Lenze

Günter Herkommer,

Der Antrieb wird zum Sensor

Condition Monitoring ist dann effizient, wenn dafür keine kostentreibende, zusätzliche Sensorik benötigt wird – so die Überzeugung bei Lenze. Wie sich dies konkret umsetzen lässt, zeigte das Unternehmen aus Hameln auf der SPS 2019 am Beispiel eines realen Show-Cases.

Christoph Ranze, Head of Digital Business bei Lenze: „Smartes Condition Monitoring liefert Echtzeit-Zustandsbeschreibungen ohne zusätzliche Messfühler.“

© Lenze

Themen wie Predictive Maintenance, Condition Monitoring und Prognosemodelle, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren, genießen derzeit hohes Interesse im Maschinenbau. Allerdings: „Viele Kunden haben keine Vorstellung davon, was prognostiziert werden könnte“, weiß Lenze-CTO Frank Maier aus eigener Erfahrung und ergänzt: „Immer wieder werden Condition Monitoring und Predictive Maintenance als synonyme Bezeichnungen verwendet – dabei sind es zwei unterschiedliche Konzepte.“

Predictive Maintenance sei die Vorhersage von Ereignissen – beispielsweise wann die Wahrscheinlichkeit, dass ein Getriebedefekt in den nächsten 50 Betriebsstunden auftritt, auf über 90 % steigt. Mit einer solchen Prognose lasse sich der Austausch des Getriebes rechtzeitig planen, bevor die Anlage tatsächlich ausfällt. Condition Monitoring dagegen sei eine Vorstufe, die aus der Interpretation vorhandener Daten eine tiefergehende Beschreibung des aktuellen Zustands ermöglicht. Dazu bedürfe es eines tiefen Verständnisses von Maschinen und Prozessen, um aus ‚nackten‘ Daten aussagekräftige Informationen zu generieren.

Für OEMs wird es laut Frank Maier besonders dann interessant, wenn – so wie beim Ansatz von Lenze – der durch das Condition Monitoring winkende Mehrwert nicht mit höheren Hardware-Kosten erkauft werden müsse. Der Clou der Lösung bestehe darin, den Mehrwert an Informationen aus bereits vorhandenen Datenquellen zu erschließen.

In Nürnberg demonstriert der Automatisierungsanbieter das Prinzip anhand eines Show-Case mit zwei unterschiedlichen Ansätzen. Der eine ist Modell-basiert: Hier werden die gemessenen Ist-Werte mit denen verglichen, die sich aus der angenommenen mathematischen Beschreibung der Maschine ergeben. Werden bestimmte Toleranzen überschritten, wird dies als Störung interpretiert. Der andere Ansatz ist datenbasiert: Ein Algorithmus lernt das Verhalten des Systems und die gegenseitige Beeinflussung der Parameter, beispielsweise Geschwindigkeit, Beschleunigung, Drehmoment, Position und Stromaufnahme. Die realen Werte werden mit dieser erlernten Beschreibung verglichen, um Abweichungen zu definieren.

Beim Messe-Show-Case wird dazu zum einen erhöhte Reibung an der Spindel simuliert, zum anderen ein Verschleiß des Riemenantriebs. In beiden Fällen sind über Strom- und Drehmomentwerte die Anomalien erkennbar. Sei es durch absolute Erhöhung des Wertes oder durch überlagerte Frequenzen. In beiden Fällen schlägt das Condition Monitoring Alarm und zeigt die Ursachen auf einem Dashboard an.

Anzeige

Steuerung oder Cloud?

Die beiden Condition-Monitoring-Ansätze unterscheiden sich nicht nur konzeptionell. Auch die Auswertung der Daten erfolgt auf verschiedene Weise. Die Modell-basierte Auswertung findet normalerweise in der Steuerung statt, denn es werden dafür Maier zufolge keine hohen Rechenleistungen benötigt. Für die datenbasierte Auswertung kämen dagegen ML- und KI-Analysen in Betracht, in der Regel als Cloud-Anwendung.

Lenze stellt dem Maschinenbauer dazu eine Reihe unterschiedlich dimensionierter SPSen für das Modell-basierte Condition Monitoring zur Verfügung. Die datenbasierte Auswertung könne ebenso lokal erfolgen, wenn der leistungsstarke Cabinet Controller c750 zum Einsatz kommt. Alternativ steht mit dem Gateway x500 der Weg in die Cloud offen. Kombiniert mit der sogenannten x4-Plattform ergibt sich eine schlüsselfertige Cloud-Lösung, die neben Condition Monitoring die Fernwartung der Maschine und ein bedienerfreundliches Asset Management umfasst.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Advertorial

Digitale Zukunft der Reifenproduktion

Prometeon Tyre Group, Rockwell Automation und Plex revolutionieren die Reifenherstellung. Durch integrierte MES-, QMS- und IoT-Technologien erreichen sie Standardisierung in vier globalen Werken und verbessern Compliance, Datentransparenz sowie...

mehr...

Turck

Mehr Invest in Software-Know-how

Die Konjunktur hinterlässt ihre Spuren: Im Vergleich zum Vorjahr erwartet Turck für das Geschäftsjahr 2019 einen Gesamtumsatz von rund 640 Mio. Euro und damit einen Rückgang von 3 %. Und dennoch gibt sich Geschäftsführer Christian Wolf optimistisch.

mehr...
Anzeige
Anzeige

OPC UA

Auf dem Weg zur Weltbibliothek

Seit Ende 2014 steht die Vision: OPC UA soll bis spätestens 2019 den Status eines weltweit anerkannten Standards des Industriellen Internet der Dinge IIoT erlangen. Während der Pressekonferenz auf der SPS bezog die Foundation Stellung zu diesem Plan.

mehr...
Anzeige

SPS 2019

A look back at the fair

The 30th SPS was the highlight of the automation industry at the end of November. The keywords 'digitization' and 'digital transformation' were visible right through the halls. The main trends can be seen in the film below.

mehr...

Video

Die SPS 2019 im Rückblick

Mit der 30. SPS fand Ende November das Messehighlight der Automatisierungsbranche statt. Quer durch die Hallen waren die Schlagworte 'Digitalisierung' und 'Digitale Transformation' sichtbar - das Wichtigste im Film.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

IniNet Solutions

Industry 4.0 'off the shelf'

iniNet Solutions has developed an automation architecture based on web server-supported SCADA and programming software, which is intended to bring manufacturing companies more easily than ever to industry 4.0 level. This architecture can be seen at...

mehr...

CloudRail

Plug and play into any cloud

A year ago, Cloudrail unveiled the 'CloudRail.Box' for the first time - a gateway that connects plug-and-play to IO-Link sensors and masters and sends the data to any cloud platform. Now it also handles OPC UA and Edge Computing.

mehr...

R3 Communications

Manufacturing without cables

R3 Reliable Realtime Radio Communications presents its first series products "Echoring Ethernet Bridge" (EREB) and "Echoring System on Module" (SoM) at the SPS. They are intended to complement wired industrial Ethernet networks with equally powerful...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren