Enterprise Resource Planning per Internet

Stefan Kuppinger,

Studie identifiziert Problemzonen

Heiße Luft oder zukunftweisendes Konzept? Diese Frage war der Ausgangspunkt einer Studie über Software-as-a-Service (SaaS) bei ERP-Lösungen, die das Forschungsinstitut für Rationalisierung der RWTH Aachen (FIR) und die Trovarit AG gemeinsam durchgeführt haben.

Flächendeckende Bereitstellung über Internet, Kostentransparenz, Flexibilität im Hinblick auf Nutzungsumfang und -dauer sowie die Entlastung der innerbetrieblichen IT - das sind die Argumente, die laut der Teilnehmer an der Studie „ERP as a Service" für die Nutzung von Business Software über Internet sprechen. Als Gegenargumente wurden die Abhängigkeit vom Service-Anbieter, Schnittstellenprobleme und Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit genannt.

Das sind die zentralen Ergebnisse der Studie „ERP-as-a-Service", die von der Trovarit AG in Kooperation mit dem Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen durchgeführt wurde. Ziel war, eine belastbare Antwort auf die Frage zu erhalten, ob und unter welchen Umständen das SaaS-Konzept sinnvoll für ERP oder andere Business Software genutzt werden kann. Rund 400 Teilnehmer aus Industrie, Handel und Dienstleistung haben den Fragebogen zwischen Mitte August und Ende Oktober 2009 vollständig beantwortet.

Das relativ junge Konzept „Software-as-a-Service" ist offenbar noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen; seine Bedeutung und Potenziale nicht bekannt. Anders lässt sich die Studie nicht interpretieren: Lediglich 31,3 Prozent der Studienteilnehmer konnten den Begriff gut erklären: SaaS ist ein Geschäftsmodell, das Software als Dienstleistung mittels Nutzung des Internets bereitstellt. 

Alle anderen tappen mehr oder weniger im Dunkeln. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass immerhin 20 Prozent der Befragten dem SaaS-Ansatz im Bereich integrierte ERP-Software eine Zukunft attestieren.

Ein größerer Teil der Studienteilnehmer ist jedoch davon überzeugt, dass SaaS-Lösungen ihre Vorteile am ehesten in Anwendungsfeldern mit formalisierten oder relativ einfachen Abläufen ausspielen können, beispielsweise im CRM oder Projektmanagement. Aktuell haben bereits elf Prozent der befragten Unternehmen eine SaaS-Lösung in verschiedenen Business-Software-Kategorien im Einsatz.

Die Einschätzung von „ERP-as-a-Service" wird sehr stark von der Unternehmensgröße beeinflusst: Kleinere Unternehmen stehen den Gegenargumenten wesentlich weniger kritisch gegenüber als große Mittelständler oder Konzerne. Vor allem der geringere Aufwand für die IT-Abteilung ist für kleinere Unternehmen ein wichtiges Argument für den Einsatz einer SaaS-Lösung - auch im ERP-Bereich.

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Weitere Ergebnisse der Studie im Überblick

  • Studienteilnehmer mit gutem Verständnis für SaaS sehen tendenziell eher Vorteile von SaaS als solche mit einem eher vagen Verständnis. Ebenso sehen Anwender mit gutem Verständnis von Saas weniger Risiken als die übrigen Studienteilnehmer.
  • Aus der Sicht der Studienteilnehmer eignen sich Anwendungsfelder mit hoch formalisierten oder relativ einfachen Aufläufen wie z.B. HR/Entgeltabrechnung, Finanzbuchhaltung, CRM oder Projektmanagement am besten für SaaS-Lösungen.
  • Die inner- beziehungsweise überbetriebliche Logistik (SCM, PPS, WWS) sehen deutlich weniger Anwender als ideales Anwendungsfeld für SaaS. Entsprechend zurückhaltend werden integrierte ERP-Lösungen als SaaS-Domäne eingestuft, da hier in vielen Fällen neben administrativen Aufgaben auch die Logistik mit abgedeckt werden muss.
  • SaaS-Lösungen im Bereich von Business Software finden sich derzeit bei etwa elf Prozent der Unternehmen. Am weitesten verbreitet sind HR/Entgelt-, CRM- und Finanzlösungen.
  • Konkrete SaaS-Planungen hegen die Unternehmen vor allem in den Bereichen CRM, Projektmanagement und Finanzwesen. Der überraschend hohe Anteil von „ERP-as-a-Service" muss zum Teil mit dem Fokus der Studie erklärt werden.
  • Die Einstufung von „ERP-as-a-Service" wird stark von der Branchenzugehörigkeit der Unternehmen beeinflusst: Dienstleister sind dem SaaS-Ansatz gegenüber insgesamt deutlich aufgeschlossener als Handel und Industrie. Dabei ist die Industrie im Hinblick auf einige Gegenargumente wie die geringere Flexibilität der Software sowie teilweise fehlende (Spezial-)Funktionen besonders sensibel.
  • Die Einstufung von „ERP-as-a-Service" hängt von der Position des Befragten in einem Unternehmen stark ab: Beispielsweise sind Vertreter aus dem Bereich EDV/Organisation tendenziell eher skeptisch gegenüber „ERP-as-a-Service" eingestellt. Sie betonen die Nachteile stärker als die Vorteile, während dies der Personenkreis aus dem Umfeld Geschäftsführung eher umgekehrt sieht.

Ein Whitepaper mit den wichtigsten Ergebnissen und weiterführenden Analysen zur Studie ist nach einer Registrierung auf der Webseite der Firma Trovarit kostenlos abrufbar

Hintergrund, Methodik und Datenbasis der Studie: Die Befragung erfolgte mittels eines standardisierten Fragebogens, der über Internet bearbeitet wurde. Zur Teilnahme zugelassen wurden ausschließlich Anwender-Unternehmen. Von der Teilnahme ausgeschlossen wurden befangene Teilnehmer, die zum Beispiel selbst ERP- oder SaaS-Lösungen anbieten. 529 zugelassene Teilnehmer haben mit der Bearbeitung des Fragebogens begonnen. 401 Teilnehmer haben den Fragebogen vollständig bearbeitet.

Die Studienergebnisse sind insofern eingeschränkt repräsentativ als die Stichprobe nicht die demographische Struktur deutscher Unternehmen widerspiegelt. Sie weist einen Schwerpunkt im Mittelstand des verarbeitenden Gewerbes aus, der für den ERP-Markt besonders wichtig ist.

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