Schiffsstau in Shanghai

Industrie befürchtet schwere Folgen

25. April 2022, 9:53 Uhr | dpa
Hafen von Shanghai
Shanghai: Blick auf Container und Kräne im Yangshan-Hafen.
© Ding Ting/XinHua/dpa

Die deutsche Industrie stellt sich wegen eines Schiffsstaus im weltgrößten Containerhafen in Shanghai auf möglicherweise schwerwiegende Folgen ein. Das Exportvolumen des Hafens ist Schätzungen zufolge um ca. 40 % zurückgegangen.

Industriepräsident Siegfried Russwurm sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: »Die deutsche Industrie befürchtet in den kommenden Wochen gestörte Produktionsabläufe. Getroffen sind vor allem Branchen, die auf Rohstoff- oder Bauteillieferungen sowie den Versand ihrer Fertigprodukte über Seetransporte angewiesen sind.«

Der drohende Stillstand des weltgrößten Containerhafens wirble den globalen Container-Seeverkehr und die internationalen Lieferketten komplett durcheinander, so Russwurm. »Unternehmen und ihre Kundinnen und Kunden bekommen schon jetzt die internationalen Logistik-Turbulenzen zu spüren. Die Transportpreise haben sich in den vergangenen Monaten wegen des Kriegs in der Ukraine und der Corona-Folgen mehr als verdoppelt. Die Niederlassungen deutscher Unternehmen in China arbeiten aktuell bereits im Krisenmodus.«

Auf einem Smartphone-Monitor ist die App »MarineTraffic« zu sehen, die die Positionen von Frachtschiffen (grün) vor dem Hafen von Shanghai anzeigt.
Auf einem Smartphone-Monitor ist die App »MarineTraffic« zu sehen, die die Positionen von Frachtschiffen (grün) vor dem Hafen von Shanghai anzeigt. Auswertungen des IfW von Schiffsbewegungen an den chinesischen Häfen zeigten, dass die Exporte aus dem Hafen von Shanghai in den vergangenen Tagen eingebrochen sind und etwa 30 % unter der Entwicklung anderer Häfen Chinas liegen. Aufgrund neuer Corona-Infektionen ist Shanghai seit Ende März weitgehend abgeriegelt.
© MarineTraffic/dpa

Viele Unternehmen bekämen ihre Waren teilweise seit mehr als drei Wochen nicht mehr aus dem Land, sagte Maximilian Butek, der Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Shanghai. Auch alternative Lieferwege über andere Häfen reichten nicht aus, um den Ausfall abzufedern. «Die Verknappung des Angebots an Lieferungen aus China wird die bereits jetzt schon hohe Inflation in Deutschland weiter negativ beeinflussen», so der Delegierte.

Shanghai im Corona-Lockdown – Monatelange Auswirkungen befürchtet

Wegen eines andauernden Corona-Lockdowns in Shanghai kommt es zu einem Stau von Frachtschiffen im Hafen. Das Exportvolumen des größten Hafens der Welt ist Schätzungen zufolge schon um rund 40 % zurückgegangen.

»Die Schockwellen, die der Stillstand hier in China auslöst, sind noch gar nicht im vollen Umfang fassbar«, sagte der Delegierte. Es dürften Monate vergehen, um die Störungen in den Lieferketten zu beheben. Der Hafen an sich sei nicht das größte Problem. Die Schwierigkeit liege wegen der strengen Corona-Maßnahmen vielmehr im Transport der Waren mit Lastwagen von und zum Hafen.

»Das betrifft im Prinzip alle Warengruppen. Aber vor allem bei Elektronikartikeln und Rohstoffen oder Vorprodukten ist die Sorge groß«, sagte der Delegierte. Der Lockdown betreffe mittlerweile alle Unternehmen – unabhängig von Branche oder Größe. Es gebe massive Beeinträchtigungen der Lieferketten, der Transport- und Logistik-Möglichkeiten oder beim Personal und in der Produktion.

Die 26 Millionen Einwohner zählende Hafenstadt ist seit einem Monat von weitgehenden Ausgangssperren betroffen. Die Metropole steht im Zentrum der größten Corona-Welle in China seit Beginn der Pandemie vor mehr als zwei Jahren. Mit Ausgangssperren, Massentests und Quarantäne verfolgt die chinesische Führung eine strikte Null-Covid-Strategie, die durch die Ankunft der Omikron-Variante BA.2 aber auf eine schwere Probe gestellt wird.

Russwurm sagte: »Je länger die Ausgangssperren in China andauern, umso härter sind die wirtschaftlichen Folgen – für die Weltwirtschaft und für die deutsche Exportwirtschaft. Eine kurzfristige Entspannung der maritimen Lieferketten ist nicht in Sicht.«

Die Wachstumserwartungen für die deutsche Wirtschaft sind wegen der Folgen des Ukraine-Kriegs und gestiegener Energiepreise bereits gedämpft. Erwartet wird, dass nach Instituten auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am kommenden Mittwoch bei der Vorlage der Frühjahrsprojektion die Prognose der Bundesregierung für das laufende Jahr deutlich herunterschraubt.


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