Endress+Hauser

Meinrad Happacher,

Durchwachsenes Geschäftsjahr 2015

Endress+Hauser verdoppelte in nur acht Jahren den Umsatz – so der Stand Ende 2014. Für 2015 präsentierte das Unternehmen nun weniger erfreuliche Zahlen: Insbesondere in lokalen Währungen konnte die Schweizer Firmengruppe den Umsatz kaum steigern.

Matthias Altendorf, CEO: „Wir werden insbesondere den Aufbau der digitalen Kompetenz beschleunigen!“ Einer von sieben strategischen Schwerpunkten der im vergangenen Jahr festgelegten Firmenstrategie 2020+.

© Endress+Hauser

Das langsamere Wirtschaftswachstum in China sowie der Verfall der Rohstoffpreise und insbesondere des Ölpreises belasteten den Geschäftsverlauf bei Endress+Hauser, analysiert CEO Matthias Altenhof anlässlich der Bilanzpressekonferenz Anfang Mai in Basel: „Die geringere Nachfrage der chinesischen Wirtschaft nach Rohstoffen und Energie hat sich in vielen Ländern vom Pazifik über Südostasien bis Südamerika negativ ausgewirkt.“ Politische Krisen und wirtschaftliche Unsicherheit hätten weltweit auf das Investitionsklima gedrückt.

Der konsolidierte Umsatz der Firmengruppe stieg 2015 zwar um 6,5 % auf über 2,1 Mrd. Euro. Wie Chief Financial Officer Dr. Luc Schultheiss ausführt, war das Wachstum allerdings von Wechselkurseffekten getrieben. In Schweizer Franken, der eigentlichen Berichtswährung der Dachgesellschaft, sank der Umsatz sogar um 6,6 %.

Wichtige Märkte hinter den Erwartungen

Mit den USA und China seien gleich zwei große Märkte im Minus gewesen. Deutschland, für Endress+Hauser der größte Markt, habe sich zwar im Plus bewegt, das selbstgesteckte Ziel aber deutlich verfehlt. Europa (+1,9 %) entwickelte sich robust. Das Wachstum in Amerika (+7,3 %) und Asien (+13,8 %) reflektiere hauptsächlich Währungseffekte, trotz der Dynamik in Indien. Die Umsätze in Afrika und Nahost (+13,1 %) zeugten dagegen von tatsächlicher Dynamik.

Die Freigabe des Frankenkurses Anfang 2015 bewältigten die Schweizer Gruppenfirmen auf Kosten der Marge. Die höheren Produktionskosten hätten sich nur teilweise durch günstigere Beschaffung kompensieren lassen. Mit höherer Effizienz will das Unternehmen den Standort-Nachteil nach und nach wettmachen. Wenngleich Altendorf betont: „Wir planen keine Verlagerung von Arbeitsplätzen!“

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Neue Geschäftsfelder entwickeln sich gut

Gut entwickelt haben sich 2015 dem Firmenchef zufolge konsumnahe und nicht-zyklische Branchen wie Lebensmittel, Wasser/Abwasser und Life Sciences. Hohe Zuwächse verzeichnete das Geschäft mit Dienstleistungen und umfassenden Automatisierungslösungen. Auch im Bereich Analyse sei Endress+Hauser überdurchschnittlich gewachsen. Matthias Altendorf: „Das bestätigt unsere Strategie, die Prozessanalyse zu stärken und die Laboranalyse als Markt zu erschließen.“

Gewinn rückläufig

Als Folge der überproportional gewachsenen Kosten gab das Betriebsergebnis (EBIT) der Gruppe um 6,3 % auf 251,3 Mio. Euro nach. Das Finanzergebnis war negativ; eine Auswirkung der Währungsverluste sowie geringerer Erträge auf Kapitalanlagen. Dies zeigt sich im Ergebnis vor Steuern (EBT), das um 14,7 % auf 234,2 Mio. Euro sank. Trotz etwas niedrigerer Steuerquote ging auch das Ergebnis nach Steuern um 14,1 % auf 164,7 Mio. Euro zurück.

Entsprechend verringerte sich die Profitabilität. Die Umsatzrendite (ROS) gab um 2,7 Punkte auf 10,9 % nach. „Für unsere Branche ist das immer noch ein sehr guter Wert“, betonte Luc Schultheiss. Die Produktivität – definiert als Nettowertschöpfung im Verhältnis zum Personalaufwand – sank von 1,37 auf 1,31. Auch hier sieht der Finanzchef das Unternehmen weiter „auf gutem Niveau“.

 

Digitale Kompetenz wird wichtiger

„Das vergangene Jahr hat uns gezeigt, wie wichtig die richtige Unternehmensstrategie ist“, sagte der CEO. Die weltweite Präsenz mit Vertrieb und Produktion, die breite Abstützung über unterschiedliche Branchen und das umfassende Portfolio an Produkten, Lösungen und Dienstleistungen hätten im schwierigen Umfeld 2015 geholfen. Diesen Weg will Endress+Hauser mit der neuen Strategie 2020+ weiterverfolgen. Der Aufbau digitaler Kompetenz bildet dabei einen weiteren Schwerpunkt.

2016 ist Matthias Altendorf zufolge „noch schwieriger“ als das vergangene Jahr. Endress+Hauser hat sich einstelliges Wachstum vorgenommen und will den Gewinn auf ähnlichem Niveau ­halten wie 2015. Matthias Altendorf: „Derzeit sind wir noch ein gutes Stück von unseren Zielen entfernt, auch wenn sich die Zahlen in die richtige Richtung bewegen.“ Der CEO will ­deshalb die Kosten besonders im Auge behalten.

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