Lieferkettenreport 2026
Deutsche Firmen leiden am meisten unter Lieferproblemen
Lieferengpässe treffen deutsche Industrieunternehmen stärker als ihre europäischen Wettbewerber. Laut einer Umfrage unter mehr als 1500 Firmen meldet ein Drittel der Betriebe hierzulande deutliche Auswirkungen auf das Geschäft. Besonders kritisch bleibt die Versorgung mit Halbleitern.
Deutsche Industrieunternehmen leiden im europäischen Vergleich weiterhin besonders stark unter Lieferkettenstörungen. Das zeigt der aktuelle Lieferkettenreport von reichelt elektronik. Für die zum vierten Mal durchgeführte Studie befragte das Umfrageinstitut OnePoll mehr als 1500 Industrieunternehmen in Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Spanien.
Deutschland Spitzenreiter bei Produktionsausfällen
32 % der deutschen Unternehmen berichten von einem starken Einfluss der Lieferengpässe auf ihr Geschäft – mehr als in allen anderen untersuchten Ländern. Besonders deutlich zeigt sich das bei Produktionsstopps: In Deutschland und den Niederlanden mussten Betriebe ihre Produktion im Schnitt 26,3 beziehungsweise 26,8 Tage unterbrechen. In Spanien lag der Durchschnitt bei 16,7 Tagen.
Auch die Reaktionen der Unternehmen unterscheiden sich. 52 % der deutschen Firmen haben ihre Lieferantenbasis erweitert. Spanische Unternehmen setzen vor allem auf lokale Zulieferer (50 %), während Betriebe in den Niederlanden verstärkt auf Automatisierung setzen (46 %).
Halbleiter besonders knapp
Beim Zugang zu wichtigen Bauteilen zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede. In den Niederlanden bewerten 45 % der Unternehmen die Beschaffung kritischer Komponenten als leicht. In Deutschland sind es nur 35 %.
Vor allem Halbleiter bleiben knapp: 44 % der deutschen Unternehmen melden Probleme bei der Beschaffung. Das liegt deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 35 % und 21 Prozentpunkte über den Niederlanden mit 23 %. Auch Sensoren sind häufiger knapp: 37 % der deutschen Firmen melden Engpässe, in Spanien sind es 20 %.
Bei anderen Bauteilen schneiden deutsche Unternehmen besser ab. Batterieengpässe betreffen etwa 24 % der deutschen Firmen, in den Niederlanden dagegen 37 %. Französische und italienische Unternehmen berichten häufiger von Problemen bei Entwicklerboards (31 %), während Deutschland hier mit 19 % den niedrigsten Wert aufweist.
Forderungen nach weniger Bürokratie
Deutsche Unternehmen sehen zudem größeren politischen Handlungsbedarf. 55 % fordern einen stärkeren Abbau von Bürokratie innerhalb der Europäischen Union – mehr als in allen anderen untersuchten Ländern. In den Niederlanden nennen nur 39 % administrative Hürden im Binnenmarkt als Problem.
Auch bei der Digitalisierung melden deutsche Unternehmen häufiger Schwierigkeiten: 50 % sehen hier Herausforderungen. In Frankreich liegt dieser Wert bei 31 %.
Unterschiedliche Erwartungen an die Zukunft
Europaweit erwarten 52 % der befragten Unternehmen eine Entspannung der Liefersituation. Besonders optimistisch sind Firmen in Spanien (66 %) und Italien (62 %). In Deutschland und den Niederlanden teilen jeweils 48 % diese Einschätzung, in Frankreich 40 %.
Deutsche Unternehmen bewerten politische Risiken zudem kritischer: 68 % sehen politische Entscheidungen als Bedrohung für ihr Geschäft, in Frankreich sind es 48 %. 66 % der deutschen Firmen beurteilen auch die globale Wirtschaftslage als schwierig. In Spanien liegt dieser Wert mit 76 % noch höher.
„Die Studie zeigt deutlich: Deutsche Unternehmen waren von den Herausforderungen im Welthandel besonders stark betroffen“, so Christian Reinwald, Head of Product Management & Marketing bei reichelt elektronik. „Zu anhaltenden Lieferkettenproblemen kommen neue Exportzölle und politische Unsicherheiten. Das zeigt sich nicht nur in den Wachstumszahlen der letzten Jahre, sondern auch in der Stimmung. Während andere europäische Länder flexibler auf Krisen reagieren und teilweise optimistischer in die Zukunft blicken, ächzt Deutschland unter den Belastungen. Dennoch wäre es zu früh, das Handtuch in den Ring zu werfen. Deutsche Unternehmen verfügen nach wie vor über einzigartiges Know-how und großes innovatives Potenzial. Diese Stärken können helfen, die derzeit schwierige Lage zu meistern und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.“












