nachgehakt! - bei Dr. Thomas Kuhn

Meinrad Happacher | Alexandra Hose,

Vom Digitalen Zwilling zum Datenraum

Das Fraunhofer IESE arbeitet im Rahmen des Forschungsprojekts ‚BaSys 4.0‘ an der Entwicklung der Open-Source-Middleware Eclipse BaSyx. Dank eines Digitalen Zwillings verschiebt sich der Forschungsschwerpunkt in Richtung Datenraum. Dr. Thomas Kuhn erläutert den Status quo.

Thomas Kuhn, Division Manager Embedded Systems, Fraunhofer IESE.

© Fraunhofer IESE

Herr Dr. Kuhn, vor einem Jahr haben Sie auf der Hannover Messe anhand eines Demonstrators gezeigt, wie sich mit Ihrer Middleware eine vollständig digitalisierte und flexible Fabrik mit Digitalen Zwillingen und Verwaltungsschalen umsetzen lässt. Wie kam der Demonstrator an? Gibt es Firmen, die mit Ihrer Technologie Lösungen umsetzen?

Dr. Thomas Kuhn: Die Technologie kommt sehr gut an. Mittlerweile erkennen zahlreiche Unternehmen die Vorteile, die Digitale Zwillinge bei der Digitalisierung ermöglichen. So nutzt zum Beispiel Sick unsere Lösung, um zahlreiche Maschinen in der Produktion zu steuern. Auch kleinere Unternehmen setzen unsere Lösungen ein. Inzwischen sind das so viele, dass wir selbst nicht mehr alle kennen.

Einen Digitalen Zwilling zu generieren, ist ja lediglich die halbe Miete. Zukünftig gilt es, die gesamte Lieferkette zu betrachten. Und damit kommt das Thema Datenräume ins Spiel. Haben Sie das auf dem Radar?

Das unternehmensübergreifende Teilen von Daten ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Firmen nicht nur effizienter, sondern vor allem auch nachhaltiger zusammenarbeiten. Erst mit Hilfe solcher Datenräume ist es überhaupt möglich, den CO2-Fußabdruck von Produkten zu berechnen, einen Batteriepass zu erstellen oder digitale Produktpässe anzufertigen.
Genau diesem Thema hat sich unser neues Forschungsprojekt vom Fraunhofer IESE angenommen. Zusammen mit renommierten Partnerunternehmen haben wir den AAS Dataspace for Everybody entwickelt. Das ist eine Plattform, die das unkomplizierte Teilen von Daten sowie vorkonfigurierte Softwarelösungen auf Grundlage der Open-Source-Middleware Eclipse BaSyx ermöglicht. Das Einzigartige daran ist: Unternehmen können über die Plattform nicht einfach nur irgendwelche Daten miteinander austauschen. Durch die Kombination mit BaSyx sind sie in der Lage, ihre Digitalen Zwillinge über den Dataspace zu teilen – und zwar souverän und unter Einhaltung klar definierter Vorgaben.

Gibt es Partnerfirmen, die Ihre Lösung nutzen?

Aktuell stehen wir mit acht Unternehmen in engem Austausch, die den Dataspace ausprobieren möchten. Dabei werden die Firmen zunächst ausschließlich Testdaten über den Datenraum teilen. Es handelt sich also zunächst um Proof-of-Concept-Projekte. Für unsere Partnerfirmen ergeben sich durch die Zusammenarbeit viele Vorteile: Sie haben die Chance, eigene Datenräume aufzubauen und daraus Geschäftsmodelle zu entwickeln. Außerdem helfen wir ihnen dabei, ihre bereits bestehenden Lösungen dafür fit zu machen, Digitale Zwillinge zu erstellen und diese dann teilen zu können. Umgekehrt stoßen viele Firmen nämlich noch sehr an ihre
Grenzen, wenn es darum geht, ihre Fertigungsprozesse überhaupt erst einmal zu digitalisieren.

Ist es geplant, die Plattform auch in Form eines entsprechend kommerziellen Anbieters zu vermarkten?

Aktuell ist es wie gesagt noch so, dass auf der Plattform zunächst Testdaten ausgetauscht werden. Wir sind also noch in einem Entwicklungsstadium, in dem es darum geht, möglichst viele Learnings aus der praktischen Anwendung zu ziehen und den Dataspace so weiter zu professionalisieren. Unseren Partnern, zum Beispiel interessierten Unternehmen, stellen wir von Fraunhofer IESE die gesamte Technologie hinter dem Dataspace zur Verfügung. Darin ist dann die Open-Source-Middleware Eclipse BaSyx enthalten, genauso wie das gesamte technologische Setup für die Integration des Dataspace bei unseren Kunden. Letztendlich ergibt sich daraus für uns und die jeweiligen Nutzer ein großes Potential für neue Geschäftsmodelle.

Wie sehen Ihre weiteren Schritte – oder gar Ihre Vision – aus?

Der Dataspace bildet ein eigenes Forschungsprojekt, das parallel läuft zu BaSys4Transfer – unserem dritten Kernprojekt im Bereich Industrie-4.0-Middleware. Perspektivisch werden wir beide Forschungsrichtungen wohl miteinander verschmelzen. Das heißt natürlich werden Digitale Zwillinge auch weiterhin ein wichtiges Thema für uns bleiben. Der große Fokus wird dann aber auf dem nächsten Schritt liegen: dem flächendeckenden Teilen unternehmensübergreifender Daten mit Hilfe von Datenräumen.

Web-Tipp: Auf der Website des BaSyx-Projektes sind Success Stories von Anwendern zu finden: eclipse.dev/basyx

 

 

 

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