Sensoren
Opto-Sensor mutiert zum Rundum-Scanner
Opto-Sensoren basieren meist auf geometrischen Messverfahren wie der Triangulation. Bei kurzen Messdistanzen können damit auch sehr gute Ergebnisse erzielt werden, bei großen Entfernungen bläht das Verfahren die Sensoren auf. Um einiges kompakter sind Geräte auf Basis der Pulslaufzeitmessung PRT. Auf einer Welle montiert, kann die Puls-Ranging-Technologie noch ganz andere Aufgaben übernehmen.
Anders als beispielsweise Ultraschall-Sensoren nutzen Opto-Sensoren für die Industrieautomatisierung nicht die Pulslaufzeitmessung, sondern geometrische Verfahren wie die Triangulation zur Abstandsbestimmung. Der Grund: wegen der hohen Lichtgeschwindigkeit wäre sehr anspruchsvolle und aufwendige Hochfrequenz-Schaltungstechnik notwendig. Bei kurzen Distanzen sind auch per Triangulation optimale Mess-Ergebnisse bei moderaten Kosten zu erzielen; über 500 mm werden die Geräte allerdings aufgrund des notwendigen Abstands (Basisweite) zwischen Sender und Empfänger unverhältnismäßig groß.
Sehr viel kompaktere Geräte lassen sich deshalb nur durch die direkte Messung der Lichtlaufzeit vom Sender zum Objekt und wieder zurück zum Empfänger realisieren. Diese Verfahren sind grundsätzlich in der Messtechnik seit vielen Jahren bekannt, jedoch für die Verwendung in Standard-Lichtschranken meist zu teuer. Daher kommt bei industrieller Sensorik seit rund 20 Jahren primär die Phasenkorrelation zur Lichtlaufzeitmessung zum Einsatz. Bei diesem Messprinzip wird das Licht amplitudenmoduliert ausgesendet und die Phasenverschiebung zwischen Empfangs- und Sendesignal gemessen. Diese Methode ist zu moderaten Kosten leicht zu implementieren, hat jedoch ebenfalls Nachteile: Die Mess-Ergebnisse sind nicht eindeutig, da Entfernungen zum Objekt mit dem Vielfachen der Modulationsfrequenz zu identischen Phasenlagen führen. Überdies lassen sich die Echos von mehreren Objekten im Signalweg nicht unterscheiden, was zu Mischphasen führt, die keine sichere Abstandsmessung zulassen.
Prinzip der PRT Technologie: Bei der Pulse-Range-Technologie wird die Laufzeit des Lichtpulses mit einem innovativen Verfahren gemessen.
© Pepperl+FuchsIdeal wäre, unmittelbar die Zeit zu messen, die ein sehr kurzer, möglichst steilflankiger Lichtpuls für den Weg vom Sender bis zum Zielobjekt und von dort reflektiert wieder zum Empfänger zurück benötigt. Allerdings gestaltet sich die Umsetzung als sehr schwierig: Derart kurze und steilflankige Impulse sind nur mit umfangreicher und teurer Schaltungstechnik realisierbar. Zudem stellt die präzise Messung der kurzen Lichtlaufzeiten eine Herausforderung dar. Beispielsweise entspricht der Abstand zwischen Sensor und Objekt von 1 m einer Laufzeit von 6,6 ns.
Darüber hinaus ist die Bestimmung der Triggerflanke für das Empfangssignal ungenau, da selbst ein ideal steiler Sende-Impuls den Empfänger verwischt erreicht. Verantwortlich dafür sind die Entfernung – die Leistung des Impulses nimmt mit der Entfernung deutlich ab –, die Reflektivität des Zielobjekts und die Signallaufzeiten in der Elektronik.
Kalibrierung sorgt für Präzision auf große Entfernung
Gegenüber Triangulations-Sensoren bauen PRT-Sensoren auch bei größeren Messbereichen noch kompakt.
© Pepperl+FuchsSolche Probleme reduziert die Puls-Ranging-Technology (PRT) deutlich: Mittels einer speziellen Auswertung der Start- und Stoppflanken des Sende- und des dazugehörigen Empfangsimpulses wird der Einfluss der Reflektivität des Zielobjekts nahezu vollständig eliminiert. Zudem erzeugen die PRT-Sensoren einen Referenzimpuls, der – über einen internen Lichtleiter zur Empfänger-Diode übertragen – eine permanente Kalibrierung ermöglicht und somit für eine hohe Genauigkeit sorgt. Die Kalibrierung erlaubt den Einsatz relativ preiswerter Laserdioden mit dennoch sehr kurzen energiereichen Sende-Impulsen und einer Wiederholrate von bis zu 250 000 Einzelmessungen pro Sekunde. Aufgrund der hohen Messfrequenz mit ihren vielen Einzelmessungen ist eine optimale statistische Mittelung der Abstandswerte möglich. Durch statistische Mittelung erreichen PRT-Sensoren für Anwendungen im Bereich Regalbediengeräte eine Messwertgenauigkeit von ±2,5 mm absoluter Genauigkeit bei eine Messreichweite bis zu 150 m. Trotzdem bleibt die Reaktionszeit des Sensors mit 3 ms akzeptabel.
Flexible Umsetzung in der Praxis: Auf eine schnell drehende Welle montiert, wird aus dem PRT-Sensor (links) ein 360°-Scanner wie der R2000.
© Pepperl+FuchsBeschränkt man die Reichweite auf etwa 50 m bis zum Reflektor und akzeptiert eine höhere Ungenauigkeit, ist es grundsätzlich möglich, auf relativ aufwendige Komponenten wie die Glasfaser für das Referenzsignal zu verzichten. Dann lassen sich PRT-Sensoren konstruieren, welche die komplette Messtechnik in einem Standard-Lichtschrankengehäuse mit etwa 90 mm × 50 mm × 25 mm (H×B×T) integrieren und dennoch bei Reichweiten von 15 m eine absolute Genauigkeit von ±25 mm sowie eine Reproduzierbarkeit von 5 mm erreichen.
Zudem können über die Auswertung der Echopulse Störziele, das sind beispielsweise größere Staubpartikel in der Luft, sehr effektiv ausgeblendet werden, was mit anderen optischen Verfahren fast nicht möglich ist. Damit eignet sich das PRT-Verfahren neben analogen, messenden Opto-Sensoren prinzipiell auch für schaltende Sensoren.
Von der Punktmessung zum 2D-Bild
Anwendungs-Szenarien: Durch die hohe Reichweite und Winkelauflösung – horizontal: 2 mm bei 2 m Arbeitsabstand – eignet sich der Laser-Scanner für die automatische Navigation von autonomen Fahrzeugen.
© Pepperl+FuchsEine weitere Stärke des Messprinzips liegt in den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, beispielsweise in dem 360°-Scanner R2000 für die 2D-Entfernungsmessung. Dazu wurde der klassische Aufbau einer Lichtschranke – Sender, Empfänger und Linsensystem – auf eine rotierende Achse gesetzt.
Durch die Verwendung eines Hohlspiegels zur Strahlfokussierung anstatt eines klassischen Linsensystems lassen sich Rotlicht-Laser wie auch Infrarot-Laser ohne neue Auslegung der Optik nutzen. Wird eine sehr hohe Reichweite gefordert, wäre Infrarot-Licht sinnvoll; Sensoren mit Rotlicht lassen sich wiederum leichter justieren. Somit gibt es in dieser Hinsicht keinerlei Einsatzbeschränkungen.
Zudem wurde auf der Rückseite des Messmoduls eine Spalte mit 24 LEDs angeordnet, die bei schneller Drehung als LED-Display fungiert. Damit kann der Scanner zusätzlich zu seiner Messfunktion auch Texte und kleine Grafiken anzeigen.
Die sicherheitstechnische Überwachung von Räumen ist als Anwendungsszenario ebenso denkbar.
© Pepperl+FuchsUm den Scanner zu realisieren, musste eine berührungslose Daten- und Energie-Übertragung innerhalb des Geräts zwischen dem statischen Rumpf und dem rotierenden Messkopf entwickelt werden. Die Energie-Übertragung erfolgt induktiv und die Datenübertragung über eine optische 100-MBit-Schnittstelle. Darüber lassen sich die kompletten Rohdaten der einzelnen Messungen an den übergeordneten Rechner des Scanners übertragen.
Die Messwert-Verarbeitung erfolgt über zwei FPGAs und einen DSP. Zudem gibt es einen zweiten DSP, der für die Implementierung von kundenspezifischen Algorithmen gedacht ist. Dieser DSP hat ebenfalls Zugriff auf die Rohdaten der PRT-Messungen. Damit kann das Gerät auf die unterschiedlichsten Applikationen mit Hilfe eigens erstellter Software spezialisiert werden.
Autor: Dr.-Ing. Peter Adolphs ist Geschäftsführer Entwicklung & Marketing bei der Firma Pepperl+Fuchs in Mannheim.















