Skylake-Plattform
Intels "Core i"-Prozessoren der 6. Generation
Ein Jahr nach Intels ersten 14-nm-Produkten folgt die Nachfolgegeneration, die unter dem Codenamen "Skylake" entwickelt wurde. Unser Schwestermagazin DESIGN&ELEKTRONK konnte noch vor der offiziellen Präsentation einen Blick auf die neuen Chips werfen.
Layout des "Skylake"-Prozessoren von Intel
© IntelAuch die sechste Generation von Intels Core i-CPUs wird es in vier Familien geben: Y-CPUs für Ultrabooks mit einer maximalen Leistungsaufnahme von 4,5 W (Basis-Taktfrequenz zwischen 900 MHz und 1,2 GHz, Dual-Core), die U-Familie für Mobilgeräte, die mit 15 W TDP eine etwas höhere Leistungsaufnahme vertragen (Basis-Taktfrequenz zwischen 2,3 GHz und 2,6 GHz, Dual-Core), die H-Familie mit 35 W beziehungsweise 45 W TDP für ausgewachsene Notebooks (Basis-Taktfrequenz zwischen 2,3 GHz und 2,9 GHz, Quad-Core mit einer Ausnahme Dual-Core) und schlussendlich die S-Familie für Desktop-PCs mit TDPs von 35 W, 65 W und 95 W (Quad-Core-Architektur und Basis-Taktfrequenzen zwischen 2,2 GHz und 4,0 GHz). Nachstehender Download zeigt eine tabellarische Übersicht aller Derivate der Prozessoren der 6. Generation mit ihren Kenndaten.
Neu ist die vom Server-Geschäft bekannte Marke Xeon für Workstations. Es gibt ja Software, die für Workstation-Workloads optimiert ist. So ist zum Beispiel Catia für bestimmte Konfigurationen zertifiziert, die sich typischerweise auf Workstations wiederfinden. Erstmals werden diesmal alle Marken, d.h. Core-i7, -i5, -i3, Core m, Pentium und Celeron gleichzeitig vorgestellt.
Intels Tick-Tock-Modell basierte darauf, dass abwechselnd der Fertigungsprozess geschrumpft und die Mikroarchitektur optimiert wird. Bei Skylake liegt ein Tock vor, nachdem letztes Jahr Broadwell die Einführung der 14-nm-FinFET-Fertigung bedeutete (und nichtsdestotrotz geringen Optimierungen der Mikroarchitektur, insofern war die stringente Trennung von Tick und Tock nicht gegeben).
Auf Intels Entwicklerkonferenz IDF in San Francisco Mitte August wurden auch Details über die Mikroarchitektur enthüllt, wir gehen darauf am Ende des Artikels ein. Bild 1 zeigt einen Überblick über die Skylake-Plattform mit Prozessor und Chipsatz.
Endliche mehr Grafikleistung
Die Ergebnisse dieser Optimierungen können sich sehen lassen. Bei der Y- und U-Familie wurde im Rahmen eines identischen Energiebudgets der Benchmark SPECint_rate_base2006 ausgeführt und das Ergebnis mit den entsprechenden CPUs der Broadwell-Generation verglichen. Das Ergebnis ist eine je nach Derivat um bis zu 17% beziehungsweise 10% höhere Rechenleistung. Neben der CPU-Architektur wurde offensichtlich auch auf Systemebene optimiert: Das Abspielen eines HD-Videos in 1080p-Auflösung mit dem Windows-Metro-Player bringt eine jeweils um bis zu 1,4 Stunden längere Batterielaufzeit mit sich – bei gleicher Batteriegröße versteht sich. Den Zuwachs an Energieeffizienz erzielte Intel unter anderem mit einem weiteren Low-Power-State C7, der die CPU in einen noch tieferen Schlaf versetzt.
Den größten Zuwachs errang Intel wie schon bei den letzten Generationen bei der 3-D-Grafikleistung, einem Bereich, wo man jahrelang hinter den Grafikspezialisten von Nvidia und AMD hinterherhinkte. Beim Benchmark 3DMark11 konnten die Y- und U-Familien um bis zu 41% beziehungsweise 34% gegenüber Broadwell zulegen, was insbesondere die Gamer am unteren Ende der Anforderungen freuen wird. Einige von ihnen können gegebenenfalls nunmehr auf externe Grafikkarten verzichten und mit Intels interner Grafik Vorlieb nehmen. Für Büroanwendungen spielen diese Vorteile ohnehin keine Rolle.
Bei den H- und S-Familien hat sich Intel seitens der Betriebspunkteinstellung offensichtlich auf das Energiesparen fokussiert. Während der CPU-Rechenleistungszuwachs mit 11% ebenso im Rahmen blieb wie die gesteigerte GPU-Leistung (+16% bzw. +28%), konnte auf Chip-Ebene die Leistungsaufnahme bei der H-Familie inklusive CPU, Chipset, WiFi und LAN um bis zu 80% reduziert werden. Bei der S-Serie schrumpfte die TDP bei bestimmten Derivaten von 84 auf 65 W.
Energie gespart wird bei Skylake auch in Bezug auf die Wake-on-Voice-Technologie. Hierbei wird das System im Sleep-Mode über einen DSP, dem man bis zu fünf Sätze beziehungsweise Kommandos zugewiesen hat und der anschließend über ein Mikrofon die Umgebung überwacht und Spracheingaben verarbeitet, aufgeweckt. War hier bislang noch eine Leistungsaufnahme von 400 mW angezeigt, sinkt diese bei Skylake-Chips auf 40 mW.
Skylake bietet mehr Sicherheit
Sicherheit ist bei Intel ja schon lange ein Thema, das hardwaremäßig unterstützt wird. Skylake erlaubt – leider nur in Verbindung mit dem Betriebssystem Windows 10 – ein biometrisches Login, indem mithilfe einer Real-Sense-3-D-Kamera eine räumliche Gesichtserkennung vorgenommen wird. Dies ist insofern relevant, als dass eine 2-D-Erkennung vielen Firmen für den Zugriff auf sicherheitskritische Daten nicht ausreicht. Die Real-Sense-Technologie an sich ist nicht neu und wurde bereits auf dem IDF 2014 im Kontext mit Consumer-Geräten vorgestellt, allerdings nicht für Login-Prozesse.
Über sogenannte Software-Guard-Extensions (SGX) des Befehlssatzes erlaubt Intel Software-Herstellern (wie seiner eigenen Security-Tochter, die ehemals unter dem Markennamen McAffee firmierte), geheime Daten so in der Plattform unterzubringen, dass selbst bei Kompromittieren der Plattform durch Trojaner, Viren und andere diese Daten nicht ausgelesen werden können, da sie niemals unverschlüsselt im Speicher liegen. Intels Sicherheitstruppe wird die SGX und andere für ihre TrueKey-Technologie nutzen, einer App für Smartphone, Tablet oder Computer. Wenn man durch seine Apps und Websites navigiert, speichert die TrueKey-App Kennwörter und gibt sie beim nächsten Mal automatisch ein. Nach der Bestätigung der Identität hat nur der Benutzer Zugriff auf das TrueKey-Profil. Informationen werden auf allen Geräten synchronisiert, sodass man überall darauf Zugriff hat.
Man kann den SGX-Ansatz vom Prinzip her mit ARMs TrustZone-Technologie vergleichen, indem eine Anwendung in einen unsicheren und sicheren Teil aufgeteilt wird. Auf letzteren kann lediglich über Funktonsaufrufe zugegriffen werden.
Weitere Erweiterungen des Befehlssatzes, die sogenannten Memory-Protection-Extension (MPX), betreffen Maßnahmen gegen die bekannten und gefürchteten Pufferüberlauf-Attacken. Im Wesentlichen werden bei einem Pufferüberlauf durch Fehler im Programm zu große Datenmengen in einen dafür zu kleinen reservierten Speicherbereich – den Puffer – geschrieben, wodurch nach dem Ziel-Speicherbereich liegende Speicherstellen überschrieben werden. Dreht es sich nicht um einen ganzen Datenblock, sondern um eine Zieladresse eines einzelnen Datensatzes, spricht man auch von Pointer-Overflow, da der Zeiger anzeigt, wo der Datensatz im Puffer hingeschrieben werden soll.
Ein Pufferüberlauf kann zum Absturz des betreffenden Programms, zur Verfälschung von Daten oder zur Beschädigung von Datenstrukturen der Laufzeitumgebung des Programms führen. Durch Letzteres kann die Rücksprungadresse eines Unterprogramms mit beliebigen Daten überschrieben werden, wodurch ein Angreifer durch Übermittlung von beliebigem Maschinencode beliebige Befehle mit den Privilegien des für den Pufferüberlauf anfälligen Prozesses ausführen kann. Dieser Code hat in der Regel das Ziel, dem Angreifer einen komfortableren Zugang zum System zu verschaffen, damit dieser das System dann für seine Zwecke verwenden kann. Pufferüberläufe in verbreiteter Server- und Clientsoftware werden auch von Internetwürmern ausgenutzt. Wenn man nun seinen Code rekompiliert und entsprechende von Intel bereitgestellte Bibliotheken mit Memory-Protection-Extension einbindet, können derartige Puffer-Überläufe hardwaremäßig unterbunden werden.
Schlussendlich unterstützt Skylake hardwareseitig eine Multifaktor-Authentifizierung (MFA), bei welcher mehrere unterschiedliche Kriterien verwendet werden. Neben einem Passwort kann das beispielsweise die räumliche Nähe des Handys des Benutzers sein, dessen Anwesenheit über Bluetooth detektiert wird. Die Schlussfolgerung: Ist sein Handy in der Nähe, ist die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich der Benutzer das Passwort eingegeben hat, höher, als wenn es nicht da wäre. Andere Unterscheidungsmerkmale sind zum Beispiel die Art des WLANs: Hängt das Gerät im Firmennetz, reicht beispielsweise eine PIN, ist man außerhalb unterwegs, wird das Domänen-Passwort abgefragt.
Weitere Verbesserungen bei der Grafik
Neben der reinen Verbesserung der Rechenleistung der GPU hat Intel mit Skylake auch Verbesserungen beim Dekodieren und Encodieren von Videos implementiert. Hier hatte Vorgänger Broadwell noch einige Schwächen wie zum Beispiel fehlende Hardwareunterstützung beim Encodieren von H.265-Datenströmen, sodass dieses energiefressend und langsam in Software passieren musste.
Beim Encodieren von HVEC (8 Bit, 4:2:0) und JPEG/MJPEG musste bislang eine Hybridlösung herhalten, bei der neben der GPU auch teilweise die CPU – also Software – herangezogen werden musste. Bei Skylake gibt es nunmehr für alle genannten Codecs einen Hardwarebeschleuniger, zukünftig über ein Treiber-Update soll sogar HEVC im Format 10 Bit, 4:2:0 unterstützt werden. Lediglich VP8 und VP9 müssen auch bei Skylake weiterhin in Software encodiert werden. Beim Dekodieren von Videodaten gibt es bei HEVC 8 Bit, 4:2:0 jetzt einen Hardwarebeschleuniger (bei Broadwell noch eine Hybrid GPU/CPU-Lösung), bei VP9 (8 Bit, 4:2:0) jetzt zumindest eine GPU/CPU-Hybridlösung, nachdem Broadwell noch alles in Software rechnen musste.
Tabelle 2 zeigt die von Skylake unterstützten Display-Auflösungen, wobei jetzt drei parallele Ausgabekanäle (z.B. Wireless Streaming, HDMI 1.4. oder HDMI 2.0. über einen Umsetzer von DisplayPort 1.2.) unterstützt werden. Neu sind vor allen Dingen die hohen UHD-Auflösungen bei Y- und U-Prozessoren, bislang gab es die durchgängig für alle Ausgabekanäle nur bei den S/H-Prozessoren. Man muss allerdings aufpassen: Vor allen Dingen die hohen Auflösungen auf den Low-Power-Chips erfordern in der Regel zusätzliche Kühlmaßnahmen. Das Streamen über Wi-Fi von Ultra-HD-Daten erfordert zudem wegen der zu übertragenden Datenmengen eine Dual-Band-2.11n-Verbindung.
| Anschluss | Y-Prozessor | U-Prozessor | S/H-Prozessor |
|---|---|---|---|
| eDP 1.3. | 2880x1800, 3840x2160* | 3840x2160, 4096x2304* | 4096x2304 |
| DP 1.2. | 2880x1800, 3840x2160* | 3840x2160, 4096x2304* | 4096x2304 |
| HDMI 2.0 über DP 1.2.-Konverter | 3840x2160* | 4096x2160* | 4069x2160 |
| HDMI 1.4. | 2560x1600, 4096x2160@24 Hz | 2560x1600, 4096x2160@24 Hz | 2560x1600, 4096x2160@24 Hz |
| Wireless | 1080p 3840x2160@30 Hz** | 1080p 3840x2160@30 Hz** | 1080p 3840x2160@30 Hz** |
Die CPU-Architektur
Bild 2. Neu ist die Anordnung des L3-Caches und ein Bildsignal-Prozessor für bis zu 4 Kameras auf dem Chip.
© IntelEntwickelt wurde die Skylake-Architektur vier Jahre lang im Design-Center in Haifa. Die Chips werden wie auch die vorangegangenen Generationen mit vier unterschiedlichen Maskensätzen gefertigt, um damit der unterschiedlichen Anzahl von CPU-Cores (2 oder 4) und Ausführungseinheiten der GPU (GT2, GT3e und neuerdings GT4e) Rechnung zu tragen. Ein weiteres Differenzierungsmerkmal der unterschiedlichen Modelle ist das Embedded-DRAM, das 64 MB bei GT3e bzw. 128 MB bei GT4e groß ist. Wie Bild 2 zusätzlich zeigt, liegt der L3-Cache auf dem Chip anders als bislang jeweils um ein Core-Paar herum. Hinzugekommen ist ein Bildsignal-Prozessor (ISP) on Chip für bis zu vier Kameras und Bildsensoren mit bis zu 13 Megapixeln.
Bild 3. Größere Puffer bedeuten mehr Geschwindigkeit, aber auch mehr Transistoren und Chipfläche.
© IntelHinsichtlich der Offenlegung von Details der CPU-Cores hielt sich Intel merklich zurück. Klar ist, dass die Sprungvorhersage mehr Einträge beinhaltet und die Prefetch-Stufen Daten schneller in die Caches übertragen können. Der Puffer für die sogenannten Mikro-Ops, in welche komplexe x86-Instruktionen übersetzt werden, soll hingegen weiterhin 1.500 Einträge umfassen. Mehr Einträge beinhaltet hingegen der Puffer für die Out-of-Order-Befehlsausführung (224 statt 192 bei Haswell, Bild 3), was zu einer besseren "Fütterung" der einzelnen Ausführungseinheiten führt. Auch die Reservation-Station, in welcher die an die einzelnen Ausführungseinheiten zu übergebenden Instruktionen bis zu ihrer Verteilung zwischengespeichert werden, kann mit 97 mehr Einträge als jemals zuvor aufnehmen. Statt 168 gibt es jetzt 180 Integer-Register, was natürlich die Zugriffe auf Caches und externen Speicher reduziert, da mehr Variablen in Registern gespeichert werden können. Ein Blick auf den Die zeigt jedoch auch, dass die CPU-Cores dank dieser ganzen Maßnahmen enorm an Fläche (und Transistoren) zugelegt haben. Aus der Reservation-Station können übrigens wie beim Vorgänger Haswell bis zu sechs Mikro-Ops pro Taktzyklus an die Ports verschickt werden.
Bild 4. Der generelle Aufbau der Skylake-Mikroarchitektur ist seit Sandy-Bridge unverändert.
© IntelBild 4 fasst den generellen Aufbau grob zusammen, was allerdings insofern wertlos erscheint, da dieser seit der Vor-Vorgängergeneration Sandy Bridge unverändert aussieht – die Unterschiede der einzelnen Mikroarchitekturen liegen eben im Detail, und dies geht aus dieser Grobdarstellung eben gerade nicht hervor. Bedauerlicherweise hat Intel den Aufbau des Backends, insbesondere die Anzahl der Ausführungseinheiten und deren Aufgaben, nicht verraten. Die offizielle Angabe von "mehr als drei Ports" ist vollkommen wertlos, da schon bei der Haswell-Architektur deren Anzahl von 6 auf 8 erhöht wurde. Tatsächlich wurde in einer IDF-Präsentation mündlich bestätigt, dass die Anzahl der Ausführungseinheiten bei Skylake erhöht wurde, deren Latenzzeiten zudem gesunken sind. Wieviele Taktzyklen jedoch z.B. Integer- oder Gleitkomma-Befehle zur Abarbeitung benötigen, wurde im Detail nicht verraten. Die für Vektoroperationen zuständigen Ausführungseinheiten (AVX2) werden je nach Applikations-Typ entweder extrem oder gar nicht genutzt. Für letztere, zu denen man wohl u.a. die meisten Büroanwendungen zählen darf, wurde eine dedizierte Power-Gating-Funktion implementiert, mit der man die AVX2-Einheiten abschalten und damit die lästigen Leckströme unterdrücken kann. Bemerkenswerte Änderungen gab es bei der Cache-Architektur. Während der L1-Cache mit jeweils 32 KB für Daten und Instruktionen gleich bleib und auch gegenüber Haswell keine Geschwindigkeitssteigerung pro Taktzyklus vermelden kann, arbeitet der 1 MB große L2-Cache statt achtfach-assoziativ nur noch vierfach-assoziativ, um Energie zu sparen. Eigentlich müsste man annehmen, dass hierdurch der Datendurchsatz reduziert würde, aber weit gefehlt: Die Übertragungsrate zwischen dem 4 oder 8 MB großen und von allen Cores geteilten Last-Level-Cache und dem L2-Cache konnte verdoppelt werden, was insbesondere bei Cache-Misses in L1- und L2-Cache zu schnelleren Datenzugriffen führt. Auch die mitunter sehr langen Wartezeiten durch Page-Misses im TLB wurden deutlich verkürzt, der Prefetch verbessert, die Puffer vergrößert. Mehr wollte Intel zur CPU-Seite nicht sagen. Im Vergleich dazu ist die Informationspolitik auf der GPU-Seite extrem offen, selbst wenn hier auch noch einige Details schwammig bleiben.
Die GPU-Architektur gibt es in drei Ausführungen
Die Gen9 genannte GPU-Architektur (Bild 5) ähnelt generell der mit Haswell eingeführten Gen8. Die Basis bildet eine sogenannte Common-Slice (Bild 6), die Intel nunmehr Unslice nennt, hinter der sich aber nach wie vor Funktionseinheiten für die Multimedia-Wiedergabe, Tessellator und Geometrie-Einheit verbergen. Der Multimedia-Block bekam eine eigene Spannungs- und Taktdomäne und arbeitet somit unabhängig von den übrigen Unslice-Blöcken. Desweiteren wurde eine verlustfreie Farbkompression integriert, die Daten maximal auf die Hälfte verkleinern kann. Dadurch wird der Engpass beim Datentransfer vom und zum externen Speicher entlastet, in der Praxis wurden bei diversen Spielen im Mittel 11 % Geschwindigkeitszuwachs gemessen. Hinter der Unslice folgen eine (GT2), zwei (GT3e) oder drei (GT4e) sogenannte Sub-Slices, die per Clock- bzw.Power-Gating einzeln von der Taktversorgung bzw. Versorgungsspannung getrennt werden können. Dies macht z.B. bei der Wiedergabe eines Videos Sinn, das ja über einen Funktionsblock in der Unslice dekodiert wird. In jeder Sub Slice befinden sich schon wie bei Haswell 24 Schattierer, die Intel Ausführungseinheiten nennt, drei Textur-Sampler und die Raster-Endstufen. Letztere können pro Taktzyklus jetzt acht Pixel verarbeiten.
Um Energie sparen zu können, können mehrere Schattierer abgeschaltet werden. Sie sollen zudem eine schnellere Berechnung von Gleitkommazahlen bei halber Genauigkeit (16 bit) ermöglichen, was für Grafikschnittstellen wie OpenGL ES wichtig ist. Der L3-Cache jeder Sub-Slice (nicht zu verwechseln mit dem Last-Level-Cache) ist von 576 auf 768 KB angewachsen, dazu können diese bei GT3 und GT4 auch erstmals zu einem großen Cache zusammengelegt werden. Die Schreibrate in den Last-Level-Cache, den sich die Grafikeinheit mit den CPU-Kernen teilt, wurde ebenso erhöht wie die Anzahl der Einträge in den Warteschlangen des Last-Level-Cache und des GPU-eigenen L3-Caches. Dadurch muss die Grafikeinheit seltener Daten laden, was die effektive Bandbreite steigert und Raum für andere Operationen lässt, die über den Ringbus in den Last-Level-Cache laufen.
Das Embedded-DRAM wird weiterhin mit 1,6 GHz getaktet, neben einer 128- gibt es nun aber auch eine 64-MB-Version. Erstmals ist dieser Speicher statt als einfacher L4-Cache so als Zwischenspeicher für CPU-Cores und GPU ausgelegt, dass sie Daten unsichtbar für das Betriebssystem zwischenspeichern können. So können z.B. Daten für die Videowiedergabe statt in den Arbeitsspeicher in das Embedded-DRAM geschrieben werden, was nicht nur Energie spart, sondern natürlich auch die Zugriffszeiten verringert. Bild 7 zeigt die Einbindung des Embedded-DRAMs in die gesamte Cache-Architektur auf dem Chip. Es liegt jetzt als Memory Side Cache weiter außen direkt am Speicher-Controller, ist daher automatisch für CPU und andere per DMA zugreifende Hardware immer voll kohärent.
Energie sparen - richtig leider nur mit Windows 10
Bild 8. Mit der Speed-Shift-Technologie geht die Kontrolle über die Taktfrequenz vollständig vom OS auf den Chip über.
© IntelDie alten vom Betriebssystem verwalteten P-States haben mit Skylake ausgedient. Zumindest werden sie nicht mehr benötigt, Skylake kann weitaus schneller mithilfe autonomer Algorithmen in Hardware sowohl für CPU als auch für die GPU die jeweils optimale Taktfrequenz bestimmen. Speed-Shift hat Intel diese Technik getauft (Bild 8). Bisher bestimmte das Advanced Configuration and Power Interface (ACPI) und damit das Betriebssystem, ob der Prozessor mit vollem Takt läuft oder mit niedrigeren Frequenzen. Der Chip selbst konnte bisher lediglich den Turbo oberhalb der Nominalfrequenz festlegen. Unter Windows 10 – und bedauerlicherweise nur mit Windows 10 - übergibt das Betriebssystem nun fast vollständig die Kontrolle an den Prozessor. Das Betriebssystem soll nun eine sogenannte Energy/Performance Preference (EPP) vorgeben, anhand deren der Prozessor dann selbst entscheidet, in welchen P-State er schaltet. Weil dem Prozessor dafür nun die gesamte Bandbreite zwischen Minimaltakt und maximalem Turbo zu Verfügung steht, sollen Systeme noch schneller auf Eingaben reagieren. Die zweite Stromspartechnik namens Duty-Cycling hatten wir schon bei der Vorstellung von Broadwell vorgestellt. Damit kann der Prozessor nun selbständig die Ausführung für kurze Zeit unterbrechen und danach wieder aufnehmen. Trotz der Pausen wird die Aufgabe dabei nicht langsamer abgearbeit, weil die Prozessor in den Lastphasen mit höherem Takt läuft. In Summe (Energie = Lesitungsaufnahme x Zeit) wird schlichtweg weniger Energie verbraucht als bei einem Dauerbetrieb mit geringerer Taktfrequenz. Skylake bietet letztlich auch noch Verbesserungen bei den Energiesparmodi, insbesondere wurde der Modus S3 (Suspend to RAM) durch eine neue Funktion mit der Bezeichnung Disconnected Standby ersetzt. Dieser ist eng mit dem mit Windows 8 eingeführten Connected Standby verbunden und soll laut Intel ein besonders schnelles Wiederaufwachen ermöglichen–laut Intel weniger als eine halbe Sekunde im Vergleich zu ein bis drei Sekunden mit S3. Anders als bei Connected Standby hält das System bei Disconnected Standby aber Browser-Tabs oder E-Mail-Eingang nicht auf dem aktuellen Stand.
Um generell Energie einzusparen, hat Intel eine Menge zusätzliche Transistoren in allen Skylake-Chips implementiert: Nahezu alle Bestandteile können von der Spannungsversorgung per Power-Gating abgekoppelt werden, was Leckströme und damit eine sehr geringe, jedoch konstante Leistungsaufnahme verhindert. Im Detail sind das einzelne CPU-Cores, die GPU und deren Sub Slices, der Ringbus, der Last-Level-Cache und der System Agent. Außerhalb des eigentlichen Chips hat Intel zudem die Spannungsregler (FIVR) vom Package zurück aufs Mainboard verbannt. Insbesondere bei den Core-M klappte die Implementierung nicht wie gedacht, weswegen Intel bei den Haswell-Modellen einen Bypass legt, um die FIVRs zugunsten von traditionellen Spannungsreglern auf der Hauptplatine zu ersetzen.
Fazit - für wen Skylake wirklich etwas bringt
Skylake ist wenig überraschend mehr Evolution als Revolution. Für professionelle Anwender im Embedded-Umfeld dürften im Kontext des Internets der Dinge (IoT) die neuen Sicherheits-Features ebenso interessant sein wie bei zukünftigen Server-Chips im Bereich des Cloud-Computings. Intel hat die Schwachstellen der Vorgängerarchitekturen – soweit man überhaupt davon sprechen möchte – optimiert und einmal mehr konkurrenzlose Produkte für die x86-Architektur vorgestellt. Da ein ernsthafter Wettbewerb seitens AMD quasi nicht mehr existiert, heißt die Konkurrenz im x86-Umfeld folgerichtig Skylake beziehungsweise Core-i-Prozessoren der sechsten Generation gegen die Vorgängerprodukte auf Basis der Haswell-Architektur aus dem eigenen Haus.
Eine gute Mikroarchitektur wie Haswell unter der Rahmenbedingung "1 Prozent mehr Energieverbrauch muss 2 Prozent mehr Rechenleistung bringen" weiter zu verbessern, ist wahrlich keine einfache Aufgabe. Intels Design-Team in Haifa hat diese Aufgabe nach meiner Überzeugung sehr gut gemeistert, das große Problem ist jedoch die Software, d.h. ohne Windows 10 kann Skylake sein Potential nur bedingt oder gar nicht ausspielen. Die Frage ist, warum Systemadministratoren und Privatkäufer nach den letzten Microsoft-Desastern großes Interesse haben sollten, ein weiteres OS-Update einzuspielen, zumindest dann, wenn sie von den neuen Sicherheits-Erweiterungen im Befehlssatz nicht profitieren können.
Die Frage, inwieweit Skylake-Chips Intels PC- und Laptop-Verkäufe nach vorne bringen werden, wird wie immer nur der Markt beantworten können - es liegt an OEMs wie Dell & Co., sexy Geräte herauszubringen und die Kunden zu überzeugen, dass sie diese unbedingt brauchen werden. Dies bleibt freilich abzuwarten.





















