Lieferengpässe bremsen Aufschwung
Trotz Unsicherheiten kräftiges Exportplus 2021 erwartet
Die Industrie klagt über Materialmangel, der die Produktion bremst. Containerkapazitäten zum Warentransport sind nur schwer zu bekommen. Wie kommen Deutschlands Exporteure durch das zweite Corona-Jahr?
Trotz Problemen bei Lieferketten rechnet der Außenhandelsverband BGA weiter mit einem kräftigen Exportplus von 13 % in diesem Jahr. »Wir bleiben bei unserer Prognose für das Gesamtjahr, auch wenn es zahlreiche Unsicherheiten gibt«, sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Belastet werde das Geschäft der Exportunternehmen vor allem durch einen Mangel an Containerkapazitäten, Hafenschließungen in China nach Corona-Ausbrüchen und Einreiseverbote in die USA wegen der Pandemie.
»Anhaltend große Lieferketten-Probleme dämpfen die wirtschaftliche Erholung: Fehlende Ware, rasant steigende Containerpreise und mangelnde Verlässlichkeit bestimmen aktuell den unternehmerischen Alltag und sind eine immense Herausforderung«, sagte Börner. Auch wegen der weltweiten Konjunkturerholung sei es derzeit sehr schwierig, freie Containerkapazitäten zu bekommen.
»Immer wieder müssen zudem Schiffsbesatzungen wegen Corona-Ausbrüchen in Quarantäne«, berichtete Börner. Fortschritte bei Impfungen gegen das Virus sind aus seiner Sicht daher sehr wichtig. »Ich kann immer wieder nur appellieren: impfen, impfen.«
Gerät Europa zwischen China und USA?
Im ersten Halbjahr stiegen die Ausfuhren von Waren »Made in Germany« um 16,7 % auf 673,1 Mrd. Euro gegenüber den ersten sechs Monaten 2020. Im vergangenen Jahr hatte die Corona-Krise tiefe Löcher in die deutsche Exportbilanz gerissen.
Sorgen bereiten dem BGA-Präsidenten wachsende Spannungen zwischen weltgrößten Volkswirtschaften USA und China. »Die deutsche Wirtschaft muss zwischen den beiden Polen durchnavigieren«, sagte Börner. »Ich habe große Sorge, dass Europa zwischen die Mühlsteine USA und China gerät.«
Börner sieht weltweit zunehmend autokratische Tendenzen, nicht nur in China, sondern auch in Europa. »Davor dürfen wir nicht die Augen verschließen. Die Europäische Union muss in der Lage sein, Machtpolitik umzusetzen«, forderte Börner. »Wenn sie es nicht macht, stärkt sie Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping oder Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban. Auch die Amerikaner nehmen uns dann letztlich nicht mehr ernst«, sagte der BGA-Präsident. Er hofft nach eigenen Worten, dass die Angst vor der »Menschheitskatastrophe« Klimawandel die USA und China zurück an den Verhandlungstisch bringt. »Wir brauchen ein regelbasiertes Miteinander.«
DIHK: Lieferengpässe bremsen Aufschwung
Ob Stahl, Kunststoff oder Halbleiter: Solche Rohstoffe und Vorprodukte sind für deutsche Unternehmen schwer zu bekommen. 83 % der Unternehmen haben es nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) mit Lieferengpässen und Preissteigerungen zu tun. »Diese Lieferkettenprobleme haben sich aufgetürmt in diesem Jahr«, sagte DIHK-Außenhandelsexperte Volker Treier am Donnerstag. Die weltweiten Handelsbeziehungen seien massiv gestört, die Unternehmen treffe das mit Wucht. »Es wird gerade der Konjunkturaufschwung ausgebremst«, warnte Treier.
Die Engpässe entstehen demnach, weil Produktions- und Transportkapazitäten fehlen, um eine wachsende Nachfrage zu bedienen. Knapp seien etwa weiterhin Container. Weil weniger Menschen fliegen, gebe es auch weniger Möglichkeiten, Waren im Frachtraum von Passagiermaschinen zu befördern. Gleichzeitig führen Corona-Beschränkungen zu Produktionsausfällen.
Die Probleme erschwerten die wirtschaftliche Erholung, hieß es. Wenn es gut laufe, werde die Wirtschaft Mitte 2022 an das Vor-Krisen-Niveau anknüpfen.
Knapp sind vor allem Stahl, bestimmte Vorprodukte wie Mikrochips, Kunststoffe, Holz, Aluminium und Kupfer, auch Verpackungen. Bei zwei Dritteln der betroffenen Unternehmen führe das zu höheren Preise auch für die Kunden.













