Gaia-X - Status Quo

Die Rolle der nationalen Gaia-X Hubs

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Die Organisationsstruktur von Gaia-X baut auf drei Säulen auf: der Gaia-X Association, den nationalen Gaia-X Hubs und der Gaia-X Community. Peter Kraemer, Koordinator des Gaia-X Hub Germany, erläutert die Rolle des deutschen Gaia-X Hubs.

Herr Kraemer, Gaia-X Hubs sind die zentralen und länderspezifischen Anlaufstellen für Unternehmen, Stakeholder, Initiativen, Verbände und öffentliche Einrichtungen, die zum Erfolg des Gaia-X-Projektes beitragen wollen. Welche Resonanz aus diesen Gruppen bekommen Sie denn schon?

Peter Krämer: Wir erfahren jeden Tag aufs Neue, dass Gaia-X die Menschen bewegt. Mehr als 1000 Personen aus über 500 Organisationen bringen sich in unseren Arbeitsgruppen ein und beschäftigen sich mit der Frage, wie mit Gaia-X Mehrwerte realisiert werden können. Natürlich ist dafür ein solides Verständnis dessen, was die Deliverables von Gaia-X eigentlich sind, notwendig, und damit sind wir im Moment beschäftigt. Letztendlich werden die Netzwerkeffekte greifen, also das Prinzip, dass ein System umso besser wird, je mehr Akteure beteiligt sind, und das gilt uneingeschränkt auch für Gaia-X. Das Interesse ist ungebrochen überwältigend.

Peter Krämer
Peter Kraemer: »Für mich persönlich und den deutschen Gaia-X Hub ist die Einbeziehung von Unternehmen aus dem Mittelstand ein wichtiges Kriterium für den Markterfolg von Gaia-X.«
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Warum sollte ein Unternehmen einem Gaia-X Hub beitreten?

Gaia-X ist eine Enabler-Technologie, die es Unternehmen ermöglichen wird, auf Referenzarchitekturen zurückzugreifen, um gemeinsame Herausforderungen zu lösen. Im Gaia-X Hub werden diese Herausforderungen identifiziert und eruiert, wie man sie mit Gaia-X bewältigen kann. Das ist und wird immer ein Bottom-Up Prozess sein, weil die Communities selber am besten wissen, was gebraucht wird – deshalb sind die Hubs niedrigschwellig angelegt, um möglichst vielen Unternehmen die Teilhabe am Prozess zu ermöglichen.

Reale Markterfordernisse stehen dabei im Mittelpunkt der Ausgestaltung von Gaia-X als Interoperabilitäts- und Souveränitätsinstrument. Die Entstehung innovativer Ökosysteme wird durch gemeinsame Standards und Mechanismen für Datenspeicherung und -verarbeitung beflügelt; Gaia-X als europäische Dateninfrastruktur setzt dabei auf die in den Domänen vorhandene Expertise und Erfahrung, um eine adaptive und agile Referenzarchitektur zur Verfügung zu stellen. Als integratives Projekt, das auf bereits bestehende technologische Lösungen für gemeinsame Herausforderungen aufbaut, ist Gaia-X bestrebt, bereits entwickelte Lösungen am Markt zu berücksichtigen, um Eintrittshürden zu minimieren. Legacy-Systeme werden daher als einspeisende Datenquellen im System eine Zukunft haben.

Auf Basis von Use Cases und Business Cases werden technologische, regulatorische und governance-bezogene Anforderungen spezifiziert und durch den deutschen Gaia-X Hub in die entsprechenden Gremien der Gaia-X Association als Gralshüter kanalisiert.

Angenommen, ein Unternehmen hat weder die Manpower noch das Interesse, aktiv an der Entwicklung des Gaia-X-Projektes mitzuarbeiten. Warum, wie und ab wann sollte sich etwa ein Automatisierer oder ein Maschinenbauer dennoch mit dem Thema befassen?

Die Data Economy wird kommen und ist nicht mehr aufzuhalten. Datennutzung wird schon in wenigen Jahren nicht mehr aus der Industrie wegzudenken sein, und je früher sich Unternehmen mit dem Themenkomplex beschäftigen, desto besser. Gaia-X wird vor allem für KMUs einen massiven Hebel bieten, da über Referenzarchitekturen ein transparenter Weg zu souveränen digitalen Services ermöglicht wird.

Für mich und den deutschen Gaia-X Hub ist die Einbeziehung von Unternehmen aus dem Mittelstand ein wichtiges Kriterium für den Markterfolg von Gaia-X. Für dessen speziellen Anforderungen stellt der deutsche Gaia-X Hub ein Angebot zur Vernetzung und Zusammenarbeit zur Verfügung, um die Spezifikationen von Gaia-X in der Breite, aber auch branchenspezifisch zu erarbeiten. Um den Transfer von technologischen Entwicklungen in die Implementierung sicherzustellen, werden Austauschformate etabliert und Prozesse strukturiert, die es mittelständischen Unternehmen ermöglichen, am Projekt zu partizipieren – auch, um erst einmal ein umfängliches Verständnis von Gaia-X herzustellen.


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