Pharma- und Chemieindustrie

Stefan Kuppinger,

Schwächen in den Geschäfts- und Fertigungsprozessen

Die Pharma- und Chemiebranche hat deutliche Schwächen in ihren Business- und Fertigungsprozessen. Auch die Effizienz der Produktion und das Qualitätsmanagement weisen Defizite auf. Zu diesen Ergebnissen kommt das PI-Institute, das auf Basis der Studienergebnisse eine Matrix der IT-Anforderungen erstellt hat und diese den Lösungsansätzen im Rahmen von Production-Intelligence-Konzepten gegenüberstellt.

Die im März durchgeführte Studie deckt eine Kernforderung vieler Unternehmen auf: Lösungen, die zu nachhaltig geringeren Prozesskosten führen. Dieser Aspekt wird von 74 Prozent der insgesamt 116 befragten Firmen in den Vordergrund gestellt.

Fast alle Anforderungen an die IT in der Pharma- und Chemie-Branche (rot) lassen sich mit Production Intelligence-Konzepten und den damit realisierbaren Optimierungen (blau) weitgehend erfüllen.

Eine ähnliche Dringlichkeit geben sie nur noch der Realisierung einer durchgängigen Prozessintegration. „Im Kern zeigt die Studie, dass die Prozessorientierung in der Pharma- und Chemiebranche noch weit von einem bedarfsgerechten Status entfernt ist", bewertet Jeannette Ewen, Geschäftsführerin des PI-Institute, die Ergebnisse. 

Der Produktionsbereich ist nach wie vor noch weitgehend von den sonstigen Geschäftsabläufen abgekapselt und erweist sich als eine Art Blackbox. Dadurch sind die Wertschöpfungsketten unterbrochen und verschiedenen Änderungen und Verbesserungen werden weitgehend losgelöst und unkoordiniert vom Unternehmensziel entwickelt und umgesetzt. So lassen sich weder in den Business- noch in den Produktionsprozessen die Potenziale zur Leistungssteigerung ausreichend nutzen. Daher verwundert es nicht, dass sich mehr als zwei Drittel der Befragten effizientere Produktionsbedingungen wünschen.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Verschmelzung der Produktionsprozesse mit der gesamten Business-Organisation. Dazu Ewen: „Nur durchgängige Prozessstrukturen bewirken auch eine unternehmensweit durchgängige Steuerung der Wertschöpfung." Gleichzeitig könnte damit die Basis für eine wirkungsvollere betriebswirtschaftliche Steuerung und eine höhere Flexibilität hinsichtlich der Marktanforderungen geschaffen werden. Ein Aspekt, den die Firmen ebenfalls mehrheitlich auf ihrer Agenda stehen haben.

Auch das Qualitäts- und Compliance-Management hat eine große Relevanz, und ist aufgrund weitreichender gesetzlicher Regelungen für Pharma- und Chemiefirmen deutlich anspruchsvoller als bei anderen Branchen. Rund 70 Prozent wünschen sich hier innovative Methoden, die den Themenkomplex vereinfachen. Auch hier spielt der Prozessaspekt eine maßgebliche Rolle: Strukturierte Abläufe mit einem hohen Digitalisierungsgrad der begleitenden Dokumente bewirken transparente und damit einfachere Bedingungen.

Um diese vielfältigen IT-Anforderungen sinnvoll in Angriff zu nehmen, sollten keine einzelnen Maßnahmen initiiert werden. Vielmehr sollten sich die Planungen an einer gesamtheitlichen Idee orientieren. Für die Pharma- und Chemie-Industrie kann eine solche Basis im Production-Intelligence-Ansatz liegen. Er bietet laut PI-Institute einen hohen Abdeckungsgrad bei den meisten der in der Umfrage ermittelten IT-Anforderungen.

Zu den Kernzielen von Production-Intelligence gehört die Überbrückung der bisherigen Grenzen zwischen den Produktions- und Business-Bereichen hinsichtlich der Informationsprozesse. Neben der Integration von Fertigung und Business steht eine durchgängige Effizienzsteuerung der Wertschöpfungsprozesse im Vordergrund. Grundlage bildet ein Regelkreis, in dem relevante Leistungswerte kontinuierlich analysiert und im Bedarfsfall automatisch Best Practices zur Optimierung initiiert werden.

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