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Artikel und Hintergründe zum Thema

Sigfox expandiert

"Dieses Jahr gehen große Projekte in den Rollout"

"Sigfox erreicht in diesem Jahr die kritische Masse, die den Anwendern erlaubt, ihre Projekte zügig umzusetzen und vor allem einen schnelle Return on Investment zu realisieren", erklärt Vincent Sabot, Vice President Europe von Sigfox im Interview.

Vincent Sabot, VP Europe von Sigfox: "Wir haben jetzt die globale Infrastruktur soweit ausgebaut, dass die Unternehmen ihre Sigfox-Systeme aufbauen, neue Geschäftsmodelle einführen und einen schnellen Return on Investment erwarten können."

© WEKA Fachmedien

Markt&Technik: Warum setzen Firmen auf Sigfox?

Vincent Sabot: Wir haben jetzt ein sehr schönes Beispiel: Louis Vuitton wollte den Kunden eine Möglichkeit geben, genau zu verfolgen, wo sich ihr Gepäck gerade am Flughafen befindet. Für Flugreisende ist es wichtig, dass dies in allen Ländern der Welt über Grenzen hinweg funktioniert. Deshalb war für Louis Vuitton von vorne herein klar: Das ist die Mindestvoraussetzung, denn wenn ein Kunde schlechte Erfahrungen macht, weil das Tracking-System nicht funktioniert, dann erreicht das Unternehmen das Gegenteil von dem, was es beabsichtigt. Also kam es Louis Vuitton auf verlässliche Datenübertragung und weltweite Funktion an. Sigfox kann genau das: Wir decken alle Weltregionen ab. Andere LPWAN-Techniken können das nicht. Geringe Energieaufnahme in Kombination mit globaler Vernetzung ohne Roaming-Gebühren ist für uns das Entscheidende.

Wir groß ist die installierte Basis von Sigfox derzeit?

Wir haben kürzlich die Zahl von 3 Mio. Geräten im Netz erreicht, auf diese Zahl kommt keine andere Technologie. Sigfox ist das einzige globale Netz; in diesem Jahr werden wir in 60 Ländern vertreten sein. Weltweit erreicht das Sigfox-Netz jetzt 803 Mio. Menschen, jeden Monat werden es 30 Mio. mehr.

Lassen sich jetzt kommerzielle Projekte realisieren?

Das ist das wichtigste: Weil wir jetzt bereits in 45 Ländern vertreten sind – 18 davon decken wir mit unserem Netz vollständig ab – können jetzt global agierende Unternehmen Systeme aufbauen, die ihnen einen schnelle Amortisierung bringen werden. Vor allem haben wir auch viele industrielle Use-Cases.

Sigfox ist zwar in vielen Ländern der Welt vertreten, aber es kostet ja auch viel Geld, die Infrastruktur aufzubauen. Also müsste Sigfox weiter Fahrt aufnehmen, um in die Gewinnzone zu kommen?

Das geschieht gerade. Für 2018 rechnen wir mit einem Umsatz von 70 Mio. Euro und mit 7 bis 8 Mio. Objekten im Netz.

Was konkret macht Sie so optimistisch, dies erreichen zu können?

Wie das Beispiel Louis Vuitton zeigt, haben wir Kunden im B2C-Bereich gewonnen. Louis Vuitton hat als Zubehör für die Horizon-Modelle 50, 55 und 70 einen Sigfox-Tracker entwickelt, der in eine Tasche in den Koffern eingeclippt wird. Das ist ein wichtiger Schritt für uns. Vor allem freuen wir uns aber, dass wir schon viele Partner im Industriesektor gewonnen haben.

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Vieles ist im verborgenen passiert - jetzt kommt es zum Tragen

Wie viele Partner sind es denn?

Rund 400. Dazu gehören bekannte große Unternehmen wie Airbus, Bosch und Total, aber auch sehr viele Mittelständler. Im Bereich der Elektromobilität hat sich schon viel getan.

Was zum Beispiel?

Bosch etwa setzt auf Sigfox auf, um Elek­tro­scooter lokalisieren zu können.

Auch sonst dürften der Automobilsektor und Mobilitätskonzepte doch ein interessanter Markt sein.

Ja, auf jeden Fall, wir werden schon demnächst etwas sehr Interessantes zum Thema Logistik in der Automobilbranche veröffentlichen. Und noch ein Beispiel aus dem Bereich Landwirtschaft fällt mir ein: Fliegl hat ein Monitoring-System entwickelt, das überwacht, ob Anhänger vorschriftsmäßig an die Zugmaschine angekoppelt sind und wo sie sich befinden. Damit hat das Unternehmen sogar zwei Preise gewonnen.

Können Sie ein weiteres Beispiel dafür geben, wie ein typischer Mittelständler das System einsetzt?

Da fällt mir unter den vielen Beispielen spontan Bergische Achsen ein, ein Unternehmen, das LKW-Achsen herstellt. Es ist ein typischer deutscher Mittelständler, der sein Smart-Logistik-System auf Basis von Sigfox aufgebaut hat und dies jetzt auch an weitere Interessenten vermarktet. Dieses Beispiel zeigt auch sehr gut, wie sich das Geschäftsmodell über Sigfox erweitern lässt.

Da ist also sehr viel über die letzten Jahre im Verborgenen passiert?

Genau. Denn gerade im Industriebereich dauert es recht lange, bis ein System auf Basis von Sigfox umgesetzt werden kann. Bei Louis Vuitton hat dies 18 Monate gedauert, das ging sogar sehr glatt und relativ schnell. Das Lokalisierungssystem von Bosch für die Elektroscouter hat auch 18 Monate erfordert, bis es soweit war. Das lässt mich aber auch recht sicher sein, dass die Prognosen für dieses Jahr nicht übertrieben sind. Denn viele Firmen haben in ihren Projekten bereits gezeigt, dass die Systeme funktionieren, und rollen die Geräte jetzt aus.

Alles spricht derzeit von China. Ist Sigfox dort aktiv?

Wir haben in China angefangen und werden die 20 größten Städte abdecken. Auch Indien entwickelt sich jetzt.

Auf der technischen Ebene ist jetzt NB-IoT stark im Kommen. Könnte dies Sigfox das Wasser abgraben?

Die Techniken unterscheiden sich und zielen auf unterschiedliche Anwendungen ab. Wird eine hohe Bandbreite gefordert, wie in manchen Smart-City-Projekten, dann eignet sich NB-IoT. Dafür ist die Abdeckung nicht so gut. Aber nicht alle Telekommunikationsanbieter setzen auf NB-IoT. Manche haben es nicht im Angebot wie etwa Orange. Es gibt Länder und Regionen, die kein Netz haben. Damit wäre diese Möglichkeit beispielsweise für Louis Vuitton nicht in Frage gekommen. Wir bieten dagegen den kompletten End-to-End-Service, garantieren also, dass die Daten auch wirklich ankommen. Das macht eine Telekommunikationsfirma nicht.

Die Systeme würden sich also ergänzen?

Das sehe ich so, das sehen auch Telekommunikationsunternehmen wie beispielsweise Telefonica so. Andere wie die Deutsche Telekom sind bislang aber noch nicht davon überzeugt. Hier haben wir wohl noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber es gibt auch noch einige andere Telekommunikationsanbieter, mit denen wir in regem Kontakt stehen.

Sie sehen sich grundsätzlich nicht im Wettbewerb mit diesen Anbietern?

Wir sehen uns als IoT-Service-Provider, der ein eigenes Funknetzwerk aufbaut, um selbst einfachste Dinge anzubinden. Wir wollen die Firmen in die Lage versetzen, auf Basis unserer Technik genau das System aufzubauen, das ihnen hilft, ihre Probleme zu lösen und in neue Geschäftsbereiche vorzudringen. Ein wichtiger Punkt dabei: Die Unternehmen behalten die volle Kontrolle über ihre Daten, die Datenhoheit liegt bei ihnen. Weil es so viele IoT-Cloud-Anbieter in Europa nicht gibt, sehen wir uns in einer sehr guten Position.

Ein wesentlicher Punkt ist der Preis, den die Anwender dafür bezahlen müssen, verbunden zu sein. Wie hoch liegt er im Moment?

Das kann man schwer sagen, je nach System dürfte er zwischen 50 Cent und 7 Euro liegen. Wir arbeiten aber auch mit Hochdruck daran, die Preise für die Module weiter zu senken. In Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Deggendorf wird es möglich, abgespeckte Module herzustellen, über die sich Objekte für 20 Cent bis 1 Euro vernetzen lassen. Selbst Einweggegenstände, Verpackungen und Briefumschläge ließen sich so vernetzen.

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