Phoenix Contact
PLCnext Technology - das 'Ökosystem' wird rund
Eine neue Steuerung sowie ein neuer Software-Store: Mit diesen Bausteinen baut Phoenix Contact das Ökosystem 'PLCnext Technology' weiter aus.
Zur SPS IPC Drives 2016 stellte Phoenix Contact den Messebesuchern erstmals seine Vision von der Steuerungstechnik der Zukunft vor. Das Neue an ‚PLCnext Technology‘: Offenheit und ein Plattformgedanke, anstelle einer geschlossenen, klassischen SPS. Das bedeutet unter anderem: Funktionen nach IEC 61131-3, Routinen von C/C++, C# oder Matlab Simulink lassen sich bei diesem Steuerungskonzept flexibel und wahlfrei miteinander kombinieren, wobei die ausgetauschten Daten stets synchronisiert den unterschiedlichen Anwendungen zur Verfügung stehen. Zusätzlich lassen sich Open Source Software und Apps einbinden. Alle auf der Steuerungsplattform laufenden Programme tauschen untereinander und mit den Kommunikationsinterfaces Informationen über eine gemeinsame Applikationsschicht aus.
Zur Messe 2017 folgte dann mit der PLCnext Control ‚AXC F 2152‘ die erste Industriesteuerung basierend auf der PLCnext-Technology: Dabei handelt es sich um einen Controller, der modular durch I/O-Module der Axioline-F-Familie von Phoenix Contact erweiterbar ist. Die SPS war mit seinem 2 x 800 MHz ARM-Prozessor zunächst vor allem auf den Markt der dezentralen, modularen Steuerungen für kleine und mittlere Applikationen gerichtet. Für Anwender, die mehr Rechenleistung benötigen, legen die Blomberger nun nach und stellen mit dem ‚RFC 4072S‘ zur Messe eine Hochleistungssteuerung mit integrierter Sicherheits-SPS vor, die auf einem Intel i5 Dual Core-Prozessor basiert und einem Arbeitsspeicher von 4 GByte bereitstellt. Die sicherheitsrelevanten Berechnungen werden dabei von zwei unabhängigen und auf unterschiedlichen Architekturen basierenden CPUs ausgeführt. Der RFC 4072S lässt sich in Profinet- und Profisafe-Systemen verwenden. Dafür nutzt er das aktuelle Profisafe-Profil 2.61. Die sicherheitsgerichtete Steuerung fungiert im Profisafe-Netzwerk als F-Host und kann bis zu 300 unterlagerte F-Devices in Betrieb nehmen.
Da Safety integraler Bestanteil des RFC 4072S ist, zielt Phoenix Contact mit dieser Steuerung zunächst primär auf sicherheitsgerichtete Applikationen. Doch was, wenn Safety nicht benötigt wird? „Für diese Kunden werden wir im nächsten Jahr eine weitere PLCnext Control SPS - wiederum im modularen Axioline-Formfaktor - vorstellen, die leistungsmäßig etwas unter dem RFC 4072S angesiedelt ist und bei der sich Safety bei Bedarf modular anreihen, beziehungsweise ergänzen lässt“, stellt Ulrich Leidecker, Geschäftsführer Business Area IMA bei Phoenix Contact, in Aussicht.
Ein Software-Marktplatz für Alle!
Das eigentliche Highlight der Blomberger auf der diesjährigen SPS IPC Drives ist jedoch der ‚PLCnext Store‘, der pünktlich zur Messe live geschaltet wurde. Dieser soll künftig die zentrale Plattform für Software-Bausteine und Lösungen rund um die PLCnext Technology sein – und zwar nicht nur für Software von Phoenix Contact selbst. Leidecker hierzu: „Wir wollen den Store genauso öffnen wie die Technologie hinter PLCnext an sich! Mit anderen Worten: Wir schaffen eine Handelsplattform, über die auch andere Unternehmen ihre Software für PLCnext Technology zur Verfügung stellen können.“ Dabei könne es sich zum Beispiel um IEC 61131-Bibliotheken handeln, die sich in das Engineeringsystem PLCnext Engineer von Phoenix Contact integrieren lassen. Oder auch um fertig programmierte Software-Lösungen – etwa für eine Pumpenapplikation -, die der Anwender über den Store direkt auf die Steuerung herunter laden kann.
Dass es Phoenix Contact mit dem Thema Offenheit durchaus ernst ist, soll eine weitere Ankündigung unterstreichen: In Zukunft werde man unter anderem mit 3S-Smart Software Solutions zusammenarbeiten – sprich neben der eigenen IEC 61131-Laufzeitumgebung auch die Codesys-Runtime von 3S mit in den Store aufnehmen. Diese Runtime könne dann einfach als App auf eine PLCnext Control nachinstalliert werden. Weitere Runtimes – zum Beispiel Java – sollen folgen.
Auf die Frage, zu welchen Konditionen Drittanbieter ihre Software in den Marktplatz einstellen können, antwortet Leidecker: „Hier werden wir nach und nach verschiedene Business-Modelle anbieten. Zu Beginn wird es so sein, dass die Anwender pro Gerät eine Lizenz von der entsprechenden Software-App erwerben müssen. Dem Anbieter der Software wird ein Teil des Umsatzes für die Bereitstellung und Nutzung der Plattform berechnet. Den Preis der jeweiligen App bestimmt der App-Anbieter. Im übrigen haben wir das Herunterladen der App vom Kauf der Lizenz entkoppelt. Das heißt: Der Anwender kann zunächst die App herunterladen sowie im Demo-Modus testen und den Kaufprozess dann nachgelagert anstoßen – im ersten Schritt zum Beispiel per Kreditkarte.“ Weitere Bezahlmodelle sollen sukzessive folgen.
Fehlt noch ein letzter Aspekt, der das Ökosystem PLCnext Technology abrundet: das Thema Cloud-Anbindung. Standardmäßig hat jede PLCnext-Steuerung eine Konnektivität in die ‚Proficloud‘ an Bord. Allerdings gelte auch hier der Anspruch Offenheit: „Auf der Steuerung wird man verschiedene ‚Cloud-Agents‘ installieren können, die dann zum Beispiel auch eine Verbindung in die Siemens MindSphere, Microsoft Azure oder AWS herstellen können“, so Leidecker.













