EN 954-1 / Maschinenrichtlinie
Die Frist läuft ab!
Am 31. Dezember ist es soweit: Dann müssen sich die Maschinen- und Anlagenbauer aller Wahrscheinlichkeit nach endgültig von der alten Safety-Norm EN 954-1 verabschieden. Computer&AUTOMATION befragte Aussteller auf der SPS/IPC/Drives: Wie stellt sich die aktuelle Situation fünf Wochen vor Ablauf der Übergangsfrist dar?
Frank Schmidt: „Die EN ISO 13849-1 hat schon deshalb einen Beitrag zur Maschinensicherheit geleistet, weil sie die Aufmerksamkeit für dieses inzwischen viel diskutierte Thema erhöht hat.“
© SchmersalBereits seit Mitte 2007 ist die EN ISO 13849-1 (Sicherheit von Maschinen – Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen) gültig. Für die Vorgängernorm EN 954-1 besteht seither eine „Konformitätsvermutung“, die jedoch am 31. Dezember erlischt. Mit dieser mehrjährigen Übergangsfrist wollte die zuständige EU-Kommission den Betroffenen den Umstieg von der alten auf die neue Safety-Norm erleichtern beziehungsweise ihnen ausreichend Zeit geben, die notwendigen „Hausaufgaben“ zu machen.
Dass zum Stichtag alle Hersteller, die in den Anwendungsbereich der neuen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG fallen, auf EN ISO 13849-1 umgestellt haben, hält Frank Schmidt, Leiter Normen-, Gremien- und Verbandsarbeit bei Schmersal trotzdem für unwahrscheinlich. Denn man dürfe nicht außer Acht lassen, dass die Anwendung der Norm(en) freiwillig ist. Rechtsverbindlich hingegen sei die Einhaltung der Schutzziele der Maschinenrichtlinie. „Allerdings dürfte es im Falle sicherheitsgerichteter Teile von Steuerungen schwer fallen, die gesetzlichen Anforderungen ohne Bezugnahme auf die Normen zu erfüllen“, so Frank Schmidt.
Auch Detlef Ullrich, Gruppenleiter Consulting Services bei Pilz, glaubt nicht, dass schon alle Hersteller ihre Hausaufgaben gemacht haben. Die steigende Nachfrage nach Beratungs- und Engineering-Leistungen zeige aber, dass immer mehr Unternehmen die EN ISO 13849-1 sehr ernst nehmen und sich umstellen beziehungsweise entsprechend organisieren. „In den nächsten Wochen wird hier noch viel passieren“, ist Ullrich überzeugt und betont: „Wir werden alles daran setzen, möglichst vielen Unternehmen zu helfen, die normativen Hürden zu nehmen.“
Doch welche Hürden sind dies konkret beziehungsweise in welchen Punkten besteht nach wie vor Handlungsbedarf?
Nach Erfahrung von Harald Schmidt, Safety-Experte bei Sick, „ist das prinzipielle Normenverständnis meist vorhanden“. Hin und wieder finde sich jedoch noch der Irrglaube, dass bei komplexen Systemen nicht die EN ISO 13849-1 anzuwenden ist, sondern die IEC 61508 beziehungsweise die daraus entstandene Sektor-Norm IEC 62061. „Das ist aber nicht richtig“, stellt Schmidt klar und ergänzt: „Bei der Ausbildung von sicherheitsgerichteten Funktionen einer Maschinensteuerung ist die EN ISO 13849-1 unabhängig von der Komplexität der eingesetzten Komponenten wie zum Beispiel der Sicherheits-SPS anwendbar – egal, ob es sich um elektrische, hydraulische oder pneumatische Systeme handelt.“
Und dies gelte beileibe nicht nur für Neumaschinen, sondern auch beim Umbau von Gebrauchtmaschinen. Denn insbesondere bei nachträglichen Änderungen der funktionalen Sicherheit an Maschinen sei der Nachweis der Zuverlässigkeit erforderlich, wofür sich die EN ISO 13849-1 sehr gut eigne. „Dieser Umstand ist vielfach noch nicht bekannt und verinnerlicht“, so Schmidt. Unsicherheit bei der praktischen Umsetzung der EN ISO 13849-1 ist auch in den Augen Detlef Ullrich einer der Hauptgründe, warum sich Maschinenbauer mit dem Thema vielfach noch schwer tun. Dabei gehe es vielfach um Fragen zum Einsatz der Verifikationstools.
Handlungsbedarf bestehe zudem bei der theoretischen Berechnung der Safety-Related Control Function (SRCF), um die Wahrscheinlichkeit eines gefahrbringenden Ausfalls zu ermitteln. Und nicht zuletzt sei momentan noch die darauf folgende praktische Umsetzung der SRCF im Maschinen- und Anlagenbau schwierig. Frank Schmidt von Schmersal stößt in das gleiche Horn: „Wir würden uns wünschen, dass man die wahrscheinlichkeitsstatistischen Einflussgrößen – sprich MTTFd und DC – etwas weniger dogmatisch sieht, den Performance-Level nicht zum Maß aller Dinge erklärt und stattdessen die Architekturen beziehungsweise Steuerungskategorien wieder stärker betont. Hier wird hoffentlich die Revision des Teils 2 der Norm EN 13849, der das Thema ‚Validierung' betrifft, einen wichtigen Beitrag leisten.
"Die vielfach kritisierte Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis bei der EN ISO 13849-1 bezieht sich Frank Schmidt zufolge vor allem auf die mangelnde Berücksichtigung des Arguments der Betriebsbewährtheit. Sein Lösungsvorschlag: „Dies könnte man beispielsweise berücksichtigen, indem man in den Risikografen den ‚W-Parameter', sprich die Eintrittswahrscheinlichkeit eines unerwünschten Ereignisses, aufnimmt, so wie es auch in anderen Risikografen der Fall ist."
Safety-Ticker +++ Safety Ticker +++ Safety-Ticker
Die Firma Danfoss hat einen neuen Ansatz verwirklicht, um funktionale Maschinensicherheit in den Antrieb zu verlagern. Den Kern dieser Lösung bildet die vollständige Trennung der Sicherheits- und Antriebsparameter, sowie der internen Prozessorarchitektur zum Antrieb hin. Dadurch verhält sich das neue Sicherheitsmodul MCB 140/150 quasi wie ein externes Sicherheitsbauteil, das jedoch die platz- und kostensparenden Vorteile einer antriebsbasierten Sicherheitstechnik bietet.
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Die österreichische Firma logi.cals zeigt auf der Messe ihr Safety-System logi.SIL. Eine Vorabversion der Neuentwicklung wird demnächst an Siemens Energy Automation geliefert, wo das Safety-Add-On künftig für sicherheitskritische Funktionen zum Einsatz kommen soll. Dazu wird logi.SIL nahtlos in das Siemens-Engineering- System Toolbox II integriert.
Halle 7A, Stand 138.
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Schmersal bringt eine komplett neue Baureihe von Sicherheits-Lichtvorhängen und -Lichtgittern auf den Markt. Bei der Baureihe SLC/SLG 440 sind zum Beispiel unterschiedliche Muting-Funktionen frei parametrierbar. Auch Sonderfunktionalitäten wie eine doppelte Quittierung sind bereits vorkonfektioniert und müssen bei Bedarf nur aktiviert werden.
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Voraussichtlich im 2. Quartal 2012 sollen alle Produkte der integrierten Codesys-Safety-Lösung von 3S-Smart Software Solution fertig gestellt sein. Auf der Messe gibt es bereits Previews davon zu sehen, und zwar: Codesys Safety SIL3 mit eigenem Safety-Editor und speziellem Laufzeitsystem, Codesys Safety SIL2 insbesondere für mobile Anwendungen sowie Codesys Safety SIL3 für das dezentrale Ethercat-Safety Modul EL6900 von Beckhoff.













