Ausblick Hannover Messe 2019
Industrielle Intelligenz im Fokus
Die Künstliche Intelligenz (KI) und das Maschinelle Lernen rückt die Hannover Messe dieses Jahr ganz besonders ins Rampenlicht. Rund 6500 Firmen werden wieder auf der Weltleitmesse der Industrie vom 1. bis 5. April ausstellen.
Industrial Intelligence – unter diesem Leitthema steht die diesjährige Hannover Messe. Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Messe AG hebt im Vorfeld die Besonderheit der Veranstaltung hervor: „Die Messe ist die weltweit einzige Plattform, auf der die Komponenten und Systeme des Maschinen- und Anlagenbaus sowie der Elektrotechnik mit den digitalen Technologien von Software und IT-Unternehmen verschmelzen.“ Er verweist darauf, dass sich die Industrieunternehmen zunehmend digitale Technologien zunutze machen. „Eine Hauptrolle spielen dabei Machine Learning und Künstliche Intelligenz.“ Mit ihrer Hilfe ließen sich Daten unterschiedlicher Quellen verknüpfen, Fehler voraussehen und Probleme beheben. „Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, die Industrie zu revolutionieren“, ist Köckler überzeugt und freut sich, dass „mehr als 100 konkrete Anwendungsbeispiele für Machine Learning während der fünf Messetage zu sehen sein werden.“ Gezeigt werden Roboter, die Aufgaben in der Fabrik eigenständig lösen und ihr Wissen an andere Maschinen weitergeben. Oder KI-Systeme, die bei Reparaturmaßnahmen detaillierte Instruktionen geben und den Techniker bei der Ausführung begleiten.
Die Zukunft der Arbeit
Unter dem Leitthema ‚Industrial Intelligence‘ wollen die Veranstalter aber einen weiteren Bogen spannen, als lediglich über die smarten Technologien: Deshalb widmet sich die Messe auch der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Einen Beitrag hierzu soll der neue Kongress ‚Future of Work in Industry‘ leisten. Am Mittwoch den 3. April kommen rund 300 Experten und Führungskräfte der Industrie zusammen, um über die Auswirkungen der Digitalisierung auf Qualifikation und Organisation der Arbeit zu diskutieren – darunter Philosoph und Autor Richard David Precht, Siemens-Personalchefin Janina Kugel oder der ‚Human-Cyborg‘ Ralf Neuhäuser.
5G für die Industrie
Aber auch 5G soll auf der Hannover Messe ein zentrales Thema sein. Denn ab 2020 soll der neue 5G-Mobilfunkstandard in Deutschland die Basis für eine umfassende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft legen. Besonders für die Industrie wird 5G ein wichtiger Meilenstein, da Zukunftstechnologien wie das maschinelle Lernen in der Produktion oder autonomes Fahren dadurch anwendungsreif werden. Köckler: „5G wird die Industrie in die Lage versetzen, das ganze Potenzial von Industrie 4.0 zu heben.“ Wie das genau aussehen kann, soll die Halle 16 mit einem Blick in die 5G-Zukunft zeigen. Gemeinsam mit dem Netzausrüster Nokia wird die ‚5G-Arena‘ errichtet – ein 5G-Testfeld, in dem erste Anwendungen zu sehen sind. Zugleich dient die 5G-Arena als Anlaufpunkt für alle Fragen der Industrie rund um den künftigen Mobilfunkstandard. Experten stehen zum Austausch bereit und das Land Niedersachsen hält vor Ort seine Anwenderkonferenz ab.
Im Hinblick auf die Digitalisierung sind neue Software- und IT-Entwicklungen für Firmen im verarbeitenden Gewerbe besonders entscheidend. Genau darum geht es in den Hallen 5 bis 8 im Bereich Digital Factory. Zu den Top-Themen zählen künstliche Intelligenz und Plattform-Ökonomien sowie hybride Clouds, Augmented und Virtual Reality, 5G, Blockchain, Digital Twin sowie ERP- und MES-Systeme.
Neue Software- und IT-Entwicklungen
Bisher dabei sind Plattform-Anbieter und Software-Häuser wie etwa AmazonWeb Services, Atos, Dassault Systems, EPLAN, Huawei, IBM, Konica Minolta, Microsoft, Oracle, SAP, Siemens PLM und die Software AG. Insgesamt zeigen mehr als 600 Aussteller ihre Lösungen für integrierte Prozesse zur industriellen Anwendung.
Auf die Frage, was eigentlich nach Industrie 4.0 kommt, wollen die Hannoveraner auch schon eine Antwort geben.
Industrial Pioneers Summit
Hierzu findet am Messedienstag erstmals der Industrial Pioneers Summit statt. Dort wird über Digitalisierung, KI, Mensch-Maschine-Kollaboration und Plattform-Ökonomie diskutiert. Themen wie Augmented Reality, der neue Netzstandard 5G oder innovative Transportlösungen, etwa durch den Einsatz von Hyperloop-Technologien, stehen im Fokus. Eingeladen sind Vordenker und Innovationstreiber aus Industrie, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Es geht darum, Erkenntnisse, Meinungen und Theorien über Entwicklungen und Szenarien auszutauschen, um gemeinsam zu einer Vision für das Jahr 2025 zu kommen.
KI und TSN im Einsatz
Das SmartFactory-KL-Partnerkonsortium zeigt mit einem neuen Infrastruktur-Konzept eine skalierbare Lösung, die sich für Industrial-Intelligence-Anwendungen eignet. Durch den Einsatz von TSN im Datenaustausch zwischen Infrastruktur und Server wird zudem die Übertragungsqualität sichergestellt.
Die Infrastrukturknoten des neuen sternförmig skalierbaren Konzeptes unterstützen unabhängige Produktionsinseln mit mehreren Modulen. „Mit dieser Lösung zeigen wir den nächsten Schritt in Richtung einer praktischen Einführung einer standardisierten Modulschnittstelle. So kann eine Produktionsanlage schnell und flexibel rekonfiguriert werden“, sagt Prof. Dr. Martin Ruskowski, Forschungsbereichsleiter Innovative Fabriksysteme am DFKI.
In diesen Knoten steht nun Rechenleistung über Edge Computing für Industrial-Intelligence-Anwendungen zur Verfügung. Eine beispielhafte Anwendung für Edge Computing in der Infrastruktur-Box ist die Anzeige von Verbrauchsdaten der einzelnen Module direkt an der Box. Neu hinzu kommt, dass die Datenübertragung zwischen Infrastruktur und Server über die Echtzeit-Technologie TSN (Time-Sensitive Networking) realisiert ist. Durch TSN wird beispielsweise garantiert, dass sicherheitskritische Daten mit höchster Priorität versendet werden und selbst dann ankommen, wenn das Netzwerk stark belastet ist. „TSN leistet einen wichtigen Beitrag sowohl zur horizontalen als auch zur vertikalen Integration. Ferner ermöglicht OPC UA in Kombination mit TSN Herstellerunabhängigkeit auf der Datenübertragungsebene. So können beliebige Sensoren und Aktoren in Echtzeit Daten versenden und empfangen und bestehende Anlagen flexibel nachgerüstet werden. Die bisherigen proprietären Feldbusse stellen kein Hindernis mehr dar“, fasst Prof. Dr. Detlef Zühlke, Vorstandsvorsitzender der SmartFactory-KL, die Vorteile für die Industrie zusammen.













