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Artikel und Hintergründe zum Thema

SAP Anwenderbefragung

Meinrad Happacher,

Mit Digitalisierungsschub gegen die Corona-Krise?

Die Umsätze gehen zurück, die IT-Investitionsbudgets schrumpfen. Wo aber setzen unter diesen Vorzeichen die Unternehmen jetzt ihre Handlungs-Schwerpunkte? Und wie wirkt sich dies auf die Investitionen in die SAP-Infrastruktur aus? Die DSAG hat ihre Mitglieder befragt.

© Fraunhofer IESE

Laut der aktuellen Online-Umfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG vom Sommer 2020 geht bei 74 Prozent der Befragten der Umsatz zurück und nur 19 Prozent nehmen keine Auswirkungen auf den Umsatz wahr. Immerhin können 7 Prozent konstatieren, dass ihr Umsatz steigt. Als Konsequenz von Corona auf die IT-Budgets, rechnen 22 Prozent mit einem Rückgang um über 20 Prozent. Klar ist aber auch, dass die Anforderungen bezüglich der Digitalisierung in den Unternehmen durch Corona prinzipiell zunehmen. Dem stimmen 81 Prozent der Befragten voll und ganz beziehungsweise größtenteils zu. Entsprechend gut sind die Fortschritte bezüglich der Digitalisierung in den Unternehmen: 61 Prozent kommen eher schnell und lediglich 34 Prozent eher langsam voran. Das ist ein deutlich positiveres Bild als noch im DSAG-Investitionsreport 2020, als sich nur 35 Prozent sehr weit und weit in ihrem Digitalisierungsprozess einschätzten.

Dr. Marco Lenck, DSAG-Vorstandsvorsitzender: ”Die Unternehmen bewegen sich in einem Spannungsfeld aus sinkenden Umsätzen, massiv schrumpfenden IT-Budgets bei gleichzeitig höheren Anforderungen durch die Digitalisierung.”

© DSAG

Von den verstärkten Digitalisierungsbemühungen profitieren auch die S/4HANA-Projekte der DSAG-Mitglieder. 50 Prozent der Befragten beschleunigen ihre S/4HANA-Projekte beziehungsweise verfolgen sie konsequent weiter. 43 Prozent verschieben sie, beziehungsweise stellen sie prinzipiell zurück. „Der Zug der Digitalisierung fährt, die Unternehmen haben erkannt, wie wichtig das Thema ist und kommen voran. Dabei bewegen sie sich jedoch in einem Spannungsfeld aus sinkenden Umsätzen, massiv schrumpfenden IT-Budgets bei gleichzeitig höheren Anforderungen durch die Digitalisierung“, ordnet Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe, die aktuelle Situation ein.

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Wie steht es um die Zustimmung zur SAP-Produktstrategie?

Bezüglich der SAP-Produktstrategie hat sich die Wahrnehmung unter den DSAG-Mitgliedern im Vergleich zum letzten Jahr nur leicht geändert. Für voll und ganz beziehungsweise größtenteils belastbar und vertrauensvoll halten 31 Prozent die SAP-Produktstrategie und -Roadmaps, das sind 7 Prozent mehr als 2019. Auf teilweise Zustimmung stößt die Aussage bei 42 Prozent, ein Rückgang von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Weniger oder gar keine Zustimmung erhält SAP in diesem Punkt von 27 Prozent. „Das ist eine leichte Verbesserung gegenüber dem letzten Jahr. Sie zeigt, dass sich etwas getan hat und die Richtung stimmt. Aber das ist am Markt noch nicht in vollem Umfang angekommen. Da muss SAP fertige Lösungen entlang der Roadmaps noch besser kommunizieren“, schätzt Marco Lenck ein.

Prozesse müssen effizienter werden

Nach dem größten Handlungsbedarf aufgrund der Corona-Krise in Bezug auf die Digitalisierung im SAP-Kontext befragt, antworteten 72 Prozent mit der Effizienzsteigerung bestehender Prozesse. Als im letzten Jahr im Zuge der DSAG-Jahreskongress-Umfrage 2019 nach den Bereichen mit der größten Auswirkungen durch die digitale Transformation gefragt wurde, stand die Effizienzsteigerung noch bei 62 Prozent am höchsten im Kurs. Die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle und Services steht in diesem Jahr bei 36 Prozent und damit weiterhin an zweiter Stelle. Eine flexiblere Beziehung zwischen Kunden und Partnern im Rahmen einer Plattformstrategie sehen nur 24 Prozent als wichtig an. „Es ist verständlich, dass die Effizienzsteigerung als klassisches Handlungsfeld immer noch vorn liegt. Ich sehe darin eine klare Reaktion auf den geringeren Umsatz und die kleineren IT-Budgets“, so Marco Lenck. Allerdings vertritt die DSAG den Standpunkt, dass Unternehmen, die in Zukunft erfolgreich sein wollen, langfristig nicht nur ihre Geschäftsprozesse digitalisieren sollten, sondern auch ihre Geschäftsmodelle verändern müssen.

Plattformstrategie auf dem Vormarsch

Was das Thema einer Plattform-Strategie betrifft,  so wird diese  bei 58 Prozent der Befragten beschleunigt oder konsequent weiterverfolgt. 24 Prozent verschieben oder überdenken aktuell ein entsprechendes Projekt. Und nur 19 Prozent sehen darin kein Thema oder haben es prinzipiell zurückgestellt. Wer sich mit einer Plattformstrategie auseinandersetzt, hat die Qual der Wahl unter den Anbietern. In Bezug auf die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten genießt SAP bei 72 Prozent eine hohe und sehr hohe Relevanz, gefolgt von Microsoft mit 37 Prozent und anderen mit 22 Prozent. Bei der Flexibilisierung von Lieferketten bescheinigen noch 65 Prozent SAP eine sehr hohe und hohe Relevanz, gefolgt von Microsoft mit 19 Prozent und anderen mit 15 Prozent. „Die hohe Zustimmung für SAP und Microsoft finde ich in diesen Bereichen gegenüber den anderen mit 22 Prozent bemerkenswert. Hier hätte ich in der Zusammenarbeit mit den Kunden doch andere weiter vorn erwartet“, kommentiert Marco Lenck.

SAP unangefochten in der Produktentwicklung

In puncto Produktentwicklung führt  SAP mit 33 Prozent vor Microsoft mit 26 Prozent und anderen mit 23 Prozent. Bezüglich der Finanz- und Zahlungsabwicklung wird SAP von 77 Prozent eine sehr hohe und hohe Relevanz bescheinigt, gefolgt von anderen mit 17 Prozent und mit weitem Abstand vor Microsoft mit 6 Prozent. „Dieses Ergebnis ist nur folgerichtig. Im Bereich Finanzen liegt seit Jahrzehnten eine Kernkompetenz von SAP. Viele Unternehmen sind damit groß geworden und haben die entsprechenden Prozesse tief verankert“, erläutert Marco Lenck.

Als Fazit  bleibt: In vielen Bereichen genießt SAP einen hohen Vertrauensvorsprung unter den DSAG-Mitgliedern. „Bei SAPs Produktstrategie sehen wir noch Potenzial und einen großen Kommunikationsauftrag. Mit dem SAP Road Map Explorer und der Integrationsstrategie werden wichtige Schritte getan, um den Kunden Orientierung zu geben. Doch die Produktstrategie ist in der Wahrnehmung der Kunden noch gekennzeichnet durch eine unklare Richtung sowie eine verbesserungswürdige Integration. Und SAP muss dafür sorgen, dass sich die Kunden besser orientieren können. SAP hat zugesichert, daran zu arbeiten. Diesen Taten müssen nun Ergebnisse folgen“, schliesst Lenck. 

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