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Artikel und Hintergründe zum Thema

VDW

Andrea Gillhuber,

Werkzeugmaschinenindustrie erwartet Produktionsrückgang

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie erwartet 2024 einen Rückgang in der Produktion von knapp 3 Prozent auf nominal 14,8 Mrd. Euro. Besonders die Inlandsnachfrage ist stark gesunken.

© VDW

»Das bisherige Rekordvolumen 2018/2019 von 17,0 Mrd. Euro kann auch nach fünf Jahren nominal noch nicht ausgeglichen werden«, bedauert Franz-Xaver Bernhard, Vorsitzender des Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken VDW, anlässlich der Jahrespressekonferenz des Verbands Ende Januar.

Im Jahr 2023 ist die Produktion im Vergleich zum Jahr 2022 geschätzt nominal um knapp 8 % auf 15,2 Mrd. Euro gestiegen. Real entspricht das aufgrund der im Jahresmittel nach wie vor hohen Inflation +2 %. Der Export ist um 9 Prozent gewachsen; die Exportquote erreichte knapp 70 %. Forciert wurden die Ausfuhren durch ein zweistelliges Wachstum in Amerika (+23 %), Asien (+8 %) und Europa (+7 %) hingegen konnten nur einstellig zulegen. Insbesondere die USA entwickelten sich äußerst dynamisch, getrieben insbesondere durch Investitionen in den Klimaschutz und in erneuerbare Energien. China hingegen durchlebte eine Wachstumsschwäche aufgrund sinkender Konsumnachfrage und des kriselnden Immobiliensektors, die nach wie vor anhält. Hoffnungsträger Indien hingegen zeigte steil aufwärts.

Der Inlandsabsatz konnte mit 5 Prozent nicht ganz so stark zunehmen. Dies spiegelt auch die schwächere Nachfragesituation bei heimischen Kunden wider. Die Firmen waren mit 89,6 Prozent im Schnitt des vergangenen Jahres gut ausgelastet und haben auch wieder Personal aufgebaut. Ende 2023 waren rund 66.600 Frauen und Männer in der Branche beschäftigt, 2,4 Prozent mehr als Ende 2022.

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Produktionsrückgang erwartet

Für das laufende Jahr erwartet der VDW einen Produktionsrückgang. Überraschend ist diese Entwicklung nicht, zeigten sich bereits zu Beginn des abgelaufenen Jahres 2023 Bremsspuren im Auftragseingang. Nachdem der Auftragsbestand mit einer Reichweite von rund elf Monaten begünstigt durch eine Entspannung in der Lieferkette nun nach und nach abgearbeitet ist, zeigen sich die Auswirkungen zunehmend auch im Umsatz und in der Produktion.

Insgesamt sind laut VDW die Bestellungen 2023 nominal um 10 % gesunken. Der Rückgang wurde teilweise durch Monate mit stärkerem Projektgeschäft gebremst und hielt sich daher noch in Grenzen. Die Inlandsnachfrage ist mit einem Minus von 14 % fast doppelt so stark gesunken wie die Auslandsnachfrage.

Auch die Weltwirtschaft gibt 2024 kaum Rückenwind: Die Wachstumsraten für Bruttoinlandsprodukt und Investitionen gehen im Vergleich zum Vorjahr nochmals zurück. Der internationale Einkaufmanagerindex zeigt in allen wichtigen Märkten ebenfalls eine schwache Weltkonjunktur an, insbesondere in der Eurozone und in Deutschland. »Tatsächlich sehen wir derzeit eine gespaltene Entwicklung«, berichtet Bernhard. Wachstumssektoren wie Elektromobilität, Windkraft, Medizintechnik, Aerospace und Rüstung stützten vor allem das Projektgeschäft, während das Standardmaschinengeschäft schwächer laufe. Kleine und mittelständische Kunden, wie Job Shops, seien unsicher und hielten sich bei den Investitionen zurück. Maschinenkäufe seien aufgrund gestiegener Zinsen zudem schwieriger zu finanzieren. Firmen, die sich frühzeitig auf den Transformationsprozess eingestellt hätten, könnten der Nachfrageschwäche demnach besser begegnen.

Bürokratie belasten Mittelständler überproportional

Neben der Konjunkturentwicklung bereitet die Regulierungswut der deutschen Regierung und der EU-Administration der Industrie große Sorgen. Als besonders »gelungene Beispiele für Bürokratiemonster« führt Bernhard das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und die Corporate Sustainable Reporting Directive (CSRD) der Europäischen Union an. »Sie belasten das Geschäft zusätzlich und fordern kleine und mittelständische Unternehmen in ohnehin schwierigen Zeiten überproportional heraus. Dazu verfehlen sie ihre Ziele bei viel zu hohen Kosten«, lautet sein Urteil.

Beide Gesetze schreiben umfangreiche Dokumentations- und Berichtspflichten über die Einhaltung fairer Arbeitsverhältnisse und bestehender Umweltschutzauflagen in der Lieferkette vor. »Selbst wenn Transparenz in der Lieferkette hergestellt werden könnte, fehlt es den Mittelständlern an der Marktmacht, die geforderten Standards bei den Lieferanten außerhalb des gesetzlichen Geltungsbereichs durchzusetzen«, so Bernhard. Das negiere nicht, Menschenrechte und Umweltaspekte im wirtschaftlichen Tun zu achten. Allein die Auseinandersetzung damit schaffe Sensibilität. »Jedoch ist es nach meiner Überzeugung Aufgabe der Politik, die Standards wirkungsvoll durchzusetzen«, fordert er.

Lange Wartezeit auf Genehmigungen im Rahmen der Dual-Use-Exporte

Ein weiteres Ärgernis sind laut Bernhard die langen Genehmigungspflichten im Rahmen der Dual-Use-Exporte. Anträge, die vom zuständigen Bundesausfuhramt zügig bearbeitet würden, bleiben im politischen Prozess in Berlin stecken. Die zuständigen Ausschüsse, die nach Prüfung Einzelgenehmigungen geben, tagen nur etwa alle drei Wochen, und erfahrungsgemäß wird jeder Antrag bis zu dreimal behandelt. Bis dahin erhalten die Antragsteller keinerlei Zwischenbescheid, können ihre Kunden also nicht verlässlich informieren. Selbst bei Folgeprojekten, bei denen der Kunde zuvor schon genehmigte Maschinen gekauft hat, oder bei Bestellungen deutscher Tochterunternehmen dauert die Bearbeitung der Anträge oft sehr lange. Es besteht die Gefahr, dass Kunden wieder abspringen, wenn der Werkzeugmaschinenhersteller oft erst sechs bis acht Monate oder noch länger nach der Bestellung die Freigabe erhält und mit der Herstellung der Maschinen beginnen kann. Zusätzlich wird sein Renommée beschädigt. »Teils haben Firmen einen nicht unerheblichen Teil ihres Umsatzes bei den Behörden zur Genehmigung liegen«, weiß Bernhard. Sein Vorschlag an die Politik: Es gehe nicht darum, die Verfahren infrage zu stellen, sondern die Durchlaufzeiten zu verkürzen, denn tatsächlich werden kaum Anträge abgelehnt. Dazu wäre zu diskutieren, dass die Ausschüsse vorübergehend häufiger tagen, um diesen Flaschenhals zu erweitern.

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