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Artikel und Hintergründe zum Thema

Neue Serie: Drei Fragen an ...

Tiffany Dinges,

Was bringt das Jahr 2020?

Unter dem Titel “Drei Fragen an ...“ veröffentlicht computer-automation.de in diesem Jahr im monatlichen Turnus Kurzinterviews mit den führenden Köpfen der Automatisierungsbranche.

© Computer&AUTOMATION

Dabei greifen wir branchen-relevante Themen mit aktuellem Bezug auf und stellen Fragen, deren Antworten einen Blick hinter die Kulissen erlauben sollen. Mal faktisch und analytisch, mal mit einem Augenzwinkern. Seien auch Sie gespannt auf die Statements unserer Interviewpartner.

Den Anfang der Serie bilden:

Philip Harting, CEO Harting Technologiegruppe

Michael Otto, Chief Regional Officer Germany bei Kuka

Dr. Gunther Kegel, CEO Pepperl+Fuchs

Jens Holzhammer, Geschäftsführer Moxa Europe

Klaus Rottmayr, Mitglied der Geschäftsleitung bei Spectra 

Harting: “Eine ganze Branche steht vor einem gigantischen Umbruch“

Philip Harting, CEO der Harting Technologiegruppe

© Harting

Als Vorstandsvorsitzender der Harting Technologiegruppe und als Inhaber mehrerer Ehrenämter im elektrotechnischen Verbandswesen nimmt Philip Harting im Kurzinterview Stellung zu drei Fragen rund um die Prognosen für das Jahr 2020.

Der ZVEI rechnet gegebenenfalls mit einem Nullwachstum für 2020. Welche Prognose geben Sie ab?

Harting: Die deutsche Wirtschaft ist 2019 laut Statistischen Bundesamt um lediglich 0,6 % gewachsen. Die meisten Institute sehen auch für 2020 nur ein schwaches Wachstum. Wir kalkulieren daher eher vorsichtig und rechnen in diesem Jahr mit einer erneuten Seitwärtsbewegung, im besten Fall mit einem leichten Plus.

Wo liegt für Sie die größte Herausforderung 2020?

Harting: Die sehen wir klar bei den weltweiten Handelskonflikten. Das Wachstum des Welthandels tritt seit einiger Zeit auf der Stelle, die Vielzahl an Handelskonflikten schwächt die Investitionsdynamik ab. Zu spüren bekommt das allen voran die außenhandelsorientierte deutsche Industrie; also auch Harting. Hinzu kommen die Umwälzungen in der Automobil- und Zulieferindustrie im Zusammenhang mit der Klimaschutzdebatte und der E-Mobilität. Eine ganze Branche steht vor einem gigantischen Umbruch, von dem niemand weiß, wie er ausgeht. 

Welche Produktentwicklungen planen Sie für dieses Jahr?

Harting: Vor dem Hintergrund der bereits erwähnten Umwälzungen und Veränderungen im Markt besteht die Herausforderung, sich diesen Veränderungen stetig anzupassen. Hier sehen wir unter anderem die Entwicklungen hin zu konkreten Standards in der Industrie. Dies betrifft konkrete Schnittstellen ebenso wie auch die gesamte Datenkommunikationsstruktur.

Auf der einen Seite treiben wir hier mit dem Produkt T1 Industrial den neuen Markt Single Pair Ethernet (SPE) maßgeblich voran. Hier werden weitere neue Varianten für die Cyber Physical Systems der Zukunft entstehen. Auf der anderen Seite bekommt das Thema Software auch für uns eine immer größere Bedeutung. Mit unserem Edge Computing Device Mica werden wir weitere Lösungspakete im Umfeld von Auto-ID oder auch Industrial Cloud entwickeln. Open Source Technologie oder auch OPC-UA Kommunikationskonzepte sind hier die relevanten Treiber der Standards.

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Kuka: "Digitalisierung und Automatisierung sind globale Megatrends"

Michael Otto, Chief Regional Officer Germany bei Kuka

© Kuka

Kuka ging für das Geschäftsjahr 2019 von einem Umsatz von rund 3,2 Mrd. Euro aus. Noch ehe der Jahresabschluss im März 2020 veröffentlicht wird, erzählt Michael Otto, Chief Regional Officer Germany bei Kuka, mit welchen Zielsetzungen und Neuigkeiten das Unternehmen in das neue Jahr gestartet ist.

Der ZVEI rechnet gegebenenfalls mit einem Nullwachstum für 2020. Welche Prognose geben Sie ab?

Otto: Digitalisierung und Automatisierung sind globale Megatrends. Wir wollen die erste Wahl sein für intelligente Automatisierung. Grundsätzlich sind wir auf einem guten Weg, diese Vision zu erreichen. Denn niemand bietet so ein breites Spektrum an Automatisierungs-Know-how wie Kuka. Aber es ist dabei natürlich unabdingbar, dass wir die allgemeine Wirtschaftslage genau beobachten.

Wo liegt für Sie die größte Herausforderung 2020?

Otto: Mit Blick auf den deutschen Markt wollen wir neue Geschäftsmodelle entwickeln, die mit der digitalen Transformation zusammenhängen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie wir die Transparenz einer Produktionsanlage erhöhen können. Wir schaffen dazu Schnittstellen, um Daten auszulesen, die wir in einem nächsten Schritt anhand unserer Prozess-Know-hows zielgerichtet analysieren, um Mehrwerte zu generieren.  

Welche Produktentwicklungen planen Sie für dieses Jahr?

Otto: Vor wenigen Tagen erst haben wir den neuen KR Iontec gelauncht, einen Roboter für jede Aufgabe in der mittleren Traglastklasse von 30 bis 70 Kg. Mit einer Reichweite von maximal 3.100 mm verfügt er über den größten Arbeitsbereich seiner Klasse. Außerdem ist der Nachfolger des KR 60-3 höchst flexibel. Er kann in jeder Einbaulage eingesetzt werden, erlaubt eine Traglastumrüstung bei installiertem Roboter und kann sich über unsere Motion-Modes-Software-Add-ons sozusagen per Knopfdruck flexibel an verschiedene Produktionsprozesse anpassen.

Pepperl+Fuchs: "Ausbau erneuerbarer Energien für die notwendige ökologische Wirkung"

Dr. Gunther Kegel, CEO der Pepperl+Fuchs AG

© Pepperl+Fuchs

Dr. Gunther Kegel feiert in diesem Jahr seine 30-jährige Zugehörigkeit zu Pepperl+Fuchs und hat in dieser Zeit viele technische Entwicklungsschritte in der Sensorik erlebt und geprägt. Grund genug, ihn nach einer Einschätzung seines Jubiläumsjahres zu fragen.

Der ZVEI rechnet gegebenenfalls mit einem Nullwachstum für 2020. Welche Prognose geben Sie ab?  

Kegel: Für die gesamte wirklich breit aufgestellte Elektrotechnik in Deutschland ist das sehr schwer zu prognostizieren. Alle Bereiche, die in 2019 Geschäfte mit und um die Automobilherstellung gemacht haben, mussten sich mit rückläufigen Geschäften auseinandersetzen. Andere Bereiche, - zum Beispiel die Intralogistik - haben noch immer Wachstum verzeichnet. Die Konjunkturindikatoren zeigen in den drei Weltregionen im Moment leicht positive Entwicklungen. Im Handelsstreit zwischen USA und China gibt es zumindest eine Atempause, zum Brexit werden wir in den kommenden Wochen Klarheit bekommen und ein Krieg im mittleren Osten wurde bislang verhindert. So schlecht sind die Eingangsbedingungen also nicht. Wir selbst haben das Jahr 2019 mit 7,8% Wachstum abgeschlossen und wollen in 2020 etwa 6% wachsen. 
 
Wo liegt für Sie die größte Herausforderung 2020?  

Kegel: Die größte konjunkturelle Belastung sind die Unsicherheiten in vielen Bereichen, die es Investoren und Konsumenten gleichermaßen schwer machen, Entscheidungen zu treffen. Ein Blick auf unseren wichtigsten Wirtschaftssektor, die Automobilindustrie, macht das deutlich. Für die Hersteller gibt es nur den Weg in die batteriebasierte Elektromobilität, weil andere Technologien, wie zum Beispiel Brennstoffzellen oder CO2 neutrale synthetische Brennstoffe, noch nicht verfügbar sind. Die batteriebasierte Elektromobilität ist aber nur für einen Teil der Mobilitätsanforderungen sinnvoll und erfordert einen deutlichen Ausbau erneuerbarer Energien, um die notwendige ökologische Wirkung zu entfalten. Was also tun? Ich habe den Eindruck, dass es noch nie so unbefriedigend war, ein neues Auto zu kaufen. Es ist problematisch, dass die Entscheidung zum Autokauf ihre Emotionalität verliert und auf die Betrachtung des Grundnutzens reduziert wird. 
 
Welche Produktentwicklungen planen Sie für dieses Jahr? 

Kegel: Wir planen vor allem Innovationen im Bereich „Connectivity“ und im Bereich “Sensorik 4.0“. Jeder neue Sensor wird mit einer digitalen Schnittstelle und mit einer Softwareumgebung, die auch die individuelle I4.0-Verwaltungsschale enthält, ausgestattet und können mit unseren Bausteinen in die I4.0 Netze integriert werden. Herausragend sind sicher die neuen 2D- und 3D-LiDAR Sensoren, aber auch die Gemeinschaftsentwicklung APL - Advanced Physical Layer - und unsere neueste Generation Zone 1-fähige Smartphones.

Moxa: “Zweistellig wachsen und den Umsatz verdoppeln“

Jens Holzhammer, Geschäftsführer Moxa Europe

© Moxa

Mit der kürzlich abgeschlossenen Mitgliedschaft im VDMA hat Moxa seine Zugehörigkeit zum Maschinenbau und der Fabrikautomatisierung bekräftigt. Welche Weichen nun für das Jahr 2020 gestellt werden, beschreibt Geschäftsführer Jens Holzhammer.

Der ZVEI rechnet gegebenenfalls mit einem Nullwachstum für 2020. Welche Prognose geben Sie ab?

Holzhammer: Wir sehen 2020 entspannt entgegen, da wir ausgezeichnet für die aktuellen Themen und Trends gerüstet sind, die die Industrie bewegen - sei es auf Produktentwicklungsseite, als auch personell. Insofern werden wir unsere Tradition weiterführen: wir wollen in den nächsten fünf Jahren - wie auch in der Vergangenheit - zweistellig wachsen und unseren Umsatz verdoppeln.

Wo liegt für Sie die größte Herausforderung 2020?

Holzhammer: Wir haben ein breit gefächertes Produktportfolio, in dem wir uns weiter entwickeln wollen. Dazu gehören Themen wie 5G oder die Erweiterung der IPC-Plattformen. Generell haben wir den Anspruch, einer der Technologieführer zu sein, insbesondere in den Bereichen Cybersecurity und IIoT. Ab 2020 werden wir unsere Geschäftsbereiche neu gliedern, um produktseitig Synergie-Effekte besser zu nutzen. Beispielsweise werden wir alle unsere drahtlosen und drahtgebundenen Switches in einer Geschäftseinheit zusammenfassen. Die Themen für die Zukunft stehen also fest, und wir haben das nötige Produktsortiment; jetzt müssen wir das Wachstum auf die Straße bringen.

Welche Produktentwicklungen planen Sie für dieses Jahr?

Holzhammer: Wir beschäftigen uns derzeit sehr intensiv damit, welche Auswirkungen 5G auf unsere Produkte und Lösungen haben wird. Wir experimentieren bereits mit Prototypen wie zum Beispiel 5G-fähigen Gateways. Darüber hinaus erweitern wir unser Angebot an IIoT- und Cybersecurity-Komponenten sowie IPCs. Dabei arbeiten wir neben Trend Micro (in unserem Joint Venture TXone) eng mit Microsoft zusammen.

Spectra: “Große Vielfalt in kürzester Zeit mit höchster Qualität“

Klaus Rottmayr, Mitglied der Geschäftsleitung der Spectra GmbH & Co. KG

© Spectra

Die weltwirtschaftliche Lage zeigte sich in den vergangenen Monaten als unvorhersehbar. Wie man trotzdem erfolgreich am Markt agiert, darüber spricht Spectra-Geschäftsführer Klaus Rottmayr.

Der ZVEI rechnet gegebenenfalls mit einem Nullwachstum für 2020. Welche Prognose geben Sie ab?

Rottmayr: Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie geht bei dieser Aussage von einem Branchendurchschnitt aus. Diese Prognose ist wahrscheinlich richtig, wenn man die Unsicherheiten betrachtet, die die allgemeine wirtschaftliche Lage seit geraumer Zeit beeinflussen.
Wir hingegen gehen von einem leichten Wachstum für die Spectra aus. Das begründen wir darin, dass wir in einigen Wachstumsmärkten gut vertreten sind. Hierbei sind zum Beispiel die „Industrielle Bildverarbeitung“ und das „Edge Computing“ mit dem Hype-Thema »Künstliche Intelligenz« zu nennen. Für diese Anwendungen sind spezielle und individuelle Computersysteme notwendig. Und genau das ist die Kernkompetenz der Spectra.

Wo liegt für Sie die größte Herausforderung 2020?

Rottmayr: Für uns gibt es im Wesentlichen zwei große Herausforderungen, deren wir uns aber im Wesentlichen jedes Jahr auf das Neue stellen.
Auf der einen Seite müssen wir möglichst schnell und gut auf unvorhergesehene Störeinflüsse die wirtschaftliche Lage betreffend reagieren. Und genau das wird immer schwieriger, da solche Störeinflüsse immer häufiger auftreten.
Auf der anderen Seite nehmen wir die zweite Herausforderung »Die Anforderungen unserer Kunden bestmöglich zu erfüllen« gerne an. Hierbei besteht die Aufgabe darin, die große Vielfalt in kürzester Zeit mit höchster Qualität bereitzustellen.

Welche Produktentwicklungen planen Sie für dieses Jahr?

Rottmayr: Neben den permanenten Produktweiterentwicklungen werden wir dieses Jahr unser Angebot speziell im Bereich ‘Panel PC System’ um eine Serie an ‘Web Clients’ und im Bereich ‘Kommunikation’ um neue Produkte für kabellose Datenübertragung wie zum Beispiel LoRa und NB-IoT erweitern. Zusätzlich sind neue Computersysteme basierend auf AMD und speziell für die Bildverarbeitung und KI-Anwendungen geplant.

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