Interview mit S. Brandstetter, B&R
»Völlig neue Art von Maschinen«
2020 hat B&R Codian-Robotics übernommen und bietet Maschinenautomatisierung und Robotik aus einer Hand an. Doch welchen Vorteil hat ein Maschinenbauer, wenn er einen Roboter in seine Maschine integriert? Sebastian Brandstetter von B&R bezieht im Interview Stellung.
Sebastian Brandstetter ist Produktmanager für integrierte Robotik bei B&R
© B&RHerr Brandstetter, welchen Mehrwert versprechen sich Maschinenbauer, die Roboter in ihre Maschinen integrieren?
Sebastian Brandstetter: Ich sehe grundsätzlich drei Vorteile: Erstens machen Roboter Maschinen flexibler, zweitens lassen sich manche Prozesse mit einem Roboter einfacher umsetzen, drittens können Roboter Menschen von gefährlichen, anstrengenden und monotonen Arbeiten entlasten.
Haben Sie ein Beispiel für die Integration eines Roboters in eine Anlage?
Brandstetter: Sehen wir uns eine Abfüllanlage für Shampoo-Flaschen unterschiedlicher Form und Größe an. Die leeren Flaschen werden ungeordnet auf einem Förderband zugeführt. Ein Pick-and-Place-Roboter nimmt eine Flasche vom Band, wobei der Roboter die Bewegungsdaten von einem Vision System erhält, und platziert die Flasche auf den Shuttle eines Transportsystems wie unserem Acopostrak.
Lässt sich so eine Maschine nicht auch mit einem herkömmlichen Robotersystem mit externer Steuerung umsetzen?
Brandstetter: Das ist gar nicht so einfach. Damit ein Pick-and-Place-Roboter einzelne Flaschen greifen kann, benötigt seine Steuerung in Echtzeit Informationen darüber, wo sich die Flasche gerade befindet und wie sie ausgerichtet ist. Außerdem sind Informationen zu den Abmessungen nötig, um die Flaschen sicher zwischen die Shuttles zu klemmen. Alle diese Prozesse müssen im Bereich weniger Mikrosekunden synchronisiert ablaufen.
Sie haben erwähnt, dass Roboter Maschinen flexibler machen. Bitte erläutern Sie das etwas genauer.
Brandstetter: Wenn wir uns klassische Produktionsmaschinen ansehen, sind diese ganz spezifisch auf ein Produkt oder gar eine Produktausprägung ausgerichtet. Teilweise werden komplexe mechanische Vorrichtungen eingebaut, zum Beispiel, um ein Produkt von einer Maschinenebene auf die nächste zu befördern. Ändert sich das Produkt hinsichtlich Größe, Gewicht oder Form, müssen diese Vorrichtungen angepasst, ausgetauscht oder gar neu konstruiert werden. Einem Roboter ist das egal, der passt gegebenenfalls seine Bahnplanung an die neuen Gegebenheiten an und schon kann die Maschine weiterproduzieren.
Das klingt so, als ob Roboter jede Maschine produktiver machen würden.
Brandstetter: Ganz so weit würde ich nicht gehen. Aber ich denke, dass sich Roboter tatsächlich in weit mehr Fällen amortisieren als gemeinhin angenommen wird. Das gilt auch dann, wenn es um die Sicherheit des Bedieners geht.
Inwiefern?
Brandstetter: Nehmen Sie zum Beispiel Maschinen, die sich sehr schnell bewegen, so wie die oben angesprochene Abfüllanlage. Defekte oder umgefallene Flaschen müssen aus dem Prozess ausgeschleust werden. Wird das von einem Menschen gemacht, muss die Geschwindigkeit der Anlage auf ein sicheres Niveau heruntergeregelt werden, sobald jemand die Sicherheitstüre öffnet. Entfernt jedoch ein Roboter die betreffende Flasche, kann die Maschine mit voller Produktivität weiterlaufen.
Aber werden Maschinen durch integrierte Roboter nicht größer?
Brandstetter: Ganz im Gegenteil, integrierte Roboter verkleinern den Footprint einer Maschine. Roboter können komplexe Manipulationen vornehmen, für die bisher aufwendige – und damit große – mechanische Konstruktionen notwendig waren. Zudem entfällt etwa bei der integrierten Lösung von uns der eigene Roboterschaltschrank und die Roboter lassen sich auch kopfüber oder seitlich montieren. Und wenn der Maschinenbauer Roboter mit intelligenten Track-Systemen kombiniert, kann er seine Maschine sogar noch weiter optimieren.
Wie das?
Brandstetter: Die Shuttles der Track-Systeme lassen sich individuell steuern und dabei, wie gerade erläutert, mikrosekundengenau mit den Roboterbewegungen synchronisieren. Bearbeitungen können während der Bewegung erfolgen und der Prozess lässt sich ohne Hardwareänderungen jederzeit an andere Produkteigenschaften anpassen. Dadurch erhöht sich der Durchsatz und die benötigte Stellfläche wird kleiner.
Mit der Mapp Robotics-Komponente für Pick-and-Place-Anwendungen lassen sich Applikationen mit wenigen Mausklicks konfigurieren.
© B&RWas bedeutet das für den Maschinenbauer?
Brandstetter: Er kann seinen Kunden eine völlig neue Art von Maschine anbieten, eine Maschine, die sich automatisch an das zu fertigende Produkt anpasst – selbst wenn dieses spezifische Produkt bei der Maschinenentwicklung noch gar nicht bekannt war. So können produzierende Unternehmen einen der dringendsten Wünsche der Konsumenten erfüllen: Individuelle Produkte zum Preis von Massenprodukten.
| Deltaroboter integriert |
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B&R hat die Codian-Roboter D2, D4 und D5 in sein Automatisierungssystem integriert. Dadurch lassen sich jetzt auch hochgenaue Pick-and-Place-Anwendungen innerhalb kurzer Zeit realisieren. Adaptive und flexible Fertigungs- und Logistikkonzepte und kleine Stückzahlen bis hin zu Losgröße 1 erfordern es, schnell auf sich verändernde Anforderungen zu reagieren. Daher ist es sinnvoll, die Auto-matisierung um Roboter zu erweitern. Um den Aufwand für den Maschinenbauer möglichst gering zu halten, hat B&R mehrere Codian-Deltaroboterserien in sein Automatisierungssystem integriert. Der Kunde hat so einen Lieferanten für Steuerung und Entwicklungsumgebung und Robotik. Da eine Steue-rung Maschine und Roboter steuern kann, entfällt oft der Bedarf für einen Roboterschaltschrank. Dadurch verkleinert sich der Footprint der Anlage. Vordefinierte Funktionsblöcke erleichtern die Programmierung der Bewegungsabläufe. Die Performance-Parameter der Roboter werden gemäß ISO 9283 zur Verfügung gestellt, was das Projektieren deutlich erleichtert und eigene Performance-Tests überflüssig macht. Zudem ist die Einheit aus Roboter, Steuerung, Bediengerät und Software gemäß Maschinenrichtlinie bereits als „Partly Completed Machinery“ deklariert. Der Endanwender profitiert im Betrieb von der exakten Synchronisation der mechanischen Achsen und der Roboterbewegungen. Das garantiert kurze Zykluszeiten und damit schnellere Produktions- und kürzere Logistikabläufe. Außerdem haben Robotik und Automatisierung die gleiche Bedienoberfläche; die Einarbeitung wird somit einfacher. Bis zu 125 kg Traglast Die Codian-Roboter ermöglichen es, Produkte bei Förderbandgeschwindigkeiten bis zu 60m/min zu sortieren, zusammenzustellen oder zu ordnen. Das Spektrum reicht von sehr kleinen Kinematiken mit bis zu 1,5 kg Traglast und einem minimalen Arbeitsbereich von 500 mm bis 2100 mm, welche sich auch für beengte Einbauverhältnisse eignen, bis hin zu größeren Modellen mit bis zu 35 kg oder sogar 125 kg Traglast. So lassen sich Aufgaben mit Pick-and-Place auch bei schweren Produkten realisieren. Für das Primary Packaging in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie stehen spezielle Hygiene-Ausführungen zur Verfügung. |
| Teil des Software-Baukastens |
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Mit einer vorgefertigten Software-Lösung von B&R können Maschinenbauer Pick-and-Place-Applikationen nun ohne großes Investitionsrisiko umsetzen. Mapp Pick&Place macht Maschinen schneller, flexibler und effizienter. Die Pick-and-Place-Prozesslösung basiert auf dem Software-Baukasten Mapp Technology und ist somit automatisch mit allen anderen Mapp-Softwarekomponenten verbunden. Die Koordination mit anderen Achsen, Track-Systemen, dem B&R-Vision-System oder der webbasierten Visualisierung Mapp View lässt sich daher mit wenigen Klicks einrichten. Ein Großteil der manuellen Programmierarbeit entfällt, die Entwicklungszeit verkürzt sich. Der Applikationsersteller benötigt mit der B&R-Lösung kein tiefgehendes Know-how über Robotik, er muss lediglich vorgefertigte Funktionen auswählen und miteinander verknüpfen. So lässt sich innerhalb weniger Minuten eine funktionierende Robotik-Applikation erstellen. Das Risiko einer teuren Fehlentwicklung wird minimiert. Mit der Mapp Robotics-Komponente für Pick-and-Place-Anwendungen können Delta-Roboter in beliebiger Anzahl verwendet werden. Auch die Anzahl der Förderbänder für Zu- und Abführung lässt sich beliebig konfigurieren. Zudem optimiert die Software den Prozess automatisch, um eine maximale Pick-Rate zu erreichen. |














