“

Das Investitionsverhalten der Unternehmen diene als Frühindikator für den Zustand der deutschen Industrie und die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Es komme auf die langfristigen Perspektiven und Rahmenbedingungen für die Unternehmen bei der Transformation an. Russwurm: „Die Industrie, die massiv investieren will, benötigt für mehr Investitionen Bürokratieabbau, spürbare Steuersenkungen sowie verlässliche und bezahlbare Energieversorgung.“

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VDMA fordert Ausbau der digitalen Infrastruktur

VDMA-Präsident Karl Haeusgen auf der Hannover Messe 2023.

© WEKA Fachmedien

Für mehr Bürokratieabbau warb auch VDMA-Präsident Karl Haeusgen. Um den Industriestandort Deutschland und Europa attraktiv zu halten, müssen nach Ansicht des Branchenverbands gewisse Stellschrauben gedreht werden. Neben dem Abbau von Bürokratie, einfacheren administrativen Prozessen sowie einer nachhaltigen Beschleunigung der Genehmigungsverfahren fordert der VDMA auch ein international wettbewerbsfähiges, innovations- und investitionsfreundliches Steuersystem. Denn: Der Durchschnitt der Ertragssteuerbelastungen für Kapitalgesellschaften liegt im OECD-Durchschnitt bei 23,5 %, in Deutschland sind es 29,9 %.

Ein weiterer Punkt auf der Liste der Stellschrauben: die digitale Infrastruktur. Viele mittelständische Maschinenbauunternehmen sind im ländlichen Raum angesiedelt und gerade in den Gebieten ist der Ausbau der digitalen In­frastruktur zum Teil mangelhaft. Zu guten Standortbedingungen zählen gehört aber auch der Freihandel. Der VDMA fordert, Exportmärkte von Drittländern offen­zuhalten und bestehende Handelshemmnisse in Märkten abzubauen.

Als das größte Risiko in den kommenden Jahren sieht der Maschinen- und Anlagenbau den Fachkräftemangel. „Wir sind unverändert größter industrieller Arbeitgeber im Land. Viele Unternehmen hätten gern noch mehr Personal eingestellt, werden aber durch die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt gebremst“, so VDMA-Präsident Haeusgen. 97 % der Unternehmen spüren derzeit Engpässe, 85 % bei Ingenieur*innen. Durchschnittlich können derzeit 5 % der offenen Fachkräftestellen nicht besetzt werden. Eine Entspannung erwarten nur 5 % der Unternehmen.

ZVEI erhöht Prognose

ZVEI-Präsident Gunther Kegel auf der Hannover Messe 2023.

© WEKA Fachmedien

Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stand auch im Mittelpunkt beim ZVEI. Auch hier wurde weniger Bürokratie gefordert. ZVEI-Präsident Gunther Kegel: „Statt immer neue bürokratische Ungetüme großzuziehen, sollte sich die Bundesregierung auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren und für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sorgen.“ Vor allem das Vorgehen der Politik, die unternehmerische Freiheit durch sich hinschleppende Genehmigungsverfahren und überbordende Dokumentations- und Meldepflichten auszubremsen, wurden von Kegel kritisiert.  „Die Überbürokratisierung und der in Teilen entfesselte Regulierungseifer lähmen und gehen zulasten von Wettbewerb und Innovation“, so der ZVEI-Präsident und fordert, mit dem Deutschlandtempo endlich ernst zu machen.

Auf das Jahr 2023 gesehen erhöht der Verband der Elektro- und Digitalindustrie in Deutschland seine Jahresprognose der realen Produktion von 0 auf 1 bis 2 %. Zurückzuführen ist das Anheben der Prognose auf ein reales Produktionswachstum von 6 % in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres. „Besonders erfreulich ist der anhaltende Beschäftigungsaufbau“, freut sich Kegel. Die Branche beschäftigt knapp 920.000 Menschen allein in Deutschland. Die anhaltend positive Entwicklung stellt der Verband in Kontext der Mega­trends Elektrifizierung und Digitalisierung.

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