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Artikel und Hintergründe zum Thema

Siemens

Günter Herkommer,

Das 2. Quartal 2014 - die Vision 2020

Siemens-Chef Joe Kaeser hat am 7. Mai die Zahlen für das 2. Quartal des laufenden Geschäftsjahres bekannt gegeben und zugleich den Umbau des Konzerns erläutert. Die Ebene der Sektoren – darunter der bisherige Sektor Industry – wird zum 1. Oktober 2014 abgeschafft.

Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens: "Das zweite Quartal hat gezeigt, dass wir in der Verbesserung der operativen Performance noch viel zu tun haben. Dennoch sind wir auf Kurs."

© Siemens

Das zweite Quartal des Geschäftsjahrs 2014 verlief Kaeser zufolge für Siemens "durchwachsen". Zwar stieg der Gewinn nach Steuern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich an – und zwar um zwölf Prozent auf 1,2 Milliarden Euro; Auftragsentwicklung und Umsatzwachstum sanken jedoch aufgrund des starken Euros.

Konkret lagen die Umsatzerlöse im zweiten Quartal mit 17,45 Mrd. Euro um 2 % unter dem Vorjahreswert (17,78 Mrd. Euro). Der Auftragseingang ging im Wesentlichen aufgrund eines geringeren Volumens aus Großaufträgen um 13 % auf 18,43 Mrd. Euro (Vorjahr: 21,23 Mrd. Euro) zurück. Der Auftragsbestand (definiert als die Summe des Auftragsbestands der Sektoren) erreichte einen Rekordwert von 103 Mrd. €.

Der Sektor Industry im Detail

Das Ergebnis des Sektors Industry lag mit 456 Millionen Euro fast ein Drittel über dem Vorjahreswert. Die Umsatzerlöse lagen im zweiten Quartal um 1 % über dem Vorjahreswert und der Auftragseingang stieg im Vorjahresvergleich um 9 %, mit einem höheren Volumen aus Großaufträgen. Negative Währungsumrechnungseffekte drückten Siemens zufolge das Auftragswachstum um vier Prozentpunkte und die Entwicklung der Umsatzerlöse um drei Prozentpunkte.

Das Ergebnis der Sparte 'Industry Automation' stieg im zweiten Quartal um 61 % auf 316 Mio. Euro, zum Teil wegen einer verbesserten Kapazitätsauslastung aufgrund höherer Umsatzerlöse und einer günstigeren Zusammensetzung der verkauften Produkte. Die Umsatzerlöse von Industry Automation stiegen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 3 % auf 2 Mrd. Euro, mit prozentual zweistelligen Zuwächsen in Asien, Australien, einschließlich der oben erwähnten Aufstockung der Lagerbestände der Kunden in China. Der Auftragseingang legte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8 % auf 2,17 Mrd. Euro zu, da ein prozentual zweistelliges Wachstum in Asien, Australien sowie in Europa/GANO einen Rückgang in Amerika überwog.

Das Ergebnis von Drive Technologies belief sich im zweiten Quartal auf 210 Mio. Euro – ein Plus gegenüber dem Vorjahresquartal von 42 %. Der Ergebnisanstieg sei hauptsächlich auf die niedrige Vergleichsbasis im Jahr zuvor zurückzuführen, als die Division den Großteil der Belastungen des Sektors in Verbindung mit dem Programm 'Siemens 2014' getragen hatte. Der Umsatz legte um 1 % auf 2,2 Mrd. Euro zu, der Auftragseingang sogar um 11 % auf 2,47 Mrd. Euro.

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Die Vision 2020 – die neuen Divisionen

Wie Joe Kaeser im Rahmen der Pressekonferenz zum 2. Quartal 2014 erläuterte, wird sich Siemens künftig entlang der Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung aufstellen. In diesen Wertschöpfungsketten hat der Konzern mehrere Wachstumsfelder identifiziert, in denen er für sich langfristig die größten Potenziale sieht.

In der Elektrifizierung und Automatisierung gehören zu den Wachstumsfeldern zum Beispiel die Märkte für kleine Gasturbinen sowie Offshore-Windanlagen, die von der steigenden Nachfrage nach sicherer und nachhaltiger Stromversorgung profitieren. Weiterhin soll generell der Markt der Prozessindustrie noch stärker ausgeschöpft werden. Attraktive Wachstumspotenziale sieht der Konzern auch bei der Förderung von unkonventionellem Öl und Gas. Nicht zuletzt will Siemens das Potenzial der zunehmenden Digitalisierung nicht nur in der Fertigung voll ausschöpfen. Die Digitale Fabrik eröffne dank Software und Simulationen die Möglichkeit zu deutlich schnelleren und effizienteren Produktentwicklungen. Datengetriebenen Services, Software und IT-Lösungen komme demzufolge eine entscheidende Bedeutung zu.

Um in diesen Wachstumsfeldern das Marktpotenzial voll auszuschöpfen, ändert Siemens seine Organisationsstruktur. Zur Verschlankung der Struktur soll zum ersten Oktober 2014 die Ebene der Sektoren abgeschafft und das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen gebündelt werden. Das Healthcare-Geschäft wird zudem künftig eigenständig geführt. Mit der Bündelung der Divisionen und der Auflösung der Sektoren sollen Bürokratie abgebaut, Kosten gesenkt und Entscheidungen innerhalb des Unternehmens beschleunigt werden. Zudem sollen die Querschnittsfunktionen des Unternehmens wie beispielsweise das Personalwesen und die Kommunikation künftig gestrafft und zentral geführt werden. Diese Maßnahmen sollen in Summe zu einer zusätzlichen Produktivität von rund einer Milliarde Euro führen. Die volle Maßnahmenwirksamkeit soll bis zum Ende des Geschäftsjahrs 2016 erreicht werden.

Die neuen Divisionen sind:

  • Power and Gas
  • Wind Power and Renewables
  • Energy Management
  • Building Technologies
  • Mobility
  • Digital Factory
  • Process Industries and Drives
  • Healthcare
  • Financial Services

Das „neue“ Industrie-Geschäft von Siemens

Was bei Siemens bisher den Sektor Industry ausgemacht hat, findet sich künftig insbesondere in den neuen Divisionen 'Digital Factory' und 'Process Industries and Drives'.

Die Digital Factory Division will die Zukunft der Fertigung durch das Zusammenbringen von realer und digitaler Welt bei Design, Produktion und Service gestalten. Die Division bündelt spezialisierte Lösungen und Technologien für Automatisierungstechnik, industrielle Schalttechnik und Industrie-Software (PLM) unter einem Dach. Der Umsatz beläuft sich auf rund neun Milliarden Euro. Sie wird von Anton Huber geführt, der bisher die Division Industry Automation leitet.

Die Division Process Industries and Drives bietet Produkte, Systeme, Applikationen und Lösungen für integrierte Antriebstechnik und -systeme. Hier erwartet sich Siemens Wachstumsimpulse durch die Fokussierung auf stark wachsende Kernbranchen wie Öl und Gas, Nahrung und Genussmittel, Chemie und Pharma. Der Umsatz der Division beläuft sich auf rund elf Milliarden Euro. CEO wird Peter Herweck, der derzeit für das Unternehmensprojekt Prozessindustrie bei Siemens verantwortlich ist.

Geändertes Führungsteam benannt

Im Zuge der Neuaufstellung hat Siemens auch sein Führungsteam umstrukturiert. Zum 1. August wurde Lisa Davis, derzeit Executive Vice President Strategie, Portfolio und Alternative Energien, Royal Dutch Shell, zum Mitglied des Vorstands ernannt. Lisa Davis wird dort für die Divisionen Power and Gas, Wind Power and Renewables und Power Generation Services sowie für die Regionen Nord- und Südamerika zuständig sein. Ihr Ressort wird sie aus den USA führen. Michael Süß scheidet mit sofortiger Wirkung aus persönlichen Gründen einvernehmlich aus dem Vorstand aus. Bis Lisa Davis ihr Vorstandsressort übernimmt, wird die Sektorleitung kommissarisch von Randy Zwirn übernommen und im Vorstand von Klaus Helmrich vertreten.

Im Weiteren gibt es mit Wirkung zum 1. Oktober 2014 eine Reihe von Änderungen in der Geschäftsverteilung im Vorstand. Klaus Helmrich und Siegfried Russwurm wechseln ihre Ressortzuständigkeiten: Siegfried Russwurm wird neuer Chief Technology Officer und Arbeitsdirektor des Konzerns und zuständig für die Regionen Middle East und Russland/GUS. Klaus Helmrich ist künftig zuständig für die beiden Divisionen Digital Factory und Process Industries and Drives sowie die Regionen Europa und Afrika. Roland Busch verantwortet die Division Building Technologies und die neu geschnittenen Divisionen Mobility und Energy Management sowie unverändert die Region Asien/Australien. Ralf P. Thomas übernimmt zusätzlich zu seiner Funktion als CFO auch die Einheit Corporate Services.

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