Interview mit Michael Plankensteiner
KI-gestützte Safety-Entwicklung
Michael Plankensteiner von Neuron Automation erklärt, wie KI künftig Entwickler bei Strukturierung, Normprüfung und Testgenerierung entlastet. Die Kombination aus modularer Safety-Architektur und automatisierten Engineering-Schritten erhöht Konsistenz und verkürzt Projektlaufzeiten.
Was unterscheidet den „Blueprint für integrierte Functional Safety“ konkret von bisherigen Entwicklungsansätzen und wie wird Standardisierung dabei praktisch umgesetzt?
Der „Blueprint für integrierte Functional Safety“ ist ein modularer, vollständig zertifizierter Safety-Baukasten, der Hardware, Firmware und Engineering-Tools umfasst. Im Gegensatz zu bisherigen, meist individuellen Neuentwicklungen basiert unser Ansatz auf wiederverwendbaren Standardbausteinen. Dadurch lässt sich die Entwicklungszeit für sicherheitsgerichtete Systeme drastisch verkürzen – von mehreren Jahren auf weniger als zwölf Monate inklusive Zertifizierung.
Wir setzen dabei auf einheitliche, vorzertifizierte Architekturen und Werkzeuge, die eine einfache Skalierung ermöglichen. Standardisierung wird praktisch umgesetzt, indem ausschließlich zertifizierte Module, Softwarebibliotheken und etablierte Kommunikationsprotokolle wie FSoE (Fail Safe over EtherCAT) zum Einsatz kommen. Das Ergebnis ist ein durchgängiger, reproduzierbarer Entwicklungsprozess, der Sicherheit, Effizienz und Nachvollziehbarkeit vereint.
Wie wird die Sicherheitszertifizierung sichergestellt, wenn Safety-Funktionen künftig ohne spezialisierte Hardware direkt auf beliebigen Controllern laufen?
Unsere Lösung basiert auf einem zertifizierten, rein softwarebasierten Safety-System, das auch auf gängigen Betriebssystemen – etwa Linux – betrieben werden kann. Die sicherheitsgerichtete Logik wird dabei in zwei voneinander diversitär generierten Laufzeitumgebungen ausgeführt, die bis SIL 3 zertifiziert sind. Diese duale Verarbeitung sorgt trotz geringem Footprint für höchste Ausfallsicherheit.
Die Programmierung erfolgt über ein T3-qualifiziertes Engineering-Tool, das den gesamten Entwicklungsprozess normgerecht unterstützt. Zusätzlich integrieren wir hochdiversitäre Softwaremechanismen, die sowohl systematische als auch zufällige Fehler auf nicht-sicherer Standardhardware erkennen. Damit wird Functional Safety unabhängig von spezialisierter Hardware zuverlässig realisierbar.
Welche neuen Funktionen hebt die Version Neuron Power Engineer 3.30 besonders hervor, und wie erleichtert das integrierte Test-Management den Validierungsprozess?
Mit der Version 3.30 haben wir den Neuron Power Engineer deutlich erweitert. Besonders hervorzuheben ist die durchgängige Benutzerverwaltung, die sowohl Sicherheits- als auch Sicherheitsanforderungen (Security und Safety) erfüllt. In größeren Teams können Benutzer unterschiedlichen Rollen zugewiesen und deren Rechte zentral verwaltet werden – das erhöht Effizienz und Nachvollziehbarkeit.
Ein weiterer Vorteil ist der integrierte Projektvergleich: Unterschiede zwischen zwei Projekten oder Versionen werden übersichtlich in einer Side-by-Side-Ansicht dargestellt. Einzelne Projektanteile lassen sich selektiv übernehmen, was die Wiederverwendung bereits geprüfter Anlagenteile erheblich erleichtert.
Mit dem neuen Projektreporting kann zudem ein vollständiger Projektstand als PDF-Dokument exportiert werden – inklusive aller sicherheitsrelevanten Parameter. Diese Funktion reduziert den Aufwand für TÜV-Abnahmen und Dokumentation deutlich. Ergänzend dazu dokumentiert ein spezieller Vergleichsreport Unterschiede zwischen Projektständen automatisch.
Schließlich unterstützt die neue Localization-Funktion die Übersetzung der Benutzeroberfläche und Meldungen in beliebige Sprachen. Das verringert Schulungsaufwände und minimiert Fehler durch Fehlinterpretationen.
Das integrierte Test-Management sorgt zusätzlich für eine deutliche Vereinfachung der Validierung: Tests können innerhalb derselben Entwicklungsumgebung automatisiert ausgeführt und zentral verwaltet werden. So bleibt der gesamte Entwicklungs- und Testprozess durchgängig nachvollziehbar und normkonform.
Wie konkret unterstützt die geplante KI-Funktion im zukünftigen Neuron Smart Engineer Entwickler bei der Erstellung von Safety-Applikationen und Tests?
Die Funktion soll Entwickler bei der Erstellung sicherheitsgerichteter Applikationen entlasten, indem sie Routineaufgaben im Engineering-Prozess automatisiert. Konkret unterstützt sie in Bereichen, in denen heute viel manuelle Arbeit und Normprüfungen erforderlich sind. Das Ziel besteht darin, Entwicklungszeiten zu verkürzen und gleichzeitig die Konsistenz und Nachvollziehbarkeit im Safety-Lifecycle zu erhöhen. Technisch betrachtet bleibt der Entwickler jedoch immer in der Verantwortung: Die KI schlägt strukturierte Inhalte vor, die anschließend geprüft und freigegeben werden müssen.
Wie verändert sich durch den Ansatz „Safety als Commodity“ die Rollenverteilung zwischen Komponentenherstellern, Systemintegratoren und Maschinenbauern?
Der Ansatz „Safety als Commodity“ bedeutet, dass Functional Safety künftig universell und plattformunabhängig verfügbar ist – also nicht mehr an spezielle Hardware oder proprietäre Systeme gebunden. Dadurch können Maschinenbauer und Komponentenhersteller sich stärker auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und Innovationen vorantreiben, anstatt sich mit komplexer Safety-Integration zu beschäftigen.
Systemintegratoren profitieren von standardisierten, sofort einsetzbaren Safety-Modulen, die den Engineering-Aufwand erheblich reduzieren. Für Maschinenbauer bedeutet das: sichere Systeme lassen sich einfacher kombinieren, schneller in Betrieb nehmen und rascher vermarkten.
Letztlich verschiebt sich das Spezialwissen von wenigen Experten hin zu einer breiten Anwendbarkeit. Safety wird damit von einer individuellen Disziplin zu einem selbstverständlichen Bestandteil jeder Automatisierungslösung – genau das verstehen wir unter „Safety als Commodity“.
Neuron Automation auf der SPS 2025: Halle 7 Stand 670











