QNX
Regulierung und Sicherheit bremsen Robotikprojekte in Deutschland
QNX hat die Studie „Inside the Robot: Architecture Benchmark Report“ veröffentlicht. Die Ergebnisse der globalen Befragung von 1000 Robotikentwicklern zeigen, dass Software- und Sicherheitsanforderungen zunehmend zum zentralen Engpass für Innovationen in der Robotik werden. Besonders in Deutschland prägen Sicherheitsanforderungen, Zertifizierungsprozesse und deterministisches Systemverhalten die Entwicklung moderner Robotiksysteme maßgeblich.
Mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland gibt an, dass ihre Robotikarchitektur hybrid ist (65 Prozent), bestehend aus Sicherheits-SPS, Vision-Computer, Hauptrechner und Mikrocontrollern. Gleichzeitig müssen weitere technologische Fortschritte in diese Umgebungen integriert werden. Eine der zentralsten ist Physical AI, die sich zunehmend durchsetzt: 89 Prozent der Entwickler sehen KI-gestützte Systeme, die in der Lage sind, ihre Umgebung wahrzunehmen, Entscheidungen zu treffen und autonom zu handeln, als entscheidend für ihre zukünftigen Strategien.
Trotz dieser hohen Erwartungen ist die Umsetzung in der Praxis noch nicht durchgängig abgesichert. Zwar äußern sich viele Entwickler grundsätzlich zuversichtlich hinsichtlich der Weiterentwicklung solcher Systeme, doch die letztendliche Umsetzung, unter realen Bedingungen konsistent sichere und vorhersehbare Entscheidungen zu treffen, bleibt eine zentrale Herausforderung. Insbesondere in dynamischen Umgebungen mit direkter Mensch-Maschine-Interaktion steigen die Anforderungen an deterministisches Verhalten und verlässliche Systemreaktionen deutlich – nicht zuletzt, um Verletzungen durch die Maschinen zu verhindern. Dies verschärft die Anforderungen an die zugrunde liegende Softwarearchitektur zusätzlich, die bisher nicht zwingend auf diese Komplexität ausgelegt sind.
Parallel dazu wächst die technische Komplexität weiter: Integrationsaufwand und lange Entwicklungszyklen gehören für jeweils 41 Prozent der Befragten zu den größten Herausforderungen. Zudem geben 79 Prozent an, dass Zeit- und Budgetdruck dazu führen können, dass bei sicherheitskritischen Aspekten ungewollte Kompromisse eingegangen werden. Auch organisatorisch zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Während ein Teil der Unternehmen klare Sicherheitsstandards etabliert hat, variiert deren Umsetzung in vielen Fällen je nach Projekt oder Abteilung. Das führt zusätzlich zu höherem Abstimmungsaufwand sowie zu steigender Abhängigkeit von spezialisierten Fachkräften, was die konsistente Umsetzung von Sicherheits- und Compliance-Anforderungen weiter erschwert.
Sicherheits- und Regulierungsdruck nehmen spürbar zu
Je mehr Robotiksysteme in realen, dynamischen Umgebungen eingesetzt werden, desto höher werden die Anforderungen an funktionale Sicherheit, Cybersecurity und zuverlässige Systemarchitekturen. Gleichzeitig ist für 92 Prozent der Entwickler deterministisches Echtzeitverhalten mittlerweile eine Grundvoraussetzung für den sicheren Betrieb ihrer Systeme. Insbesondere Cybersecurity-Vorgaben, funktionale Sicherheitsstandards und neue regulatorische Rahmenwerke für KI stellen zentrale Herausforderungen für Entwicklungsteams dar.
Bevor diese Systeme jedoch produktiv eingesetzt werden können, müssen umfangreiche Zertifizierungsprozesse von Software, Maschinen und Menschen durchlaufen werden – was laut 70 Prozent der Befragten in Deutschland zu erheblichen Projektverzögerungen führt. Regulatorische Anforderungen zählen damit zu den größten Herausforderungen im Entwicklungsprozess. Gleichzeitig treffen diese Vorgaben auf immer komplexere Systeme, die sowohl leistungsfähig als auch regelkonform betrieben werden müssen.
Software als limitierender Faktor für Fortschritt
Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass sich der Engpass in der Robotikentwicklung verlagert hat. Was lange Zeit primär eine Frage der Hardware war, wird heute zunehmend durch Softwarearchitektur und Integration bestimmt.
Trotz steigender Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit setzen 89 Prozent der Entwickler weiterhin zumindest teilweise auf allgemeine Betriebssysteme – auch für echtzeitfähige oder sicherheitskritische Anwendungen. Gleichzeitig zeigt die insgesamt hohe Wechselbereitschaft, dass die Unzufriedenheit zu wachsen scheint.
Das verändert den Fokus in der Robotik grundlegend, wie Jim Hirsch, Global VP of General Embedded Markets bei QNX, ausführt: „Es geht nicht mehr nur um neue Funktionen oder höhere Rechenleistung, sondern um die Frage, wie sich komplexe Systeme sicher, zuverlässig und regelkonform betreiben lassen. Eine geeignete Softwarebasis, in der dieses Problem bereits von Beginn an adressiert wird, ist daher entscheidend, um die komplexen Zertifizierungsprozesse beherrschbar zu machen.“
Internationale Unterschiede bei Regulierung und Projektdruck
Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass sich die strukturellen Herausforderungen in der Robotik zwar ähneln, jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Der Fokus verlagert sich weltweit zunehmend auf softwareseitige Grundlagen, da Robotiksysteme immer häufiger auch außerhalb kontrollierter Umgebungen eingesetzt werden. In Deutschland geben 85 Prozent der Entwickler an, dass ihre Systeme bereits in direkter Nähe zum Menschen eingesetzt werden oder dies in den kommenden Jahren geplant ist – leicht über dem globalen Durchschnitt von 83 Prozent.
Gleichzeitig zeigt sich ein Spannungsfeld zwischen steigenden Anforderungen und bestehenden technologischen Ansätzen: Während deterministisches Verhalten und vorhersehbare Systemreaktionen als unverzichtbar gelten, basieren viele Robotikplattformen weiterhin auf Softwarearchitekturen, die ursprünglich nicht für hochautonome oder sicherheitskritische Einsatzszenarien entwickelt wurden. Dies verdeutlicht eine wachsende Lücke zwischen den Anforderungen moderner Robotiksysteme und den zugrunde liegenden Softwarefundamenten. Eine Diskrepanz, die zeigt, dass die zentrale Herausforderung weniger in einzelnen Märkten liegt, als vielmehr in der grundlegenden Anpassung der Softwarebasis an neue Einsatzszenarien.
Ohne sichere Softwarebasis keine skalierbare Robotik
Die Ergebnisse bestätigen, dass sich Robotik an einem Wendepunkt befindet. Fortschritte werden zunehmend nicht mehr durch Hardware begrenzt, sondern durch die Fähigkeit, komplexe Softwarearchitekturen sicher, zuverlässig und regelkonform zu betreiben – für bestehende, wie auch künftige Vorgaben. Gleichzeitig steigt der Druck durch den kosteneffizienten Einsatz in realen Umgebungen.
Für Unternehmen bedeutet das: Die Wahl der richtigen Softwarebasis wird nun zu einer strategischen Entscheidung. Wer Sicherheitsanforderungen, Echtzeitfähigkeit und Zertifizierbarkeit frühzeitig in die Systemarchitektur integriert, kann Entwicklungsrisiken reduzieren, regulatorische Hürden besser bewältigen und die Grundlage für skalierbare Robotiksysteme schaffen.
Umfrage-Methodik
Die Online-Umfrage unter 1000 professionellen Softwareentwicklern und -ingenieuren im Bereich Robotik aus ausgewählten Branchen wurde von QNX in Auftrag gegeben und vom Marktforschungsunternehmen OnePoll in Übereinstimmung mit dem Verhaltenskodex der Market Research Society durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte im Zeitraum vom 25. Februar 2026 bis zum 4. März 2026.











