100 Jahre Conrad Electronic
»Was uns schon immer angetrieben hat, ist unser Pioniergeist«
Am Anfang stand das Radio: Vor 100 Jahren lieferte Firmengründer Max Conrad den ersten Radiobausatz aus. Heute ist Conrad Electronic eine internationale Beschaffungsplattform. CEO Ralf Bühler spricht im Interview über schwierige Entscheidungen und Cross-Border-Beschaffung.
Ralf Bühler, CEO von Conrad Electronic
© Conrad ElectronicHerzlichen Glückwunsch zu 100 Jahren Conrad Electronic! Im Rückblick: Was war der bedeutendste Meilenstein Ihres Unternehmens?
Ralf Bühler: Der wichtigste Meilenstein? Puh, das ist bei einem ganzen Jahrhundert Firmengeschichte echt eine schwierige Frage. Schon in den ersten Jahren unserer Firmengründung waren wir mit Bauteilen für die damals revolutionären Medien Radio und Fernsehen am Puls der Zeit. Und genau das ist die Conrad-DNA: Was uns schon immer angetrieben und vorangebracht hat, ist unser Pioniergeist und unsere Innovationsbereitschaft. Lassen Sie mich das an drei unserer wichtigsten Meilensteine deutlich machen: 1976 haben wir eine EDV-Anlage eingeführt. Auch hier waren wir ganz vorne mit dabei und schon ein Jahr später in der Lage, täglich 1.000 statt bislang 150 Pakete zu versenden. 1997 waren wir einer der ersten unserer Branche im World Wide Web und von heute auf morgen gingen 30.000 Produkte auf conrad.de online. Und 2017 dann läutete der Launch des Conrad Marketplace unsere Transformation zur Conrad Sourcing Platform ein, um Europas führende Beschaffungsplattform für technischen Bedarf zu werden.
In 100 Jahren geht es nicht nur rosig zu – was war aus Ihrer Sicht die schwierigste Zeit für das Unternehmen?
Bühler: Wer sich 100 Jahre erfolgreich am Markt behaupten will, der muss bereit sein, sich zu verändern. ‚Unternehmerisch denken‘ heißt in diesem Zusammenhang dann auch, hin und wieder schwierige Entscheidungen treffen zu müssen. Ich denke hier zum Beispiel an wirtschaftlich notwendige Filialschließungen. Auf den Trend, dass immer mehr Privatkunden im Internet einkaufen, mussten wir reagieren. Und glücklicherweise haben wir diese Entwicklung vorhergesehen und uns frühzeitig auf das besonnen, woher wir kommen, wer wir sind und was wir gut können: Schon immer wollen wir mehr sein, als einfach nur Technikhändler.
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Wir verstanden und verstehen uns als Lösungsanbieter für unsere Kundinnen und Kunden, vor allem auch im B2B-Bereich. Bereits 1998 haben wir das Geschäftsfeld Conrad Business Supplies gegründet, um verstärkt Unternehmen anzusprechen. In den vergangenen Jahren wurde immer deutlicher, dass vor allem unsere Geschäftskunden unsere langjährige Erfahrung am Markt schätzen und uns als starken und verlässlichen Beschaffungspartner wahrnehmen. Unsere Lösungen und Leistungen im E-Procurement-Bereich wurden im Zuge dessen immer besser angenommen. Gleichzeitig bietet unser kuratierter Online-Marktplatz einen echten Mehrwert für diese Kundengruppe. So wurde aus einer herausfordernden Zeit der neue Conrad-Weg. Und ich bin stolz, dass wir heute einen Großteil dieser Transformation erfolgreich geschafft haben.
Wie sieht denn die Roadmap für die nächsten zehn bis 15 Jahre aus?
Bühler: Es sind drei große Themen, die wir auf der Agenda haben: Ganz klar liegt unser Fokus auch weiterhin auf dem klassischen E-Commerce, also unserer seit Jahrzehnten gewachsenen Kernkompetenz als Händler. Aufgabe Nummer zwei ist es, Unternehmen bei der erfolgreichen Bewältigung komplexer Beschaffungsprobleme zu unterstützen, womit wir beim Thema digitale Direktanbindung an unsere Plattform bzw. E-Procurement sind. Und wir wollen uns als Beschaffungsplattform für Geschäftskunden auf dem europäischen Markt weiter etablieren. Stichwort Internationalisierung und Cross-Border-Beschaffung.
Technologische Trends und Herausforderungen
Roundtable anlässich der 100-Jahr-Feier: Conrad-CEO Ralf Bühler (2.v.l.) diskutiert mit Florian Deter (2.v.r.), Geschäftsführer bei Microsoft Deutschland, und Dr. Daniel Holz (r.), Vice President EMEA North bei Google, zum Thema KI – moderiert von TV-Journalistin Caren Miosga.
© storytile/Mirja KoflerWelche technologischen Trends sehen Sie, die für Conrad Electronic wichtig sind beziehungsweise werden und wie gehen Sie diese an?
Bühler: Im Moment sehen wir einen absoluten Trend beim Thema Cobots. Mit einem kollaborierenden Roboter können auch kleinere und mittelständische Betriebe die Vorteile der Automation nutzen. Cobots lassen sich einfach in bestehende Arbeitsumgebungen integrieren und sind auch finanziell deutlich besser zu stemmen als ein klassischer Industrieroboter. Abgesehen davon, dass wir Cobots im Sortiment haben, wollen wir mithilfe von Ratgebern, einem Whitepaper und maßgeschneiderten Services Unternehmen bei der Auswahl eines für sie passenden Cobots aktiv unterstützen. Auch bei diesem Trendthema geht es also darum, mehr als nur Technikhändler zu sein, sondern als Lösungsanbieter unseren Teil zum Erfolg der Projekte unserer Geschäftskunden beizutragen.
Was glauben Sie, was wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre, geschäftlich und/oder technisch?
Bühler: Ich denke, dass das Thema KI und vor allem ihr richtiger Einsatz uns in den kommenden Jahren beschäftigen wird. Denn dieser macht für Unternehmen nur dann Sinn, wenn er echten Mehrwert bringt. Kürzlich habe ich im Rahmen unseres 100 Jahre Events an einer Podiumsdiskussion zum Thema KI teilgenommen: Wir haben dafür Florian Deter, Geschäftsführer bei Microsoft Deutschland, und Dr. Daniel Holz, Vice President EMEA North bei Google, gewinnen können. Kundengewinnung und Automatisierung mit KI haben diese beiden Experten als wichtige Einsatzgebiete genannt. Und auch die Risiken von KI standen im Raum und wir alle waren uns einig, dass sowohl der Gesetzgeber als auch die Anbieter von KI den richtigen Rahmen setzen müssen.
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Und natürlich wird es ganz generell darum gehen, wie wir unsere Lieferketten sichern. Wie wir unsere Effizienz optimieren können, um im globalen Wettbewerb mit der Konkurrenz Schritt zu halten. Und wie wir nachhaltiger mit Ressourcen umgehen, um unserer Verantwortung gegenüber künftigen Generationen gerecht zu werden. Wir bei Conrad sind der Überzeugung, dass die digitale Beschaffung Antworten darauf liefern kann. Deshalb gibt es die Conrad Sourcing Platform – ein Netzwerk aus Menschen, digitalen Lösungen, Services und Partnern, um unseren Kunden alle Teile des Erfolges zu liefern.














