Engineering / CAE

Stefan Kuppinger,

Mechatronik – noch immer Vision?

Beim disziplinübergreifenden Engineering scheiden sich die Geister. Schließlich hat dessen Umsetzung Auswirkungen auf die Engineering-Abläufe. Für einen „weichen“ Übergang zu mechatronisch geprägten Prozessen sind aber nicht nur Datendurchgängigkeit und einheitliche Stammdaten wichtig. Thomas Michels von Eplan Software & Service erläutert die notwendigen Methoden und Werkzeuge auf der SPS/IPC/Drives in Nürnberg.

© Eplan

Thomas Michels, Produktmanager bei Eplan Software & Service: „Mechatronik erfordert ein disziplinübergreifendes Engineering, das letztlich auch organisatorische Umstrukturierungen bedingt.“

Datendurchgängigkeit spielt eine immer zentralere Rolle im Engineering – wie wird die Eplan-Plattform dieser Aufgabe gerecht?

Michels: Unsere Engineering-Plattform ist interdisziplinär aufgebaut und übernimmt für die verschiedenen Expertensysteme die gemeinsame Datenhaltung. Die Plattform selbst hat wiederum eine offene Systemarchitektur, die eine nahtlose Integration in den Produktentstehungsprozess eines Unternehmens ermöglicht. Stichworte sind hier PLM-Konzepte mit Kopplungen zu Produktdatenmanagement-Lösungen und ERP-Systemen.

Projekte und Systeme werden immer komplexer – wie unterstützen Sie den Konstrukteur dabei, alles zu beherrschen?

Michels: Gut aufbereitete Stammdaten und Projektvorlagen sind eine große Hilfe im Kampf gegen die Komplexität. Einfach per Drag & Drop Bauteildaten inklusive Funktionsdefinition und Logik einfügen oder mit Auswertungs-Templates teilautomatisiert bearbeiten, beschleunigt ein Projekt. Zudem werden Projekteure durch eine konfigurierbare Systemlogik von Prüfroutinen entlastet. Bei Bedarf können strikte Arbeitsabläufe, sozusagen Standard-Procedures, definiert werden.

Einheitliche Stammdaten sind also Dreh- und Angelpunkt eines Projektes. Welches Konzept verfolgt Eplan hier?

Michels: Einheitliche und geprüfte Stammdaten sind die Grundlage für eine einwandfreie „as built“-Dokumentation. Quelle hochwertiger Bauteildaten ist unser Data-Portal, eine Internet-basierte Plattform, die nach gut zwei Jahren über 100 000 Engineering-Daten von den Geräten zahlreicher Hersteller beinhaltet. Diese Informationen bilden die Grundlage für individuelle Stammdaten-Pools unserer Kunden.

Wie garantieren Sie den einfachen und intuitiven Zugriff auf die Anlagendokumentation im weiteren Lebenszyklus, beispielsweise in der Instandhaltung oder bei Anlagenerweiterungen?

Michels: Über entsprechende Viewer und neutrale Datenformate wie PDF/A lässt sich schnell und sogar mobil auf alle relevanten Projekt-Information zugreifen. PDF-basiertes Redlining ermöglicht den nahtlosen Rückfluss von Informationen aus der Instandhaltung. So bleibt der Status einer Anlagendokumentation über den gesamten Lebenszyklus transparent. Wie man per iPAD die Dokumentation einsieht oder per Laptop die Anlagenwartung beschleunigt – das alles zeigen wir live auf unserem Messestand.

Die Herausforderung im Maschinen- und Anlagenbau ist doch, die immer individuelleren Anforderungen effektiv umzusetzen. Wie gehen Sie mit Themen wie Varianten-Management um?

Michels: Mit dem Engineering Center bieten wir eine Integrationsplattform, mit der Maschinen und Anlagen disziplinübergreifend modular aus einem Baukastensystem heraus aufgebaut werden können. Selbst komplexe Anlagen, gerade auch Sondermaschinen, lassen sich damit standardisiert konstruieren. Über eine Parametrierung lassen sich dabei Varianten einfach und effizient abbilden. Funktional gleichberechtigt deckt die Software die Bereiche Mechanik, Elektrik und Steuerung ab und erzeugt automatisch die relevanten Dokumentationen.

Arbeiten und denken Anwender im Maschinenbau/Anlagenbau heute vermehrt schon „mechatronisch“ oder wird noch in klassischen Bahnen entwickelt?

Michels: Die klassische, disziplinspezifische Arbeitsweise ist größtenteils noch Standard. Obwohl die Systemvoraussetzungen für eine mechatronische Arbeitsweise gegeben sind, werden Projekte beispielsweise in Mechanik, Fluid- und Elektrotechnik häufig noch getrennt abgewickelt. Dieses Denken weicht erst langsam auf.

Woran machen Sie diese Einschätzung fest?

Michels: Wir haben dieses Jahr auf unseren Kundenveranstaltungen und Engineering-Konferenzen bei rund 1500 Teilnehmern genauer nachgefragt. Das Feedback zeigt: Die Potenziale der mechatronischen Arbeitsweise werden erkannt, aber oft noch nicht genutzt.

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