Engineering und Safety
Maschinenrichtlinie tangiert CAD und Dokumentation
Das Stichwort Maschinenrichtlinie (MRL) fällt vor allem im Zusammenhang mit der Auslegung von sicherheitstechnischen Komponenten einer Anlage oder Maschine. Meist unbeachtet bleiben die Konsequenzen für die Engineering-Abläufe. Bernd Schewior von Eplan Software & Service erläutert die Zusammenhänge.
Bernd Schewior, Leiter Consulting bei Eplan Software: „Mit unserem erweiteren Engineering Performance Check EPFplus ermitteln wir live auf der Messe, ob die Engineering-Abläufe den Anforderungen der neuen Maschinenrichtlinie gerecht werden.“
Herr Schewior, wie tangiert die MRL das Engineering?
Schewior: Neben der Risiko-Analyse mit Gefährdungsermittlung, Risiko-Abschätzung und Risikoreduzierung auf Basis der ISO 13849 fordert die neue Maschinenrichtlinie eine nachvollziehbare, interpretationsfreie Dokumentation. Alles was zu einer Maschine/Anlage gehört, muss eindeutig sein und durchgängig zu jeder Zeit bereitstehen. Somit erhöht die MRL den Dokumentationsumfang erheblich und verlangt klare Strukturen in Projektierung und Dokumentenverwaltung. Hinzu kommt: Über den Lebenszyklus der Maschine und mindestens zehn Jahre müssen die Dokumente aktuell und verfügbar sein.
Anfang Dezember entscheidet die EU-Kommission über die Verlängerung der Vermutungswirkung der EN 954-1 um weitere drei Jahre. Was besagt der sperrige Begriff konkret?
Schewior: Der Begriff Vermutungswirkung bedeutet letztlich Gültigkeit. Die bislang gültige Norm zur Risiko-Analyse,die EN 954-1, wird im Falle einer Verlängerung weitere drei Jahre anwendbar sein. Bis dahin gilt: Die EN 954-1 wird zum Jahresende im Rahmen der MRL durch die DIN EN ISO 13849-1 ersetzt. Allerdings fühlen sich viele Unternehmen nicht ausreichend vorbereitet. Beispielsweise verlangt EN ISO 13849-1 zusätzliche Berechnungsschritte zur Ermittlung der Ausfallwahrscheinlichkeit von Sicherheitssystemen.
Wird die Maschinenrichtlinie nicht häufig als Behinderung und unnötiger Aufwand gesehen?
Schewior: Nur den Aufwand zu betrachten, greift zu kurz. Die Sicherheit einer Maschine steht immer außer Frage, mit oder ohne MRL. Die Umsetzung der Maschinenrichtlinie hat einen großen Vorteil: Alles ist dann schwarz auf weiß dokumentiert. Generell geht kein Weg an durchgängigen Engineering-Prozessen vorbei, um Kosten und Komplexität in der Entwicklung zu beherrschen. Daher ist der MRL-Ansatz langfristig der Erfolg versprechende Weg.
Welche Prozesse sind im Engineering notwendig, um die Anforderungen der MRL zu erfüllen?
Schewior: In erster Linie sind eindeutige, referenzierbare durchgängige Daten das Stichwort. Nicht nur die eingesetzten Software-Systeme müssen integrativ zusammenarbeiten, auch die Daten sollten im Idealfall von der Angebots-Erstellung bis zur Fertigung durchgereicht werden. Der klassische PLM-Gedanke ist ein hervorragender Ansatz, um auch die Anforderungen der MRL zu erfüllen. Unsere integrative Plattform in Verbindung mit dem Engineering Center bietet dafür eine gute Basis.
Mit welchen Parametern fragen Sie diese Punkte in ihrem Performance-Check ab?
Schewior: Mit Fragen zur Datendurchgängigkeit wie auch zur Arbeitsweise in der Elektrokonstruktion oder Automatisierungstechnik nehmen wir den Prozess unter die Lupe. Wir betrachten die Standardisierungsprozesse, Projektierungsrichtlinien oder die Variantentechnik. Was die Maschinenrichtlinie angeht, wurden Fragen zu Risiko-Analyse, normgerechter Projektierung oder Zulieferrichtlinien integriert.
Mit dem EPF deckt Eplan die Schwachstellen in den Engineering-Prozessen auf. Welche generellen Verbesserungspotenziale konnten Sie bisher identifizieren?
Schewior: Nach rund 250 Checks zeigt sich folgendes Bild: Es mangelt an durchgängigen Daten im Engineering-Prozess. Oft ist der Artikelstamm schlecht geführt, teils überhaupt nicht vorhanden. Qualifizierte Stammdaten sind jedoch das Fundament für jede Automatisierung von Konstruktionsabläufen. Hinzu kommt, die Logikfunktionen der eingesetzten CAE-Systeme werden nur zu einem Bruchteil genutzt - hier liegen weitere erhebliche Potenziale. Nach dem Motto - 'Das haben wir schon immer so gemacht' - sind auch die Arbeitsweisen vielfach ineffizient. Gerade die Änderung der Engineering-Methoden bietet große Spielräume zur Produktivitätssteigerung.











