Eplan
Mechatronische Standards ein Muss
Die Friedhelm Loh Gruppe will sich mit Eplan und der erst im September zugekauften Cideon AG zu einem führenden Lösungsanbieter im Elektro- und Mechanik Engineering entwickeln. Maximilian Brandl, Vorsitzender der Eplan-Geschäftsführung, erläutert, wo er die größten Hürden auf dem Weg zu einem funktionierenden mechatronischen Engineering sieht.
Herr Brandl, bei der Übernahme von Cideon betonten Sie, dass Sie sich zu einem führenden Anbieter im Engineering entwickeln wollen, was Produkte, aber auch die Prozessberatung und Implementierung betrifft. Wie sehen Sie denn den Beratungsbedarf in Ihrem Kundenkreis? Wo müssen die Maschinenbauer überwiegend noch abgeholt werden?
Aus Marktsicht haben wir es mit volatilen, teils gesättigten Märkten und steigendem Wettbewerbsdruck auf globaler Ebene zu tun. Beispiel China: Stammdaten, Standards und Engineering-Prozesse ziehen immer mehr gleich mit deutschen Qualitätsmaßstäben und werden teilweise auf der 'grünen Wiese' sogar noch konsequenter umgesetzt. Insofern ist gerade der deutsche Maschinenbau einmal mehr gefordert, seine Marktposition durch exzellente Prozesse und das gewohnt hohe Qualitäts- und Engineering-Niveau - verbunden mit einem hohen Grad an Prozessautomatisierung - auszubauen. Entsprechendes Variantenmanagement hilft, effizienter, flexibler und dennoch variantenreich zu produzieren.
Um die einzelnen Disziplinen – M-CAD, E-CAD und Automation – sauber über Schnittstellen zusammenführen zu können, müssen die Anwender in den einzelnen Disziplinen zunächst einmal firmenweite Standards schaffen. In wie weit setzen dies Ihre Kunden heute schon um? Wie können Sie Ihre Kunden bei dieser Aufgabe unterstützen?
Durchlaufzeiten zu reduzieren durch mechatronische Standards und interdisziplinäre Datendurchgängigkeit sind Kernthemen unserer Beratung. Zwar ist die Notwendigkeit der Standardisierung flächendeckend erkannt, jedoch nicht flächendeckend in den Unternehmen umgesetzt. Aus Maschinensicht muss ein Unternehmen überlegen, wie ein Serienprodukt mit Varianten definiert werden kann. Dabei gibt es durchaus Hürden, die sich eher in den Köpfen befinden als in der möglichen technologischen Umsetzung. Ohne einen Change-Prozess geht es nicht, und dieser muss vom Management getrieben werden. Für unsere Consultants sind das 'daily business' - die Konzepterstellung, Ist-Analyse, Soll-Konzept und Implementierung. Sobald Komponenten und Schaltungsanteile standardisiert sind, kann auch das Engineering automatisiert werden. Das startet mit dem EEC One, das wir zur SPS IPC Drives in 17 Sprachen vorstellen und führt weiter bis zum funktionalen Engineering per Eplan Engineering Center.
Sind Ihrer Meinung nach heute die einzelnen Schritte des ganzen Entwicklungsprozesses mit den notwendigen Tools schon abgedeckt. Oder gibt es noch Produkt-Lücken?
Viele Bereiche sind abgedeckt, aber bei veränderten Prozessen tun sich immer wieder neue Anforderungen auf. Ein aktuelles Beispiel ist die Vorplanung: In einer frühen Projektphase braucht der Konstrukteur schon relativ viele Informationen in Richtung Disposition, Langläufer oder Kalkulation. Um diese Informationen zu erhalten, konstruieren einige Ingenieure (unnötigerweise) schon tief im Detail. Mit unserem neuen Vorplanungstool lassen sich wesentliche Informationen vom ersten Moment einer Planung ableiten und weiterverarbeiten. Beispielsweise bei der Konzeption einer Förderanlage gibt es frühzeitig ein Mengengerüst, das die Länge der Förderstrecke, Drehtische oder Hubtische mit einschließt. Diese funktionale Sicht eines Hallenlayouts ermöglicht, dass direkt kalkuliert oder bestellt werden kann.
Auf der Hannover Messe haben Sie erstmals einen Gemeinschaftsstand begründet, auf dem neben Eplan auch Automatisierungsanbieter und Kunden das Zusammenspiel ihrer Produkte mit den Software-Tools von Eplan zeigten. Wie war die Resonanz hierauf? Wie verfolgen Sie diesen Weg der interdisziplinären Zusammenarbeit weiter?
Dieses Konzept ist hervorragend angenommen worden, so dass wir unsere 'Community of efficient engineering' jetzt auch in Nürnberg präsentieren. 18 Unternehmen – von ABB bis Festo, von Rockwell Automation bis Siemens, stellen ihre Lösungen und Schnittstellen im Umfeld des Engineerings mit Eplan vor. Kopplungen von SPS-Programmiersystemen sichern, dass Hardware- und Software-Planung bidirektional abgeglichen werden Die Fertigungsintegration bis hin zur Übernahme von Engineering-Daten für Simulationsmodelle sind weitere Stationen der Community – ebenso die PDM-, PLM- und ERP-Integration. Dadurch lassen sich vorhandene Systeme, die beispielsweise bislang vorwiegend im Bereich der Mechanik eingesetzt werden, durchgängig für den kompletten Produktentstehungsprozess nutzen.
Welches ist denn das Produkt, das Sie auf der Messe zeigen und das Sie als das Highlight Ihres Messeauftrittes bezeichnen würden?
Die neue Eplan Plattform 2.3 mit dem Vorplanungstool ist sicher unser Highlight, was die Produktebene angeht. Weiteres Trendthema ist 'Mobile Engineering'. Hier positionieren wir uns sehr erfolgreich mit einer neuen Eplan View App, die seit August bereits über 1.200 Downloads erzielt hat. Anwender können damit intelligente Maschinendokumentationen bequem auf ihrem iPad einsehen - falls gewünscht auch unabhängig von einem Internetzugang. Der Anwender wird flexibler und die Prozesse in Engineering, Inbetriebnahme und Instandhaltung werden beschleunigt.










