embedded world 2012

Stefan Kuppinger,

Embedded-Gremium

Standards für Embedded-Hardware- und -Software schneller zu entwickeln, ist das erklärte Ziel der in Gründung befindlichen Organisation „Standardisation Group for Embedded Technology“, kurz: SGET. Mit Advantech, congatec, Data-Modul, Kontron, MSC und Seco kann das junge Gremium bekannte Embedded-Anbieter als Gründungsmitglieder vorweisen.

Taufpaten der “Standardisation Group for Embedded Technology” (SGET): Wolfgang Eisenbarth (MSC), Christian Eder (congatec), Markus Mahl (Data-Modul), Gianluca Venere (Seco), Josef Behammer (Kontron) und Carsten Rebmann (Advantech) (v.l.n.r.).

© SGET


Etablierte Standardisierungsgremien wie die VITA (VMEbus International Trade Association) und die PICMG (PCI Industrial Computer Manufacturers Group) waren in der Vergangenheit sehr erfolgreich. Für etliche Embedded-Anbieter können sie allerdings nicht mehr mit den immer schnelleren Geschäfts- und Technologieveränderungen Schritt halten. Teilweise kollidieren die zur Standardisierung anstehenden neuen Technologien mit dem ursprünglichen Zweck der Vereinigungen: Eine PCI-fokussierte Organisation wie die PICMG hat nur eine geringe Motivation, Rapid-IO oder Hypertransport gleichberechtigt mit PCI in ihre Standards aufzunehmen. Software-Standardisierungen sind für die Hardware-orientierte Vereinigungen ein exotisches Thema, das in den Gremien nur zäh vorangebracht werden kann. Auch kam es aus Sicht der Board-Hersteller immer wieder zu Blockaden durch Zulieferer von Chips und Steckverbindern. Sie wollten die Board- oder System-Standards so gestalten, dass ihre Wettbewerber ausgeschlossen sind. Dies ist aber nicht im Sinne der Board-Hersteller, die möglichst flexible und universelle Lösungen anbieten wollen.

Aus diesen Fehlern hat die SGET gelernt und setzt auf eine schlanke und flexible Struktur. Die Vereinigung will Arbeitsgruppen eine Plattform bieten, die neue Embedded-Standards entwickeln wollen. Die Ratifizierung der künftigen Standards erfolgt ebenfalls durch die Mitglieder der Arbeitsgruppe. Stimmberechtigt ist, wer hauptsächlich im Bereich des neuen Standards geschäftlich aktiv ist: Beispielsweise dürfen nur Board-Anbieter auch über Board-Standards abstimmen; Chip- oder Steckverbinderhersteller haben in diesem Fall kein Stimmrecht.

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Konkurrenz ausdrücklich erlaubt

Die Aktivitäten der SGET sollen sich ausdrücklich nicht nur auf Board-Standards konzentrieren, sondern auch Software-Themen aufgreifen, die viel zur Kompatibilität und Austauschbarkeit der Boards beitragen und seit Jahren eine immer größere Bedeutung bei der Systemauswahl erfahren. Egal in welchem Bereich eine Gruppe von Mitgliedern einen Handlungsbedarf sieht, sie kann die Arbeit aufnehmen, auch wenn dadurch Konkurrenzsituationen zwischen einzelnen SGET-Standards entstehen. Dass dies nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, zeigen die aktuellen Bemühungen der Gründungsmitglieder, die „Qseven“-Spezifikation (MSC und congatec) sowie Kontrons „ULP-COM“ (Ultra Low Power Computer-on Modules) als erste Arbeitsgruppen zu etablieren.

Beide Standards können ARM-Prozessoren nutzen und verdeutlichen eine weitere Motivation der Gremiumsgründer: Die ARM-Architektur und das Linux-basierte Betriebssystem Android stellen eine interessante Erweiterung der Geschäftsmöglichkeiten den Unternehmen dar, die bislang auf x86-basierte Prozessoren fokussiert waren. Die Blockade durch etablierte Interessensgruppen ist deshalb nicht erwünscht. Zugleich wird für die seit Jahren im ARM-Bereich aktiven Anbieter eine neue Plattform geschaffen, die auch deren Bedürfnisse berücksichtigen.

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