Evon
ERP trifft Fertigung
Bei der Vernetzung von ERP und Fertigung treffen zwei Welten aufeinander – die es jedoch für das Industrie-4.0-Zeitalter zu verbinden gilt. Wie das Softwarepaket MESControl die Lücke schließen soll, erklärt Roman Ruthofer, Geschäftsführer von Evon.
Herr Ruthofer, was hat es mit der MESControl-Software auf sich?
Ruthofer: Mit MESControl wollen wir von Evon die Lücke zwischen ERP und der Fertigung schließen. Es handelt sich dabei um ein Softwarepaket, welches den Produktionsprozess eines Produktes - von der Warenanlieferung von Rohstoffen über Feinplanung und Qualitätssicherung bis zur Auslieferung – abbildet. Das Hauptaugenmerk liegt auf einem möglichst hohen Flexibilitätsgrad mit einfachen und vor allem anpassbaren Benutzerschnittstellen. Deshalb stellen wir eine Reihe an Basisbausteinen zur Verfügung, die kombiniert und adaptiert werden können. Es stellt typischerweise die Ebene zwischen dem ERP System, welches in der Regel einen Planungshorizont größer 1 Woche und der Automatisierung, welche in Echtzeit operiert, dar. Bei der Entwicklung von MESControl wurde von Beginn an Augenmerk auf die bewährten Standards der ISA S88 und S95 gelegt, um das Beste aus beiden Welten in einem Produkt zu vereinen.
Worin liegen die Herausforderungen bei der Vernetzung zwischen ERP und Automatisierungsebene?
Ruthofer: Hier treffen zwei Welten aufeinander. Ein ERP System beschäftigen sich stark mit kaufmännischen Prozessen und flexiblen, sich ständig verändernden Daten. Der Zeithorizont für Planungen liegt in der Regel größer eine Woche und der Detaillierungsgrad der Planung ist auf das Notwendige aus kaufmännischer Sicht beschränkt. Die Automatisierungsebene hingegen befasst sich mit starren Abläufen, der direkten Steuerung der Maschinen und Anlagen in Echtzeit. Schon aufgrund dessen ist hier die nötige Dynamik, Flexibilisierung und der Umgang mit Datenmengen nicht vorhanden.
Für ihre Software nutzen sie den Begriff Unbundling. Was hat es damit auf sich?
Ruthofer: Leider trifft man heute oftmals auf Automatisierungslösungen, bei denen die Automatisierungsaufgaben mit Produktionsabläufen vermischt implementiert wurden. Dadurch werden Programme zunehmend komplexer, schwerer wartbar und unflexibel.
Mit unserem Unbundling-Konzept gehen wir einen anderen Weg – in Funktionen denkend. Auf der Steuerungsebene werden nur noch die Funktionen implementiert, welche die Maschine ausführen kann. Wie zum Beispiel Fräsen und Bohren bei einer CNC-Maschine. Für diese Funktionen werden zudem die nötigen Parameter wie etwa der Bohrdurchmesser und entsprechende Rückmeldungen wie tatsächlich gebohrte Lochtiefe definiert. Über eine definierte Schnittstelle auf Basis der ISA S88 werden die Funktionen dann vom übergeordneten System – zum Beispiel MESControl – bedient. Dieses System bildet dann die nötige Flexibilität ab, um die Produktionsprozesse individuell zu gestalten. So erhält man zum einen eine einheitliche Anbindung an die Automatisierungsebene – egal welcher Hersteller sie liefert – und zum anderen die nötige Flexibilisierung der Produktion in Hinblick auf Variantenvielfalt und Individualisierung. Als nächsten Schritt werden in MESControl die auf den Steuerungen definierten Funktionen als sogenannte Tätigkeiten abgebildet und um weitere Details erweitert, zum Beispiel welche Maschinen bestimmte Funktion ausführen können oder welche Materialien bei einer Tätigkeit verwendet beziehungsweise produziert werden.










