Stuxnet / Cyber Security

Stefan Kuppinger,

Spurensuche in der SPS

Stuxnet schockt die Automatisierungswelt: Das Virus attackiert über WinCC und PCS7 gezielt S7-Steuerungen vom Typ S7-417 und S7-315. Erschreckend ist, wie präzise das Virus dabei vorgeht.

© Siemens

Nicolas Falliere vom Security-Spezialisten Symantec hat die verräterischen Spuren einer Infektion im Detail nachvollzogen.

Stuxnet ersetzt beispielsweise die Original-Datei-Bibliothek s7otbxdx.dll (DLL: Dynamic Link Library) durch eine modifizierte Variante. Mit den über 100 Routinen dieser Datei wird die Kommunikation zwischen den Programmen auf dem Windows-Rechner und der S7-Steuerung abgewickelt, zum Beispiel um aktuelle Prozesswerte auszulesen oder in die Steuerung zu schreiben. Das hinterlistige an der Stuxnet-DLL ist, dass die meisten Aufrufe zur Abarbeitung einfach an die umbenannte Original-DLL (s7otbxsx.dll) übergeben werden. Lediglich 16 Funktionen wurden von Stuxnet modifiziert, darunter die Read/Write-Aufrufe und diejenigen zur Lokalisierung von Datenblöcken in der SPS. Letztere helfen dem Virus, sich in der SPS zu tarnen.

Abhängig vom Aufbau des Zielsystems infiziert Stuxnet die Steuerung mit unterschiedlichen Programmen. Das Virus interessiert sich ausschließlich für die beiden CPU-Typen 6ES7-417 und 6ES7-315-2 in Verbindung mit der Kommunikationsbaugruppe CP342-5 für Profibus-DP.

Die Details sind im Whitepaper von Nicolas Falliere nachzulesen, das bei der Analyse eventuell infizierter Steuerungen hilft. Im Gegensatz zu Windows-PCs müssen die Steuerungen von Hand kontrolliert und modifiziert werden.

In einem weiteren Whitepaper - W.22.Stuxnet-Dossier - Anatomie eines Virus - hat Falliere zusammen Liam O Murchu und Eric Chien das Stuxnet-Virus eingehend beschrieben. Die Experten zeigen, wie das Virus bis dahin unbekannte Sicherheitslücken in Microsoft-Windows nutzt, um Rechner und Steuerungen zu infiltrieren.

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