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Artikel und Hintergründe zum Thema

VDMA Elektrische Automation

Andrea Gillhuber,

Verdoppelung des Halbleiterbedarfs bis 2030 erwartet

Der VDMA-Fachverband Elektrische Automation untersucht in einer neuen Studie den Halbleiterbedarf der Branche. Das Ergebnis lässt aufhorchen, bietet aber auch Chancen. Eine konjunkturelle Erholung wird im 2. Halbjahr 2024 erwartet.

© VDMA

Um real 27 % ging der Auftragseingang der Elektrischen Automation in den ersten neun Monaten 2023 zurück, meldete der VDMA-Fachverband Elektrische Automation anlässlich seiner Pressekonferenz auf der SPS. Der Umsatz stieg jedoch real um 1 %. Zurückzuführen ist dies mit dem Abarbeiten bestehender Aufträge sowie auf die vollen Lagerbestände bei Kunden, die jetzt reduziert werden. Erst wenn die Lager beim Endkunden leer sind, wird der Auftragseingang wieder ansteigen.

Alle Teilbereiche der Elektrischen Automation verzeichnen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Rückgänge bei den Auftragseingängen: Im Bereich ‚Sensorik‘ gingen die Bestellungen um 20 % zurück, der Umsatz um 3 %; die ‚Steuerungstechnik‘ wies einen Rückgang von 36 % im Auftragseingang bei einem gleichzeitigen Umsatzwachstum von 5 % auf. Der Bereich ‚Sonstige Erzeugnisse‘ verzeichnete ein Minus von 35 % bei der Nachfrage und ein Umsatzplus von 6 %. In allen drei Bereichen überstieg die Nachfrage aus dem Ausland die Inlandsnachfrage. Aufgrund des noch vorhandenen Auftragsbestands rechnet die Elektrische Automation für 2023 noch mit einem leichten Umsatzplus von real 1 %. Voraussetzung dafür ist, dass sich die geopolitischen Krisen nicht weiter zuspitzen.

»Die Branche erwartet für den Jahresbeginn 2024 eine anhaltend angespannte Auftragslage und damit verbunden auch einen stagnierenden Umsatz. In der zweiten Jahreshälfte wird mit einer Erholung gerechnet«, prognostiziert Jörg Freitag, Vorstandsvorsitzender des VDMA Elektrische Automation.

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Engpässe bei Halbleiter - neue Studie

Immer noch kommt es in Europa zu Engpässen bei der Halbleiterversorgung. Der VDMA untersuchte die Lage in einer Studie: ‚Die Chipknappheit – Herausforderungen und Chancen für den Maschinen- und Anlagenbau in Europa‘ zeigt die Dringlichkeit einer gesicherten Versorgung und Wege zur Lösung der Engpässe bei Halbleitern auf. Im Rahmen dessen fand eine Mitgliederbefragung in den Fachverbänden Elektrische Automation, Antriebstechnik, Fluidtechnik sowie in der Fachabteilung Machine Vision statt, bei denen speziell der Halbleiterbedarf in den elektronikherstellenden Branchen ermittelt wurden. Demnach wird zwischen 2023 und 2030 eine Verdopplung des Halbleiterbedarfs über alle Halbleiterbauelemente hinweg erwartet. Außerdem wird konstatiert, dass der industrielle Halbleiterbedarf sich überwiegend in den größeren Strukturen (180 – 350 nm) abspielt. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Entwicklungen am Halbleitermarkt, unter anderem dem subventionierten Aufbau einer europäischen Halbleiterindustrie, befürchtet die Elektrische Automation langfristig eine strukturelle Verknappung der Halbleiterbauelemente, welche für die Industrie benötigt werden. »Wir freuen uns, dass die Mitgliederbefragung zu so eindeutigen Ergebnissen gekommen ist und den Bedarf der Ausrüsterindustrie nach Halbleitern hoher Strukturgrößen sehr deutlich aufgezeigt hat«, so Dr. Thomas Bürger, stellv. Vorstandsvorsitzender des VDMA Elektrische Automation. »Damit adressieren wir unsere Bedarfe gegenüber der Halbleiterindustrie und der Politik.«

Manufacturing-X wird neu ausgerichtet

Manufacturing-X ist eine gemeinsame Initiative von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, die sich das Ziel gesetzt hat, einen Datenraum für Industrie 4.0 aufzubauen. Dieser soll eine skalierungsfähige Datenökonomie ohne zentrale Plattformstrukturen ermöglichen. Hierzu hat das BMWK bereits im August 2023 ein Förderprogramm mit einem Volumen in Höhe von 152 Mio. Euro veröffentlicht, welches unter fachlicher Begleitung und Unterstützung des VDMA im Rahmen der Plattform Industrie 4.0 entstanden ist. Im Zuge dessen wird das VDMA Forum Industrie 4.0 für eine Bündelung der Kompetenzen in Sachen Manufacturing-X im Jahr 2024 neu ausgerichtet und personell aufgestockt. Um die einzelnen Aktivitäten und Leistungsbausteine fachverbandsübergreifend auf einer ‚Landingpage‘ zusammenzufassen, hat der VDMA die Themenseite Manufacturing-X eingerichtet.

Hier befinden sich alle relevanten Informationen und Veranstaltungen zum Thema Manufacturing-X, unter anderem die im August veröffentlichte ‚Bauplanstudie: Datenraum Manufacturing-X‘, welche von VDMA, ZVEI und Fraunhofer-Gesellschaft erstellt worden ist. Der Fachverband Elektrische Automation engagiert sich zum Thema Manufacturing-X, da eine industrielle Datenökonomie dort beginnt, wo Produktionsdaten entstehen. Und zwar in den Technologien und Komponenten der Elektrischen Automation, welche dann im Rahmen eines Datenökosystems Hand in Hand mit der IT-Welt gehen.

Neuigkeiten aus der Arbeitsgemeinschaft ‚Wireless Communications for Machines‘

Mit 107 Mitgliedern hat sich die Arbeitsgemeinschaft Wireless Communications for Machines (AG WCM) in den zweieinhalb Jahren seit ihrer Gründung etabliert. Im nächsten Jahr wird die AG WCM eine ‚Wireless Roadshow‘ veranstalten. Mit informativen Keynotes, interaktiven Workshops, live-Demonstrationen und exklusiven Factory- und Labtours werden Antworten auf wichtige Fragen der Industrie gegeben, mit einem klaren Fokus auf praktische Anwendungen.

Die AG WCM hat eine Kooperation mit dem Fachverband Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen begonnen. Diesbezüglich wird ein erster Workshop Anfang 2024 zusammen mit der Branche der Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenhersteller durchgeführt. Dabei werden u. a. die Themen Retrofit, Skalierbarkeit, Energieeffizienz und Prozessüberwachung adressiert, welche zukunftsrelevant für die Unternehmen sind.

Betroffenheit der Elektrische Automation durch drohendes PFAS-Verbot

Die EU-Kommission plant ein Pauschalverbot für die Stoffgruppe der PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) im Rahmen der REACH-Verordnung. Ein ausnahmsloses Verbot von PFAS hätte verheerende Folgen für die Unternehmen der Elektrischen Automation, da diese in vielen Komponenten der Elektrischen Automation erforderlich sind und schwer substituierbar sind. Der Fachverband Elektrische Automation hat sich an der PFAS-Konsultation bei der zuständigen europäischen Behörde ECHA mit einer Branchenstellungnahme beteiligt.

Der Fachverband fordert eine Ausnahme für Elektronik- und Automatisierungskomponenten, welche in Maschinen und Anlagen eingesetzt werden. Ersatzstoffe haben derzeit nicht die erforderlichen Materialeigenschaften, unter anderem Temperaturbeständigkeit, Feuerfestigkeit, chemische Beständigkeit, und es existiert kein offener Stoffkreislauf in die Umwelt. Zusätzlich besteht die Forderung nach einer Ausnahme für langkettige Fluorpolymere (polymers-of-lowconcern), die von der Forschung als unbedenklich angesehen werden. Käme ein vollständiges PFAS-Verbot, würden in Europa moderne Automatisierungslösungen nicht mehr zur Verfügung stehen, wodurch nachgelagert keine modernen und leistungsfähigen Maschinen mehr gebaut werden können. Dadurch wären gesamte Produktionsprozesse im Maschinen- und Anlagenbau gefährdet, welche u. a. unverzichtbar für die Energiewende sind. Dies hätte dramatische Auswirkungen auf die europäische Wettbewerbsfähigkeit und Lieferkettenstabilität bis hin zur Grundversorgungssicherheit für die Menschen.

Aufgrund der Betroffenheit der Elektrischen Automation mit Verkettung zum Maschinen- und Anlagenbau unterstützt der Fachverband die Gesamtinitiative des VDMA zu PFAS.

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