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Artikel und Hintergründe zum Thema

20 Jahre FBDi e.V.

Andrea Gillhuber,

Dienstleister der Dienstleister

Der Fachverband der Bauelemente-Distribution feiert 20jähriges Jubiläum. Geschäftsführer Andreas Falke spricht im Interview darüber, wie sich das Geschäftsmodell der Distributoren durch Digitalisierung und Globalisierung verändert haben.

© sittinan/stock.adobe.com

Wie haben sich die Aufgaben des Verbandes in den letzten zwei Jahrzehnten verändert?

Andreas Falke, Geschäftsführer des FBDi e.V.

© FBDi

Andreas Falke: Ein Fachverband wie der FBDi ist auch ein Spiegelbild seiner Mitglieder – die Veränderungen, die in den letzten 20 Jahren für die Distribution galten, reflektieren sich in der Arbeit und der Positionierung des FBDi. So unterschiedlich unsere Mitgliederstruktur auch ist, die im FBDi vertretenen Distributoren vereinen die Themen Regulatorik – vor 20 Jahren hauptsächlich auf nationaler Ebene und heute EU-weit angesiedelt –, die Marktentwicklung sowohl das Interesse als auch die Bereitschaft, über die Grenzen Europas hinauszudenken. Vor 20 Jahren war die Regulatorik bei weitem noch nicht so ausgeprägt wie heute, und auch die Digitalisierung belegte in der Distribution einen viel niedrigeren Stellenwert. Entsprechend hat auch der FBDi in seinen Competence Teams immer komplexere Themen zu behandeln, um den Mitgliedern einen Informationsvorsprung, Rechtssicherheit und einen damit einhergehenden Mehrwert zu bieten – als Dienstleister der Dienstleister.

Was war aus Ihrer Sicht die schwierigste Zeit für die Distribution?

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Die schwierigsten Zeiten sind oft genug die Zeiten, in denen Distributoren sich in hohem Maße weiterentwickelt haben. So gesehen waren es rückwirkend gesehen wieder sehr gute Zeiten – aber steckt man mittendrin…

Durch die digitale Transformation sind komplett neue Geschäftsmodelle und Prozesse entstanden; im Handel generell – man denke an Marketplaces wie Amazon –, aber auch in der Distribution verlagert sich viel aus dem Offline- ins Online-Geschäft. Der Unterschied zu den Marketplaces ist: In der Distribution muss eine hohe Versorgungssicherheit der Produktion gewährleistet werden, und ergänzend dazu muss die Onlineleistung in sehr individualisierter Weise die Offline-Kooperation unterstützen.

Die Distribution hat sich dabei in den letzten Jahren massiv zur Effizienzmaschine gewandelt nach dem Motto ‚immer mehr Leistung für immer weniger Marge‘. Sie wird immer wieder in Frage gestellt. Wenn es tatsächlich möglich wäre, die Distribution einfach zu ersetzen, wäre das seitens der Hersteller oder Kunden schon passiert. Geht aber nicht, weil immer wieder Marktdynamiken die Prozesse ‚challengen‘ und akribische Planungen durch chaotische Realitäten ad absurdum geführt werden. Hier braucht es Pragmatiker und Realisten, die ihre Perspektiven wechseln und mal den Kunden, mal den Hersteller als Diplomat im jeweils anderen Lager vertreten und verbinden. Dabei muss Distribution auch noch vollkommen unterschiedliche Zeithorizonte miteinander verbinden – eben das Mooresche Gesetz mit allen seinen Ausprägungen, einerseits mit dem industriellen Kontext der langfristigen Amortisation, und andererseits mit zertifizierten Garantien über Lebenszyklen, die über Dekaden hinausreichen.

Das alles hat die Distribution in den letzten 20 Jahren unter Druck verfeinert – die Jahre waren bestimmt nicht einfach, aber aus Druck entstehen eben auch Diamanten.

Wie wird sich die Distribution in den nächsten zehn bis 15 Jahre entwickeln?

Perspektivisch bleibt es die größte Herausforderung, als Bindeglied zwischen Zeitenwende und unterschiedlichen Geschwindigkeiten in Regulatorik, Industrie und Komponentenwelt auf einem globalen Planeten, der langsam wohl wieder größere Entfernungen zwischen den Blöcken bekommt, nicht zerrissen zu werden. Das gilt für die Distributoren in besonderem Maße und für den Verband der Distributoren auch. Distribution wird die erfahrenen Veränderungen und Prozesse weiterentwickeln – hier wird KI definitiv eine große Rolle spielen – und die Effizienzerfordernisse durch Kostendruck weiter erhöhen.

Die große Frage wird sein: Wie heiß wird das Klima? Und hier meine ich nicht die Erderwärmung, sondern das politische Klima. Die Deglobalisierung wird für die Elektronik nicht einfach funktionieren, denn die regionale Produktion von Halbleitern ist kaum vorstellbar. Die Hauptaufgabe der Distribution wird jenseits von Allokation und Rollercoasterzyklen vielleicht wieder einen Verfügbarkeitsfokus bekommen. Größere geopolitische Spannungen bedeuten geringere Versorgungssicherheit, da unkalkulierbarere Risken weniger präzise Planungen zulassen.

Aber auch die Competence Teams bahnt sich mehr Arbeit an, weil Spannungen sich in Sanktionen und Regulatorik niederschlagen, die Importeure zu beachten haben werden. Hier geht es nicht nur um Umweltanforderungen, sondern auch um die Einfuhr von Waren aus Drittländern. Heute müssen Distributoren hohe administrative und kommunikative Anforderungen erfüllen und tragen auch juristische Verantwortung. Dieser zusätzliche Aufwand aber auch die damit verbundenen Risiken belasten nicht nur die Rentabilität der Distribution, sondern können auch zu kritischen Situationen in der Lieferkette führen. Hier kommt uns die intensivere Kommunikation mit den Mitgliedern über fachspezifische Webkonferenzen zugute, die ein deutlich agileres Verbandsleben geschaffen haben.

Welche technologischen Trends sehen Sie, die für Distribution wichtig sind beziehungsweise werden?

Nun, da gibt es schon einige gesetzte Technologien, die unser aller Leben beeinflussen werden: Sicherlich wird KI eine große Rolle spielen, in Europa allerdings nicht so stark als Volumen-Treiber wie in Asien und USA. Dennoch wird sie in der Distribution viele Prozesse unterstützen und beschleunigen, man denke nur an das Backoffice und die Logistik. Quantentechnologie wird die Geschwindigkeit der Hardware potenzieren – hier passieren gerade dramatische Veränderungen, die in vielen Fällen nicht auf den ersten Blick sichtbar sind.

In Europa werden wir mit kleineren Volumen zu tun haben, High Volume passiert ja in Asien und USA. Hier rechnen wir damit, dass die Distributoren sehr stark im Bereich der regenerativen Energien und Smart Solutions mit mittelständischen Kunden wachsen werden. Gute Zuwächse erwarten wir in Europa auch bei der KI-Infrastruktur, die eben nicht nur Prozessor und Memory ist. Für die Distributoren in Europa könnte zukünftig auch Automotive eine noch wichtigere Rolle spielen. Es ist durchaus denkbar, dass aufgrund der neuen boomenden Märkte und damit einhergehender Prioritätenverschiebung das anteilig schrumpfende Geschäft partiell stärker über Distribution laufen wird.

Was glauben Sie, was wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre?

Überleben. Wollen Sie es genauer? Pragmatismus wahren und Chancen ausarbeiten – nicht nur für die Distribution, sondern für uns alle und überall. Wir fallen als Gesellschaft auseinander, und meine größte Sorge ist, dass wir uns Meinungen hingeben und ohne Fakten in sinnentleerte Blasen auseinanderdividieren lassen.

Für mich ist die Utopie der Kommunikation und des Miteinanders noch nicht verloren, aber wenn ich höre, dass jeder vierte Deutsche in einem Land, in dem es kaum existenzielle Nöte, aber umgekehrt proportional viel Panik(mache) gibt, nicht mehr an unsere Demokratie glaubt, dann schaudert es mich.

Wir in Europa spielen im Spannungsfeld der Geopolitik in Europa nicht die Rolle der Hauptopponenten, sondern sind eher Streitmasse. Wir werden immer wieder im Europa des ‚Low Volume / High Mix‘ um unsere Versorgungssicherheit kämpfen müssen – und das geht nur, wenn wir niedrige Volumen mit hoher Variantenzahl logistisch und planerisch beherrschen. Dazu müssen wir (auf-)kommende Herausforderungen erkennen, kommunizieren und lösen. Wir dürfen nicht aufhören, den europäischen Mittelstand als unseren Hauptkunden individuell zu bedienen, um ihn in seinem internationalen Wettbewerbsumfeld zu unterstützen. Sowohl Effizienzsteigerung für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit als auch echte Lösungen und deren Wert besser zu verkaufen, wird sicher auf Grundlage dieser situativen Betrachtung die größte Herausforderung der nächsten Jahr(zehnt)e. 

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20 Jahre Fachverband Bauelemente Distribution FBDi e.V.

Der Fachverband Bauelemente Distribution, FBDi e.V., feiert sein 20-jähriges Jubiläum. Seit seiner Gründung am 14. Dezember 2003 hat der Verband sich zu einem bedeutenden Interessenvertreter der Distribution in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) entwickelt. Der Verband spricht für rund drei Viertel des Um­satz­volu­mens der in DACH ver­tre­ten­en Distributions­unter­neh­men für elektroni­sche Kompo­nenten.

»20 Jahre Verbandsarbeit in der Elektronikdistribution stehen für 20 Jahre mit einschneidenden Veränderungen bei den Distributoren, die Marktteilnehmer miteinander verbinden, die heterogener kaum sein könnten. Einerseits haben wir Hersteller, die kontinuierlich neue Produkte entwickeln, und auf der anderen Seite haben wir Industriekunden, die eine langfristige Lieferkontinuität für ihre Bauteile benötigen und auf Freigaben und Zertifizierungen angewiesen sind, etwa bei Aerospace&Defense oder in der Medizintechnik«, bilanziert Andreas Falke, Geschäftsführer des FBDi, die beiden Jahrzehnte Verbandsarbeit.

Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender des FBDi, Georg Steinberger, erklärt den Erfolg des Verbandes: »Selten dürfte ein verhältnismäßig kleiner Verband so viel Relevanz und Dynamik für seine Mitglieder und eine gesamte Branche entwickelt haben wie der FBDi in den 20 Jahren seines Bestehens. Von Anfang an konnte der FBDi einen wesentlichen Beitrag zur Aufarbeitung kritischer Themen leisten.« 

In den Competence Teams des FBDi tauschen sich die Spezialisten der Mitgliedsunternehmen in regelmäßigen Treffen und Webkonferenzen zu den immer komplexer werdenden regulatorischen Themen der Elektronikindustrie aus, darunter zu Fragestellungen wie Compliance, Kreislaufwirtschaft, Substanzregularien, Sanktionen oder Zölle. »Die Mitgliedsunternehmen profitieren von diesem Netzwerk und tragen gleichzeitig dazu bei«, so Steinberger. Die hohe marktnahe Kompetenz qualifiziere den FBDi zum gefragten Partner für Elektronik-Hersteller und -Kunden und auch die Politik. »Wir haben nicht nur die Mitgliedsunternehmen besser zu rechtlichen Fragen gewappnet, sondern auch die Wahrnehmung unserer Themen in der Öffentlichkeit geschärft.«

Ein weiterer Fokus des FBDi liegt auf der informativen Aufbereitung und Weiterentwicklung von Zahlenmaterial und Statistiken zum deutschen Distributionsmarkt für elektronische Bauelemente.

 

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