Studie Beschaffungslogistik

Thomas Günnel,

Lieferverzug kostet Maschinenbau Millionen

Zu hohe Bestände, die aufgrund mangelnder Liefertreue vorgehalten werden, verursachen beim deutschen Maschinen- und Anlagenbau enorme Verluste. Dies ergab eine Befragung unter 110 Teilnehmern im Rahmen der Studie „Beschaffungslogistik im Maschinen- und Anlagenbau“. Die Studie wurde von der Rheinisch-Westfälisch-Technischen Hochschule Aachen durchgeführt.

© Schuler AG

Durchschnittlich ein Sechstel des Beschaffungsvolumens wurde laut der befragten Teilnehmer im vergangenen Jahr verspätet angeliefert. Um ihre Montage zeitlich nicht in Verzug zu bringen, wappneten sich demnach die meisten Unternehmen mit einer Aufstockung ihrer Sicherheitsbestände. Der Einbruch der Absatzzahlen hat jedoch vor allem Einzel- und Kleinserienhersteller in die Situation gebracht, ohnehin über 20 Prozent ihres Umsatzes in Beständen ruhen zu haben. Während die Serienhersteller ihre Lager in den vergangenen Monaten leeren konnten, leide der Einzel- und Kleinserienhersteller bis heute unter dem Wertverlust und den Kosten seiner hohen Lagerbestände.

Durchschnittlich erzielen Einzel- und Kleinserienhersteller nur ein Fünftel des Umsatzes (80 - 85 Mio. Euro) verglichen mit den befragten Serienherstellern (ca. 400 Mio. Euro). Gleichzeitig arbeiten sie aber mit rund 30 Prozent mehr Lieferanten zusammen, um ihre Einkäufe zu bewerkstelligen.

Claus Narr, Geschäftsführer der myOpenFactory Software GmbH vermutet, dass vielen Unternehmen die Rolle des Einkaufs nicht bewusst ist: „Das zeigt sich zum Beispiel in einem fehlenden Warengruppenmanagement und einer diffusen Beschaffungsstrategie, die eine ausgedehnte Lieferantenbasis von manchmal bis zu 600 Lieferanten nach sich zieht."

Zur Verbesserung der Lieferzuverlässigkeit wollen die Studienteilnehmer zukünftig verstärkt Auszeichnungen oder Erfolgsbeteiligungen als Anreizsysteme einsetzen. Ihrer schwachen Machtposition gegenüber ihren Lieferanten wollen vor allem B- und C-Kunden in Form einer gemeinsamen Plattform für eine öffentliche Lieferantenbewertungen begegnen.

Die Studie „Beschaffungslogistik im Maschinen - und Anlagenbau" ist ab Ende Oktober 2009 beim Apprimus Verlag erhältlich. Herausgeber der Studie sind das Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen und die myOpenFactory Software GmbH.

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