Robotik
Das Leichtbau-Konzept
Mit dem dänischen Unternehmen Universal Robots hat in diesem Jahr ein neuer Hersteller für Leichtbau-Roboter den deutschen Markt betreten. Computer&AUTOMATION sprach mit Geschäftsführer Enrico Krog Iversen über die Ziele des Newcomers.
Enrico Krog Iversen, seit 2008 Geschäftsführer von Universal Robots: „Gerade in mittelständischen Unternehmen gibt es ohne Zweifel eine Marktlücke für Leichtbauroboter.“
Herr Iversen, der Name Universal Robots ist in der Roboter-Szene bisher unbekannt. Was beziehungsweise wer steckt hinter dem Unternehmen?
Iversen: Hier muss ich etwas ausholen. Die eigentliche Idee für das Unternehmen Universal Robots entstand im Jahr 2003, als der Robotermarkt noch ausschließlich von schweren, teuren und schwerfälligen Robotern bestimmt wurde. Unser heutiger Technischer Direktor Esben Østergaard forschte gerade in seinem Dissertationsprojekt an der Syddansk- Universität im dänischen Odense gemeinsam mit zwei anderen Ingenieuren an einem modular aufgebauten Roboter, der leicht, einfach zu installieren und leicht programmierbar sein sollte.
In dieser Entwicklungsphase entstand der erste Prototyp und im Jahr 2005 kam es schließlich zur Gründung des Unternehmens Universal Robots in Odense - gefördert vom dänischen Investmentfond Syddansk Innovation. 2008 haben wir eine Gruppe neuer, finanzstarker Investoren hinzugewonnen, die noch einmal insgesamt zwei Millionen Euro investiert haben. Und so beschäftigt das Unternehmen heute 14 Mitarbeiter.
Ihr Roboter trägt den Namen UR-6-85- 5-A. Für was steht diese Bezeichnung?
Iversen: Die Bezeichnung steht für die Leistungsdaten. Der UR-6-85-5-A ist ein sechsachsiger Knickarmroboter mit einem Aktionsradius von insgesamt 85 Zentimetern und einer bewusst gewählten Hebekapazität von maximal fünf Kilogramm. Jedes seiner Gelenke rotiert pro Sekunde um bis zu 180 Grad und ist um insgesamt ±360 Grad schwenkbar. Alle Komponenten wurden eigens von uns entwickelt: von der Gelenkkonstruktion über den Motor bis hin zur elektronischen Steuerung.
Lediglich bei den Getrieben greifen wir auf Präzisionskomponenten von Harmonic Drive zurück. Bei einem Durchschnittsprogramm hat der Roboter eine Leistungsaufnahme von 200 Watt. Der Roboter selbst wiegt nur knapp 18 Kilogramm und lässt sich deshalb innerhalb der Produktionshalle ohne Probleme von einem Ort zum anderen versetzen. Und was den Preis angeht: Mit etwa 22 000 Euro sind die Anschaffungskosten etwa 50 Prozent niedriger als bei vergleichbaren Konkurrenzmodellen. Das ermöglicht gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen einen kostengünstigen Einstieg in die Industrierobotik.
Welche Anwendungen haben Sie konkret für Ihren Roboter im Auge?
Iversen: Unser Roboter eignet sich insbesondere für alle Arten von Handling- Aufgaben, aber im Grunde sind die Anwendungs- Szenarien kaum begrenzt. So wird er von unseren Kunden bereits in sehr unterschiedlichen Kontexten eingesetzt, unter anderem zur Montage, zum Be- und Entpacken von Maschinen oder zur Durchführung industrieller Messungen. Genauso eignet er sich auch für filigrane Arbeiten, zum Beispiel die Handhabung von zerbrechlichen Materialien wie Glas. Da sich die bestehende Technik einfach skalieren lässt, wird es voraussichtlich Ende 2010 auch Roboter in verschiedenen Größen geben. Zudem haben wir einen Prozessroboter im Auge, der auch DFX- und andere Datenformate verarbeiten kann.
Wollen Sie als "kleines Licht" den Markt allein angehen?
Bei bisherigen Anwendungen von Leichtbaurobotern in der Industrie handelt es sich meist um Forschungs- beziehungsweise Pilotprojekte. Sehen Sie hier bereits einen Markt, der entsprechende Stückzahlen für ein erfolgreiches Geschäft verspricht?
Iversen: Absolut! Nicht immer sind in der industriellen Produktion tonnenschwere Lasten zu bewegen, sondern es müssen zunehmend kleinere Montage- oder Hebearbeiten erledigt werden. Hierfür ist ein kleiner, leichter und geräuscharmer Roboter eine einfache und finanzierbare Lösung, die sich zudem bereits nach einer Betriebszeit von nur sechs bis acht Monaten amortisiert. Mitarbeiter werden auf diese Weise entlastet und können sich anderen Aufgaben zuwenden, die wirklich kognitive menschliche Fähigkeiten erfordern.
Die Anwendung von Leichtbau-Robotern soll ja insbesondere die direkte Zusammenarbeit des Roboters mit dem Werker in kleineren und mittelständischen Betrieben vorantreiben. Als Hemmschuh hierfür gelten bis dato zum einen das fehlende Roboter-Know-how in diesen Unternehmen und zum anderen die Safety-Problematik.
Iversen: Das sind zwei Punkte, über die wir uns bereits bei der Konstruktion des Roboters intensiv Gedanken gemacht haben. Die Programmierung ist so einfach gehalten, dass jeder technische Angestellte im Betrieb sie nach einer kurzen Einweisung selbst vornehmen kann - und zwar innerhalb weniger Minuten. Die Menüführung erfolgt intuitiv über das Touchscreen der grafischen Bedienoberfläche des Controllers.
Und was die Sicherheitsproblematik angeht: Wir haben einen Absicherungsmodus zur reibungslosen Zusammenarbeit von Mensch und Maschine auf engstem Raum entwickelt, der dem ISO-Standard 10218 für kollaborierende Roboter entspricht und kürzlich vom dänischen Technologie-Institut zertifiziert wurde. Wird eine Kraft von 150 Newton oder mehr auf einen Körper ausgeübt, stoppt der Roboterarm automatisch den Betrieb. Mensch und Roboter können so auf engstem Raum ohne Schutzgitter zusammenarbeiten.
Im Vergleich zu ihren Marktbegleitern ist Universal Robots mit 14 Mitarbeitern ein „kleines Licht" - wollen Sie den Markt allein angehen?
Iversen: Wir haben selbst keine regionalen Niederlassungen, sondern arbeiten ausschließlich mit Vertriebspartnern zusammen - auch in Deutschland. In den vergangenen Monaten konnten wir bereits fünf Distributoren aus der industriellen Automation für uns gewinnen, darunter Namen wie Faude oder WMV Robotics. Natürlich befinden wir uns noch in der Aufbauphase, deshalb sind wir ständig auf der Suche nach weiteren Partnern.
Zunächst haben wir uns vorgenommen, die Marke Universal Robots bis Ende 2010 erfolgreich in der DACHRegion zu etablieren. Unser langfristiger Businessplan sieht eine klare Exit- Strategie bis 2013 vor. Das heißt, dass wir das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt entweder verkaufen oder mit ihm an die Börse gehen.











