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Artikel und Hintergründe zum Thema

Siemens Q1/2023

Mit Unterlagen von dpa | Andrea Gillhuber,

Siemens erhöht Prognose

Ein guter Start in das neue Geschäftsjahr lässt Siemens zuversichtlich auf das kommende Geschäftsjahr blicken: Der Konzern erhöht seine Prognose.

© Sven Hoppe/dpa

Siemens wird nach einem starken Start in das neue Geschäftsjahr optimistischer. Sowohl Umsatz als auch Gewinn sollen 2022/23 (per Ende September) noch etwas stärker steigen als geplant. Im ersten Geschäftsquartal schnitt Siemens besser ab als erwartet. Die Digitalisierungsgeschäfte konnten Schwächen in der Zugsparte sowie bei der Medizintechniktochter Siemens Healthineers mehr als ausgleichen.

Der Umsatz soll 2022/23 auf vergleichbarer Basis – also ohne Effekte aus Zu- und Verkäufen sowie Währungsumrechnungen – jetzt um 7 bis 10 % zulegen, wie das im Dax notierte Unternehmen überraschend bereits am Mittwochabend in München vor der Hauptversammlung am Donnerstag mitteilte. Die Spanne wurde damit an beiden Enden um je einen Prozentpunkt erhöht. Für die beiden Sparten Digital Industries und Smart Infrastructure erhöhte Siemens die Erwartungen für Umsatzwachstum und Profitabilität.

Im ersten Quartal profitierte der Konzern von einer stärker als angenommenen Entwicklung im Geschäft mit intelligenter Infrastruktur. Die Digitalisierungssparte konnte weiter mit einem starken Automatisierungsgeschäft punkten. Schwächen in der Zugsparte, die unter anhaltenden Lieferverzögerungen litt und bei Siemens Healthineers, bei denen die in der Vergangenheit hohe Nachfrage nach Corona-Schnelltests nun so gut wie wegfiel, konnten dabei mehr als ausgeglichen werden.

Konzernumsatz um 10 % gesteigert

Siemens steigerte den Konzernumsatz um 10 % auf knapp 18,1 Milliarden Euro. Das vergleichbare Wachstum lag bei 8 %. Das Ergebnis der Industriegeschäfte nahm um 9 % auf knapp 2,7 Milliarden Euro zu. Analysten hatten zuvor mit einem operativen Ergebnis in etwa auf Vorjahresniveau gerechnet. Nach Steuern sank der Gewinn hingegen auf rund 1,6 Milliarden Euro. Hier wirkte sich unter anderem ein höherer Verlust bei Siemens Energy negativ aus. Zudem hatte Siemens im Vorjahresquartal von einem Sondergewinn profitiert.

 

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Kleiner Wermutstropfen war der um 7 % auf 22,6 Milliarden Euro gesunkene Auftragseingang. Allerdings hatte Siemens im vergangenen Jahr stark von vorgezogenen Bestellungen vor allem in der Digitalisierungssparte sowie Großaufträgen bei Siemens Mobility profitiert. Analysten hatten hier ebenfalls mit weniger gerechnet.

»Mit 2,7 Milliarden Euro Ergebnis im industriellen Geschäft ist uns der bislang stärkste Start in ein neues Geschäftsjahr geglückt«, kommentierte Konzernchef Roland Busch die Zahlen. Die Erhöhung der Prognose erfolgte dem Manager zufolge auch mit Blick auf den Rekordauftragsbestand von 102 Milliarden Euro. 

Die Sparten im Überblick

Digital Industries

»Mit einem eindrucksvollen Plus von 23 % sticht das Automatisierungsgeschäft von Digital Industries wieder einmal heraus. Auch gegenüber dem Wettbewerb. Wir haben weiter Marktanteile gewonnen«, so Busch. Das Ergebnis des industriellen Geschäfts betrug 2,7 Milliarden Euro ist laut Busch für das erste Quartal »ein Rekordwert«. Allerdings fällt der Auftragseingang in den Automatisierungsgeschäften hinter dem hohen Niveau im Q1/2022 zurück.

Der Anstieg des Auftragseingangs im Softwaregeschäft war maßgeblich auf größere Aufträge im Softwaregeschäft des Produktlebenszyklusmanagements zurückzuführen. Umsatzerlöse im Softwaregeschäft sanken aber aufgrund des geringeren Volumens aus größeren Aufträgen im Electronic-Design-Automation-Geschäft. Das Ergebnis im Softwaregeschäft sank aufgrund niedrigerer Umsatzerlöse sowie höherer Aufwendungen für cloudbasierte Aktivitäten, einschließlich Auswirkungen aus der Umstellung auf Software as a Service (SaaS).

Sowohl das Ergebnis als auch die Profitabilität stiegen in allen Automatisierungsgeschäften und wurden durch höhere Kapazitätsauslastung ebenso unterstützt wie durch eine günstigere Zusammensetzung der Geschäfte bei verbesserter Komponentenverfügbarkeit für hochmargige Produkte. Das Book-to-Bill-Verhältnis für Digital Industries lag bei 1,24.

Digital Industries geht nun davon aus, im Geschäftsjahr 2023 ein Umsatzerlöswachstum auf vergleichbarer Basis zwischen 12 und 15 % (zuvor 10 und 13 %) zu erreichen. Die Ergebnismarge wird nun zwischen 20 und 22 % (zuvor 19 und 22 %) erwartet.

Smart Infrastructure

Der Auftragseingang der Sparte Smart Infrastructure stieg in allen Geschäften. Vor allem ein starkes Wachstum im Electrification-Geschäft aufgrund einer Reihe größerer Aufträge, unter anderem aus der Halbleiterindustrie, trugen zum Wachstum bei. Auch die Umsatzerlöse wuchsen in allen Geschäften, die stärksten Beiträge kamen bei anhaltenden Zunahmen bei Rechenzentren aus dem Electrical-Products- und dem Electrification-Geschäft. Höheres Volumen und Kapazitätsauslastungen sorgen ebenso für gestiegenes Ergebnis und wachsende Profitabilität wie positive Währungseffekte sowie wegen Kosteneinsparungen aus bisheriger Umsetzung des fortlaufenden Programms zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, so Siemens.

Smart Infrastructure erwartet nun im Geschäftsjahr 2023 ein Umsatzerlöswachstum auf vergleichbarer Basis zwischen 9 und 12% (zuvor 8 und 11 %) und eine Ergebnismarge in einer Bandbreite von 13,5 bis 14,5 % (zuvor 13 bis 14 %).

Mobility

In der Sparte Mobility sorgen eine Reihe von Großaufträgen für einen guten Auftragseingang. Dazu zählen unter anderem ein 0,9-Mrd.-Euro-Auftrag für ein schlüsselfertiges Metrosystem in Australien sowie Aufträge für Lokomotiven im Wert von insgesamt rund 300 Mio Euro in Europa. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Q1/2022) fällt er aber zurück; der Konzern betonte allerdings, dass das erste Quartal 2022 den höchsten jemals in einem Quartal erzielten Auftragseingang verbuchte.

Die Umsatzerlöse stiegen in den meisten Geschäften, angeführt von prozentual zweistelligem Wachstum im Bahninfrastrukturgeschäft. Sowohl Ergebnis als auch Profitabilität werden weiterhin durch Lieferverzögerungen bei bezogenen Materialien und Bauteilen sowie ungünstigere Zusammensetzung der Geschäfte beeinträchtigt. Laut Siemens wurden diese Effekte durch positive Wirkungen vorwiegend aus Verkauf von zuvor abgeschriebenen Vorräten weitgehend ausgeglichen.

Mobility beabsichtigt weiterhin, im Geschäftsjahr 2023 ein Umsatzerlöswachstum auf vergleichbarer Basis zwischen 6 und 9 % und eine Ergebnismarge zwischen 8 und 10 % zu erzielen.

Healthineers

Siemens Healthineers spürt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum den starken Rückgang bei Corona-Antigen-Schnelltests im Diagnostics-Geschäft sowie niedrigere Umsatzerlöse aus Tests für Routineuntersuchungen in China vor Ende der dortigen Lockdowns spät im Quartal. Dem gegenüber steht ein deutlicher Anstieg der Umsatzerlöse im Imaging-Geschäft. Trotz der höheren Ergebnisbeiträge der Imaging- und Varian-Geschäfte verzeichnet die Sparte insgesamt einen Rückgang von Ergebnis und Profitabilität. Wie schon erwähnt ist dieser Rückgang vor allem aufgrund rückläufiger Umsatzerlöse im Diagnostics-Geschäft zurückzuführen, das zudem Belastungen in Zusammenhang mit seinem Transformationsprogramm verzeichnete, sowie aufgrund von Kostensteigerungen, insbesondere bei Beschaffung und Logistik.

Portfolio Companies

Im Bereich Portfolio Companies meldet Siemens ein Wachstum des Auftragseingangs. Angeführt wird dieser vom Flughafenlogistikgeschäft von Siemens Logistics, das ein höheres Volumen aus Großaufträgen im Vergleich zum Q1/2022 verzeichnete. Den stärksten Beitrag zum breiten Umsatzerlösanstieg leistete Large Drive Applications. Der Verkauf des Brief- und Paketabwicklungsgeschäfts von Siemens Logistics zu Beginn des vierten Quartals 2022 hielt Zuwächse bei Auftragseingang und Umsatzerlösen durch Portfolioeffekte von 16 beziehungsweise 18 Prozentpunkten zurück.

Portfolio Companies verzeichnete einen Gewinn von 140 Mio. Euro aus dem erfolgreichen Verkauf des Commercial-Vehicles-Geschäfts, welcher im November 2022 abgeschlossen.

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