Safety

Alfred Beck, Thomas Schildknecht | Inka Krischke,

Wireless und trotzdem sicher

Seilbahnen und Aufzüge zählen zu den Verkehrsmitteln, bei denen vor allem bei führerlosem Betrieb eine besonders hohe Betriebssicherheit vorausgesetzt wird. Nichtsdestotrotz setzt sich für ihre Steuerung zunehmend die Funktechnik durch.

© Schildknecht

Die Firma Schlotterer in Adnet bei Salzburg ist ein Unternehmen für Sonnenschutzsysteme. Da eine anstehende Betriebserweiterung auf dem Firmengelände nicht möglich war, wurde die Errichtung einer neuen Produktionshalle auf einer steilen Geländestufe oberhalb des bisherigen Firmengebäudes beschlossen. Für die Verbindung zwischen Stammhaus und dem Erwei­terungsbau bot sich eine Lösung per Fahrzeugverkehr oder alternativ mittels einer Schrägförderanlage für den Personen- und Materialtransport an. Die Geschäftsleitung entschied sich für die zweite Alternative – nicht zuletzt wegen der dadurch entfallenden etwa 60 Lkw-Fahrten täglich.

Die Entwicklung und Lieferung der Bahn übernahm die Vorarlberger Firma Reisch Maschinenbau, ein Spezialunternehmen für Sonderlösungen bei Seilbahnen und Maschinen – von Bergefahrzeugen für Kabinenbahnen bis zur Pipeline-Verlegemaschine. Die Anlage bei Schlotterer ist für eine Nutzlast von 2500 kg beziehungsweise maximal 28 Personen oder 2,5 t Material ausgelegt. Der 7 m lange Wagen ist windengezogen und erreicht ein Tempo von maximal 1 m/s. Diese Anlage ist die erste Schrägförderanlage Österreichs, die sowohl zur Personen- als auch zur Mate­rialförderung zugelassen ist.

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Mittels „Dataeagle“ erfolgt die Kommunikation zwischen Steuerung und Kabine drahtlos.

© Schildknecht

Für die Entwicklung und Lieferung der Steuerungstechnik zeichnete die Firma STB aus Egg verantwortlich. Sie setzt eine Sicherheitssteuerung im Sicherheitslevel SIL 3 ein, bestehend aus einem Industrie-PC von Beckhoff mit Sicherheitsklemmen und Feldbus-Kommunikation über Profibus. Die Bedienung der Anlage erfolgt ähnlich wie bei einem Gebäudeaufzug.

Für die Kommunikation zwischen der Steuerung in der Talstation und der mobilen Kabine setzt STB auf eine drahtlose Verbindung – von der eine 100-%ige Verfügbarkeit gefordert ist, da auch sicherheitsrelevante Signale wie Not-Aus, sichere Verriegelungsschalter und andere über diese Funkverbindung zu senden sind. Hier entschied sich STB für das Schildknecht-Funksystem „Dataeagle“. Grundsätzlich übernehmen „Dataeagle“-Module die Funkübertragung von Daten und deren Aus- und Einkopplung an den Enden der Funkstrecken. Die Geräteserie unterstützt eine Vielzahl von Anwendungen, von einfachen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen bis hin zu Netzwerken. Sieben alternativ nutzbare Funktechnologien ermöglichen die Ausrichtung der Funkstrecke auf die vor Ort gegebenen Bedingungen, insbesondere hinsichtlich möglicher Koexistenz-Fälle. Eine patentierte Funkstrecken-Stabilisierung verhindert zusätzlich in allen Varianten, dass durch mögliche Funkstörungen „Feldbus-Fehler“ mit entsprechenden Folge-Effekten generiert werden.

Die Antenne an der Kabinen-Unterseite ermöglicht die Funkverbindung via Bluetooth.

© Schildknecht

Bei der Firma Schlotterer mit einer maximalen Funkstrecke von etwa 80 m zwischen der Steuerung in der Talstation und der an der Bergstation befindlichen Kabine wird Dataeagle in der Variante „DE 3702“ eingesetzt. Die Geräteserie Dataeagle 3xxx ist generell für den Aufbau transparenter Funkstrecken innerhalb von Profibus-Systemen konzipiert. Dabei verhalten sich die Funkstrecken wie ein Profibus-Kabel und können mit 1,5 Mbit/s betrieben werden. Zur Einrichtung der Funkstrecken sind weder im Master noch im Slave spezielle Einstellungen erforderlich. Bei Schlotterer kommt als Funktechnologie Bluetooth mit einer Sendeleistung von 100 mW zum Einsatz. Durch das Verfahren des „Frequenz-Hopping“ eignet sich Bluetooth als robuste Funktechnologie spe­ziell für mobile Anwendungen. Das Dataeagle-Modul unterstützt auch die Profisafe-Sicherheitstechnologie und erfüllt so die im Projekt geltenden besonderen Sicherheitsanforderungen. Profisafe ist eine zusätzliche Software-Sicherungsschicht in Profibus-Geräten, deren Mechanismen die Datentelegramme auf mögliche Fehler überprüfen und gegebenenfalls einen Not-Halt veranlassen können. Das Modul erfüllt zudem die höchste Klasse 0 innerhalb der vom ISA-SP-100-Komitee festgelegten sechs Wireless-Anwendungsklassen.

Autoren: Alfred Beck ist Geschäftsführer von STB Steuerungs­technik Beck in Egg, Österreich; Thomas Schildknecht ist Vorstand des Unternehmens Schildknecht in Murr.

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