Robotik

Günter Herkommer,

Automobilindustrie ist Motor der Erholung

Am vergangenen Dienstag (14. September) stellte der internationale Robotik-Verband IFR seine aktuelle Studie „World Robotics 2010 – Industrial Robots“ vor. Demnach kann die Branche nach ihrem beispiellosen Absturz im vergangenen Jahr wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken: Schon in 2010 steigen die weltweiten Roboterinstallationen um 27 % auf 76.000 Einheiten.

© IFR

„Der Trend zur Automatisierung, der durch die Wirtschaftskrise 2009 gestoppt wurde, setzt sich wieder fort". Mit dieser erfreulichen Botschaft richtete sich Åke Lindqvist, Präsident der International Federation of Robotics (IFR), in Frankfurt an die Robotik-Branche. Zwischen 2011 und 2013 soll das durchschnittliche jährliche Wachstum bei 10 % liegen, so dass 2013 wieder ein Liefervolumen von 100.000 Industrierobotern erreicht werde.

Gerade mit Blick auf die vergangenen Monate dürfte diese Botschaft Balsam auf den Wunden der Anbieter sein: Im Vergleich zu 2008, eines der erfolgreichsten Jahre, gab es 2009 einen Rückgang um 47 % auf 60.000 Einheiten - absolut gesehen, der niedrigste Wert seit 1994!

Die wichtigsten Impulse kommen laut Lindqvist derzeit aus China, Südkorea und anderen südostasiatischen Ländern. Aber auch die Roboterlieferungen nach Japan und Nordamerika erholen sich deutlich. Gerade in diesen Regionen waren in den letzten Jahren die Roboterverkäufe zurückgegangen.

In Europa, wo zwischen 2005 und 2008 erheblich in neue Kapazitäten und Modernisierung investiert wurde, geht die Erholung langsamer voran und ist getrieben vom Export; die Inlandsnachfrage in Europa ist noch relativ schwach.

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Primärer Motor für die Erholung in der Robotik ist die Automobilindustrie, die wieder begonnen hat in neue Technologien, zusätzliche Kapazitäten und Umbau von Produktionsanlagen zu investieren. Doch auch die „General Industry" - also alle anderen Branchen außer der Automobilindustrie haben bereits zwischen 2005 und 2008 ihre Roboterinvestitionen erhöht. Dies werde sich 2010 bis 2013 fortsetzen.

Lindqvist hierzu: „Konsumentenprodukte werden zunehmend individualisiert und müssen immer schneller auf den Markt gebracht werden. Dazu wird flexible Automation benötigt. Roboter der Zukunft müssen ergo noch leichter einsetzbar und bedienbar sein."

Serviceroboter etablieren sich erfolgreich

Nicht nur den Industrieroboter steht also eine vielversprechende Zukunft bevor; auch die Servicerobotik etabliert sich nach Einschätzung des IFR zusehends: Weltweit gebe es inzwischen 77.000 Serviceroboter im gewerblichen Bereich. 2009 lag die Liefermenge mit knapp 13.000 Einheiten erstmals leicht unter dem Vorjahresergebnis.

Etwa 30 % der verkauften Serviceroboter werden militärisch genutzt, um unbemannte Flugzeuge und Fahrzeuge zu steuern oder werden zur Minensuche und -entschärfung eingesetzt. 25 % sind als Melkroboter im Einsatz. Es folgen Reinigungsroboter und Medizinroboter mit einem Anteil von jeweils 8 % und Unterwasserroboter mit 7 %. Darüber hinaus kommen Serviceroboter heute in der Bauwirtschaft und auf mobilen Roboterplattformen (je 6 %) in der Logistik (5 %) und in der Überwachung (4 %) zum Einsatz.

Das IFR geht davon aus, dass sich die Zahl der Serviceroboter zwischen 2010 und 2013 um weitere 80.000 Einheiten in gewerblichen Anwendungen erhöhen wird. Der Umsatz wird für diesen Zeitraum auf rund 12 Milliarden US Dollar geschätzt. Auch Serviceroboter für den privaten Gebrauch werden weiter zulegen. Allerdings: „Der technische Aufbau unserer täglichen Umgebung ist mit Blick auf den menschlichen Komfort organisiert und nicht auf den Gebrauch von Robotern", betont Martin Hägele, Vorsitzender der IFR Service Robot Group. Das heißt: Auch wenn diese Roboterkameraden oder -assistenten auf einen Massenmarkt setzen, stellen der technologische Fortschritt, attraktives Produktdesign und Low-Cost-Fertigung wesentliche Herausforderungen dar. „Sie machen die Idee eher zu einem Langzeitprojekt, das nicht vor 2020 voll ausgereift sein wird", so Hägele.

Die Studien „World Robotics 2010 Industrial Robots" und „Service Robots" können unter www.worldrobotics.org bestellt werden.

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