MES und ERP
Regeln für das Dashboard-Design
Dashboards bringen Informationen auf den Punkt – sofern das Design stimmt. Bei der Gestaltung solcher Cockpits sind bestimmte Grundsätze zu beachten, die laut einer Gartner-Studie viel zu selten beachtet werden.
Analysewerkzeuge, die so genannten Business-Intelligence-Lösungen (BI), generieren Informationen aus vorhandenen Datenbeständen und -quellen und sorgen für die effiziente Informationsverteilung. Damit schaffen sie die Basis für fundierte Entscheidungen. Jede BI-Lösung ist aber nur so gut wie der Nutzen, den Anwender ohne fundierte EDV-Kenntnisse aus den Informationen ziehen können. Viele BI-Werkzeuge verfügen daher über Dashboard-Funktionalitäten.
Dashboards helfen, umfangreiche Datenmengen aus verschiedenen Quellen zu verdichten und vielen unterschiedlichen Anwendern näher zu bringen: Kennzahlen oder Key-Performance-Indikatoren (KPI) lassen sich visualisieren, etwa per Ampel-, Tachometer- oder Balkendiagramm.
Die Benutzer erhalten je nach Berechtigung präzise und verständliche Informationen. Beispielsweise können sie stunden-, schicht- oder tagesaktuell die Leistung ihres Verantwortungsbereiches überwachen - je nach Position einzelne Anlagen, mehrere Produktionslinien oder komplette Fertigungsstandorte und Unternehmen.
Infos auf den Punkt gebracht
Aufgeräumt: Auf einem gut strukturierten Dashboard sind alle Informationen auf einen Blick zu erfassen.
Ein Dashboard ähnelt im Prinzip einem Flugzeug-Cockpit: Ein Pilot muss sich auf die wesentlichen, aktuellen Parameter konzentrieren, um das Flugzeug sicher zu steuern - Fluggeschwindigkeit, Steiggeschwindigkeit, Flughöhe und Flugrichtung sind die wesentlichen Größen. In Unternehmen sind die Parameter zwar andere als in einem Flugzeug, das Prinzip dahinter ist jedoch das gleiche. Analog dazu sollten sich auch Dashboards auf die wichtigsten Kerninformationen beschränken. Entscheidend ist: Konzeption und Design müssen den Anforderungen des Nutzers entsprechen.
Dass sich diese Erkenntnis bislang in den wenigsten Fällen in der Realität widerspiegelt, erklärt, warum Dashboards noch nicht in der Breite effektiv genutzt werden. Dies bestätigt eine Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Gartner: Das Analystenhaus hat knapp 500 Unternehmen zu ihrem BI-Einsatz befragt. Das Ergebnis: BI-gestütztes Reporting ist zwar weit verbreitet und wird intensiv genutzt, der Dashboard-Einsatz befindet sich bei den meisten Unternehmen dagegen noch in der Frühphase. Dies liegt vor allem daran, dass viele Unternehmen nicht über das nötige Know-how für die Dashboard-Konzeption verfügen. Schließlich sind für den erfolgreichen Einsatz - dies bestätigen auch die Marktuntersuchungen von Gartner - einige Richtlinien in Bezug auf Konzeption und Gestaltung zu beachten. Das oberste Gebot lautet: Rahmenbedingungen und Datenbasis müssen stimmen.
Damit Anwender im operativen Betrieb einen Nutzen aus Dashboards ziehen können, müssen zunächst die Schlüsselfaktoren zur Steuerung des jeweiligen Fachbereichs bestimmt werden. Hilfreich ist es, wenn Dashboard-Nutzer auf unternehmensweit einheitlich definierte Kennzahlen zugreifen können, sprich auf finanzielle Kennzahlen, Indikatoren wie Maschinenverfügbarkeit, Stückzahlen und Qualitätskennzahlen. Nur mit klar definierten und für den Einsatzzweck relevanten Kennzahlen lassen sich mit Dashboards sinnvolle Aussagen treffen. Ebenso wichtig ist eine konstant hohe Datenqualität.
Nur wenn die in Dashboards ausgewerteten Daten korrekt, vollständig und konsistent sind und beispielsweise keine Doppelungen enthalten, lassen sich verlässliche Rückschlüsse ziehen. Data-Governance-Konzepte sorgen für eine unternehmensweit hohe Datenqualität. Zudem lassen sich Informationen über mangelnde Datenqualität oder Importfehler im Dashboard signalisieren.
Dashboard-Aufbau: Weniger ist mehr
Grafische Darstellungsformen tragen viel zum erfolgreichen Dashboard- Einsatz bei. Dabei gilt der Grundsatz: Weniger ist mehr! In der Praxis bedeutet das laut der Gartner-Erhebung: Ein Dashboard sollte nicht mehr als acht Diagramme oder andere Objekte darstellen. Andernfalls droht eine Informationsüberlast und damit einhergehend ein Verlust der Übersichtlichkeit. Gleiches gilt für die Diagramme: Ob Ampel, Karte, Tachometer, Thermometer, Balken-, Torten- oder Zeilendiagramme - die verwendeten Formen sollten allgemein bekannt und eindeutig sein.
Alternative Visualisierungsformen hingegen, etwa komplexe Baumdiagramme, behindern eine schnelle Auswertung und führen zu Missverständnissen. Gleichzeitig sollten Diagramme möglichst schlicht gehalten sein. Verzierungen, Grafiken oder Objekte, die keine zwingend benötigte Information transportieren, behindern den schnellen Überblick. Insgesamt gilt: Die Konzentration auf die entscheidenden Informationen liefert den größeren Mehrwert. Im Vordergrund der Dashboard-Konzeption steht stets die Informationsvermittlung. Neben einfach und eindeutig gestalteten Diagrammen sind dazugehörige Kontextinformationen hilfreich, sofern sie das optische Gesamtbild nicht überfrachten.
Hierzu zählen etwa klassische tabellarische Verzeichnisse, welche die Kennzahlen eines bestimmten Diagramms eindeutig aufschlüsseln. Wahlweise kann dies auch über interaktive Steuerungselemente erreicht werden: User können Balkendiagramme oder geografische Karten anklicken und sich so eigenständig die benötigten Begleitinformationen verschaffen - etwa vertiefende Daten zu einer Produktsparte. Dabei sollten Dashboard-Entwickler allerdings auf überflüssiges Beiwerk konsequent verzichten. Grafisch aufwendige 3D-Effekte mögen ansprechend anzuschauen sein, bringen aber nur bedingt einen zusätzlichen Nutzen. Ähnlich verhält es sich mit jeglicher Form der Animation.
Ein Diagramm muss sich nicht bewegen, um für Aufmerksamkeit zu sorgen. Vielmehr können animierte Inhalte die Übersichtlichkeit einschränken. Wer Dashboards nutzen will, sollte daher auf ein durchdachtes Design und eine anwenderfreundliche Konzeption achten. Dashboard-Lösungen, wie sie etwa „IBM Cognos 8" zur Verfügung stellt, bieten die nötigen Funktionalitäten für die zielgerichtete Gestaltung. Unternehmen sind gefordert, fehlendes Know-how aufzubauen oder gegebenenfalls einen spezialisierten IT-Berater hinzuzuziehen. Der Aufwand lohnt: Sind Dashboards erfolgreich in Unternehmensinfrastruktur und -philosophie verankert, liefern sie den Fachverantwortlichen echten Mehrwert und bilden einen wichtigen Schritt hin zu informationsgestützten Entscheidungen.
Autor: Karsten Wilhelmus ist Market Segment Manager Business Analytics bei IBM in Köln.












