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Artikel und Hintergründe zum Thema

Keba auf der SPS 2022

Robotik ins Automatisierungssystem integrieren

Keba fügt die Robotik-Software drag&bot des im Februar 2022 erworbenen gleichnamigen Unternehmens in seine modulare Automatisierungsplattform Kemro-X ein. Filip Miermans, Leiter Marketing & Kommunikation, erläutert die Hintergründe und gibt einen Ausblick auf Kebas Messeauftritt.

© Keba

Herr Miermans, welche Strategie verfolgt Keba in puncto Robotik, und welche Rolle spielt darin die im Februar 2022 mit dem gleichnamigen Unternehmen erworbene Software drag&bot?

Filip Miermans: Die Roboterprogrammierung muss einfacher werden, weil die 
Roboter selbst einfacher und flexibler werden müssen. Die Bedienung wird leichter, die Spezialisierung bei den Robotern aber steigt: Komplexe Anforderungen und hohe Stückzahlen sind bei vielen Endkunden gegeben. Wichtig sind aber auch Flexibilität in der Produktion und Losgröße 1 – genau hier spielt die Software drag&bot ihre Vorteile aus.
Bei drag&bot handelt es sich um eine Softwarelösung zur einfachen Bedienung und Programmierung von Industrierobotern. Mit ihr lassen sich Roboter unterschiedlichster Hersteller integrieren, bedienen und programmieren sowie über eine einheitliche grafische Oberfläche auch Greifer und Kameras hinzufügen, um Robotik-Lösungen zu implementieren. Anwender können auch ohne Expertenwissen oder aufwändige Schulung schnell und eigenständig Roboteranwendungen umsetzen oder anpassen. Auch Mitarbeiter in der Produktion vermögen ihre Roboter rasch und ohne allzu große Kenntnisse woanders in der Produktion mit anderen Aufgaben zu integrieren. Dies wirkt dem Fachkräftemangel entgegen, der sich ja in Zukunft eher verschärft als verringert. drag&bot ist erweiterbar; neue Treiber lassen sich problemlos schreiben, um Hardware, Roboter, Greifer oder Kameras hinzuzufügen. Es ist aber auch möglich, neue Softwarefunktionen zu ergänzen – somit ist es überhaupt kein Problem, auch KI-Funktionen Dritter zu integrieren. Was uns allerdings bisher gefehlt hat, waren Funktionen wie eine SPS-Anbindung, eine Anlagen-Visualisierung oder auch Sicherheitstechnik. Durch den Kemro-X-Baukasten bekommen wir genau dies noch dazu, so dass eine komplette und abgerundete Lösung entsteht, die sich nahtlos integrieren lässt.

Welche Rolle spielt die Automatisierungsplattform »Kemro X« im Produkt- und Lösungsanebot von Keba?

Als komplettes Automatisierungssystem für Hard- und Software deckt Kemro X alles ab, was Industrieunternehmen für ihre Smart Factory benötigen: Alle mobilen und statio­nären Panels, Antriebe sowie Hardware­varianten und auch das Engineering Tool sind darin integriert. Das System ist in Modulen aufgebaut, die wie Smartphone-Apps nutzbar sind. Dabei kann auf Module von Keba sowie kundenspezifische oder Linux-basierte Standardmodule zurückgegriffen werden. Durch die Offenheit auf Linux-Basis können Kunden eigene Software-Bausteine und Software von Drittanbietern integrieren und so Wissen schützen. Die offene System­architektur ermöglicht es, unterschiedliche Systeme zu nutzen, ohne dass die User dies mitbekommen. Zudem gestattet sie die nötige Interprozesskommunikation. Folgend dem Prinzip eines Baukastens hat Keba eine umfangreiche Palette von Software-Units entwickelt, die ein Industrie­unternehmen für alle Automatisierungsvorhaben nutzen kann: vom Engineering-Tool bis zum Simulations-Werkzeug.

Was gibt es Neues bei der Automatisierungs-Software-Plattform Kemro X?

Neu sind die Softwareverwaltung und die Erweiterung des Baukastens mit dem AI-Modul – wir sehen Bedarf bei Kunden, daher haben wir die Hardware erweitert, um mittels KI Prozesse zu optimieren. Zudem haben wir die für Keba typische Easy-to-use-Methode stark vorangetrieben, und zwar durch Software-Module, die sich leicht integrieren lassen, und durch einfache Software-roll-out-Ansätze, um langfristig flexibler zu werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Branchenlösungen – durch unser tiefes Wissen in bestimmten Branchen können wir auch Dateninterpretation anbieten, auf Basis von Prozesswissen kombiniert mit Data Science: also nicht nur Daten generieren, sondern auch Modelle ableiten, was nur möglich ist, wenn Branchen- und Prozesswissen vorhanden ist. Diesen Schritt kann Keba gehen: das Entwickeln von Modellen auf Basis von Daten, wodurch für Endkunden neue Features entstehen können.

Ihr Unternehmen hat angekündigt, künftig besonderes Augenmerk auf OPC UA als IIoT-Kommunikationstechnik zu lenken. Welche konkreten Schritte sollen dem folgen?

Was die Connectivity anbelangt, standardisieren wir unsere Schnittstellenwelt mit Fokus auf OPC UA und den entsprechenden Informationsmodellen mit dem Ziel »Plug & Produce«. OPC UA ist ein sehr wichtiges Thema, das wir stark vorantreiben. Die Standardisierung bezieht sich allerdings nicht nur auf OPC UA, das ein reines Kommunikationsthema ist. Es geht um viel mehr, und zwar um Standards generell ­– mit einem besonderen Fokus auf IT-Schnittstellen, die immer wichtiger werden, zumal hier auch die größten Bottlenecks bei den Maschinenherstellern sind. Das Ziel von Keba ist, immer auf Standards und nicht auf proprietäre Schnittstellen zu setzen. Wir bieten Offenheit an, und die Kunden können selbst entscheiden, wie sie mit welchen Komponenten beginnen – und wann und wie sie um welche Komponenten ergänzen.

SPS 2022: Halle 7, Stand 470

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